Arizona

US-Mordprozess gegen gebürtige Berlinerin Milke im September

Debra Milke saß 20 Jahre im Todestrakt eines amerikanischen Gefängnisses. Unschuldig, wie sie bekundet. Nun wird der Fall erneut aufgerollt. Im September steht Milke wieder vor Gericht.

Foto: Arizona Department Of Correction / dpa

Die gebürtige Berlinerin Debra Milke, die im US-Bundesstaat Arizona mehr als 20 Jahre in der Todeszelle saß, muss sich im Herbst erneut wegen des Todes ihres Sohn vor Gericht verantworten.

Die Zeitung „The Arizona Republic“ berichtete am Mittwoch, dass das Verfahren ab dem 30. September neu aufgerollt werde. Ein Bundesgericht hatte das umstrittene Todesurteil gegen Milke im März gekippt, doch entschied die Staatsanwaltschaft in Arizona, der 49-Jährigen erneut den Prozess zu machen.

Die Tochter eines US-Bürgers und einer Deutschen war 1990 wegen Anstiftung zum Mord an ihrem Sohn zum Tode verurteilt worden. Die gebürtige Berlinerin, die aber nicht die deutsche Staatsbürgerschaft hat, soll zwei Bekannte beauftragt haben, den vierjährigen Christopher zu töten – angeblich, weil ihr das Kind lästig war. Die Leiche des Jungen war mit drei Kopfschüsse in der Wüste bei Phoenix gefunden worden. Milke beteuerte stets ihre Unschuld.

Todesurteil stützt sich auf die Aussage eines Polizisten

Das Todesurteil gegen Milke stützte sich vor allem auf die Aussage des Polizisten Armando Saldate. Er hatte die Verdächtige alleine verhört, angeblich räumte sie dabei ihre Beteiligung an dem Mord ein. Ein unterschriebenes Geständnis gibt es aber ebenso wenig wie Tonaufnahmen oder Zeugen.

Die Geschworenen, die sie damals schuldig sprachen, erfuhren auch nicht, dass gegen Saldate eine lange Liste von Verfehlungen vorlag – darunter Falschaussage unter Eid.

Mitte März kippte ein Bundesberufungsgericht in San Francisco das Todesurteil gegen Milke. Auch eine anschließende Berufung des Bundesstaates Arizona gegen diese Entscheidung schmetterten die Bundesrichter ab. Ihrer Ansicht nach bekam die heute 49-Jährige kein faires Verfahren. Als ein Gericht in Arizona Anfang Juli anordnete, dass Milke aus der Haft entlassen werden müsse, kündigte die Staatsanwaltschaft eine erneute Anklage an.

Eine der wenigen Frauen in der Todeszelle

Nun soll das Verfahren im Herbst neu aufgerollt werden. Laut „The Arizona Republic“ wollen die Ankläger zum zweiten Mal die Todesstrafe fordern. Milkes Anwalt Michael Kimerer bemüht sich seinerseits darum, seine Mandantin gegen Kaution freizubekommen. Dem Zeitungsbericht zufolge beantragte er auch, dass die Aussage Saldates im neuen Mordprozess nicht mehr zugelassen wird. Darüber solle am 30. August entschieden werden.

Milke war eine der wenigen Frauen, die in Arizona in der Todeszelle saßen. Anfang 1998 liefen die Vorbereitungen für ihre Hinrichtung bereits, als ihre Anwälte in letzter Minute einen weiteren Aufschub erreichen konnten. AFP