TV-Kritik

„Wetten, dass..?“ - Raab kocht Lanz gleich am Anfang ab

Moderator Markus Lanz scheint in seiner neuen Rolle immer noch nicht angekommen zu sein. In der Mallorca-Ausgabe von „Wetten, dass..?“ ließ er sich von Stefan Raab und Cindy aus Marzahn vorführen.

Die besten Sprüche macht natürlich nicht der Moderator. Sondern ein Gast. Stefan Raab kocht Markus Lanz schon am Anfang von „Wetten, dass..?“ ab, als er zur schwangeren Michelle Hunziker sagt: „Der Berlusconi kann’s nicht lassen.“

So ist das leider mit Lanz, dem unglücklichen Gottschalk-Nachfolger bei Deutschlands einst populärster Fernseh-Show. Schiebt höchstens mal einen pseudojugendlichen Spruch wie „Da geht Einiges“ oder „Ist ja wohl albern“ ein. Lacht immer eine Spur zu angestrengt. Lanz ist in seiner neuen Rolle immer noch nicht angekommen.

Zum Fremdschämen die Auftritte der Schlagerstars Tim Toupet und Mickie Krause, von dem man gar nicht wusste, dass er auch jugendfreie Lieder wie „Schatzi, schenk mir ein Foto“ singt. Raab singt dann nach fast 20 Jahren wieder mit Jürgen Drews „Ein Bett im Kornfeld“. Aber so muss das wohl sein, wenn das ZDF auf Mallorca dreht. So wird Qualitätsfernsehen neu definiert.

Öffentlich-rechtliches Fernsehen mit Raab und den Geissens

Unterirdischer als die Schlager-Jungs sind nur noch die Geissens – also Robert und Carmen Geiss, die sonst auf RTL2 einen Eindruck davon vermitteln, wie primitiv Neureiche sein können. Man fragt sich auch, warum das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit den Geissens, Cindy aus Marzahn, Stefan Raab und den Schlagerstars so viele Leute vor die Kamera stellt, die im Privatfernsehen groß geworden sind. Und natürlich dort auch viel besser hin passen. Oder will man wirklich eine Carmen Geiss sehen, der oft nichts anders einfällt als: „Ach, du Sch...!“

Und doch kann man nicht sagen, dass die Sendung nur schlecht ist. Die Wetten sind diesmal gar nicht so übel. So zum Beispiel der junge Mann aus Österreich, der in weniger als 60 Sekunden ohne Hilfe der Beine die Rückseite einer 20 Meter hohe Feuerwehrleiter hochklettert. Oder der Mann, der Saltos macht und dann in Unterhosen springt. Der legendäre Sportmoderator Rolf Töpperwien kommentiert: „Zwei Badehosen hat er schon besprungen.“ Und dann noch der unbekümmerte Tanzlehrer, der seine Wette so vorstellt: „Ich knacke mit meinem Hintern Nüsse.“ 50 Nüsse in 60 Sekunden. Anstrengend. Aber geschafft. Wette gewonnen.

Doch leider haben die Gäste nicht viel zu erzählen. Am spannendsten ist da noch, dass Michelle Hunziker verrät: Tomaso Trussardi und ich haben uns verlobt. „Ja, er hat es getan, ganz romantisch.“ Wie auch sonst.

Und dann pampt Assistentin Cindy aus Marzahn auch noch ständig den Chefmoderator an: „Herr Lanz, es reicht!“ Oder: „Wir sind hier nicht auf dem Ponyhof.“ Am Anfang vielleicht amüsant, später nur noch nervig.

Bei all diesem endlosen Geschwafel sehnt man sich nach dem wortkargen Charles Bronson in „Spiel mir das Lied vom Tod“.

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