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Welche Baby-Vornamen deutschen Eltern gefallen

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Eva Lindner

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Luca und Sophie sind die beliebtesten Vornamen. Doch immer mehr Mütter und Väter entscheiden sich für „Nemo“, „Flonne“ oder „Skywalker“.

„Luca, gib der Sophie sofort ihre Schaufel zurück!“ Wenn man nach einer Erhebung der Gesellschaft für deutsche Sprache geht, müsste dieser Satz in den kommenden Jahren häufig über die Spielplätze dieser Stadt tönen. Denn im Jahr 2012 waren bei Eltern diese beiden Vornamen für ihre Neugeborenen am beliebtesten.

Sophie oder Sofie kommt aus dem Griechischen und bedeutet Weisheit, er ist schon zum zweiten Mal in Folge der beliebteste deutsche Mädchenname. Luca oder Luka kommt aus dem Lateinischen, Lukas ist der aus der italienischen Region Lucania Stammende. Luca stand auf der Liste im Vorjahr noch auf Platz sieben.

Für Mädchen stehen bei den Eltern außerdem Marie, Emma oder Hannah hoch im Kurs, für Jungen Maximilian, Alexander, Paul und Ben.

Im Norden mag man es einsilbig

Im Vergleich zum Süden Deutschlands hat man es in Berlin und im Norden Deutschlands lieber einfach. Der Berliner ist ja für seine Schnörkellosigkeit bekannt, Paul, Finn oder Ben lassen sich eben leichter rufen, als Maximilian oder Charlotte, die süddeutsche Eltern für ihre Kinder bevorzugen. Fest steht aber: Klassische griechische oder lateinische Namen sind am beliebtesten, türkische oder arabische Namen wie Mohamed oder Leila rangieren auf den hinteren Plätzen. Der früher bei türkischen Einwanderern beliebte Name Ali taucht gar nicht mehr unter den 200 beliebtesten Namen auf.

Doch Eltern entscheiden sich immer häufiger für ausgefallene Vornamen. Hedi-Rocky, Flonne oder Ultraviolett für Mädchen, Rocky, Nemo, Corleone, Skywalker oder Maradona für Jungen. Das registrieren Experten und Standesbeamte bundesweit. Auch die Urteile, wenn es zu Gerichtsverhandlungen kommt, fallen immer öfter zugunsten der Eltern aus, die den gewählten Namen mit aller Macht durchboxen wollen. Sollten Eltern mit ihrem Vorschlag im Standesamt nicht durchkommen, können sie sich an das Zentrum für Namenforschung in Leipzig wenden. Hier prüfen die Mitarbeiter anhand von Namensbüchern, ob dem Namen irgendwo auf der Welt ein Ursprung zugewiesen werden kann. Ausschlaggebend für die Empfehlungen sind vor allem drei Kriterien: Der Name muss eindeutig als Vorname und eindeutig als männlich oder weiblich erkennbar sein, und er darf nicht anstößig sein. Außerdem steht das Wohl des Kindes im Vordergrund.

Jährlich weist das Zentrum einige Vorschläge zurück, Winnetou, Grammofon oder Pumuckl wurden bereits abgelehnt. „Solche Namen sind Zeichen für die Selbstdarstellung der Eltern, ihre Kinder sollen sich abgrenzen“, sagt Marko Meier vom Zentrum für Namenforschung. Einen Gefallen tue man seinen Kindern damit nicht. Anders als die Eltern wollen die Kleinen mit ihrem Namen meistens nicht auffallen, sie wollen sein wie alle anderen auch. Denn in der Schule wird eine Destiny tendenziell eher aufgrund ihres Namens gehänselt als eine Dorothea.

Berlin hat tolerante Standesämter

„Auch Luca kann streng genommen sowohl männlich als auch weiblich sein, eigentlich bedarf es deshalb eines eindeutigen Zweitnamens“, sagt Meier. Wie streng diese Regelung genommen wird, hängt von den jeweiligen Standesbeamten ab. Die Toleranzschwelle in Großstädten sei dafür niedriger als auf dem Land. Das Standesamt Hamburg-Nord ließ zuletzt die Namen Sexmus Ronny, Don Armani Karl-Heinz und Camino Santiago Freigeist zu.

Aus Berlin kämen laut Meier eher wenige Anfragen, was für die Großzügigkeit der Standesämter spreche, auch ausgefallene Namen zuzulassen. Oft könne man laut Statistik von dem Vornamen auf die soziale Herkunft des Kindes schließen. „Eltern aus dem Bildungsbürgertum lassen sich eher von Namen aus der Literatur oder der Geschichte inspirieren, Eltern aus bildungsfernen Schichten eher von Film und Fernsehen“, sagt Namensforscher Meier. Deshalb hätten Kinder aus unteren sozialen Schichten auch häufiger englische oder französische Namen, wie Cindy, Justin oder Klassiker wie Kevin oder Chantal.

„Generell entscheiden sich Eltern aber für den Namen, der in ihren Ohren am besten klingt“, sagt Meier. Und über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten.

( mit dpa )

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