Schmuggel

Das sind die kuriosesten Verstecke von Schmugglern

Bei seiner Jahresbilanz präsentiert der Zoll wieder Kurioses und Gefährliches. Vor allem die Geldverstecke zeugen von Kreativität. Viele Schmuggelwaren sind aber auch gefährlich.

Die Funksteckdosen aus China schmoren durch, die gefälschten Sonnenbrillen können mangels UV-Filter zu Augen-Verletzungen führen, und die Laser-Pointer brennen ein Loch ins Papier. Vor nachgemachten Produkten wie diesen warnt der Zoll. „Seit Jahren drängen verstärkt die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt gefährdende Waren aller Art auf den Markt“, sagte der Leiter des Hauptzollamts Frankfurt, Albrecht Vieth, am Dienstag. „Eine besondere Aufgabe für den Zoll gerade am Frankfurter Flughafen als Einfallstor für Güter aus aller Welt.“

Produktpiraterie bedrohe nicht nur Arbeitsplätze und Unternehmen erheblich, sondern auch die Gesundheit der Verbraucher. Denn die Plagiate seien oft viel unsicherer als die Originale.

Nachgemachte Kfz-Ersatzteile, LED-Lampen und Spielzeug-Helikopter gehörten 2012 ebenso zu den fast 124.000 am Flughafen sichergestellten Gegenständen wie Ladegeräte und Akkus für Handys, Kopfhörer und Speicherkarten.

Laser-Pointer brennen Loch in das Papier

Die meisten stammten aus China, Taiwan und Hongkong und hatten keine oder nachgeahmte CE-Zeichen. Darunter waren etwa 3000 funkgesteuerte Steckdosen und Dimmer für Lichtsysteme, die trotz der Kennzeichnung erhebliche Sicherheitsmängel hatten. „Oft fehlt die Sicherung“, sagte die Sprecherin des Hauptzollamts, Christine Straß, über die Leuchten. Kopfhörer-Plagiate hätten häufig keine Begrenzung der Lautstärke und schadeten so dem Gehör.

Der Trend setzt sich auch 2013 fort: So kam Ende Januar eine Sendung mit rund 200 Laser-Pointern aus Fernost, die nicht den Vorgaben entsprachen, wie der Sprecher des Regierungspräsidiums Darmstadt, Dieter Ohl, berichtete. Ein anderer, ebenfalls 2013 entdeckter Laser-Pointer aus den USA sei 800 Mal so stark wie erlaubt, ergänzte Straß. „Manchmal sind es auch Plüschtiere, deren Nähte leicht aufreißen, und das Füllmaterial rausfällt“, sagte Ohl.

Sonnenbrillen lassen das UV-Licht durch

60 nachgemachte Sonnenbrillen seien vor wenigen Wochen auch nach Frankfurt gelangt, berichtete er. „Das Schlimmste sind dunkle Brillen, die das UV-Licht durchlassen“, erläutert der Wiesbadener Augenarzt Klaus Heckmann. Denn die Pupillen erweitern sich durch die dunkle Brille, und das UV-Licht kann ungehindert auf die Netzhaut treffen. Besonders gefährdet seien Kinder, weil sich die Pupillen bei jungen Menschen noch weiter öffneten.

Fast zwei Drittel der Verbraucher haben nach einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young schon einmal ein Plagiat gekauft, 30 Prozent wissentlich. Und kaum ein Produkt sei mehr vor Fälschungen sicher. „Der Trend der Verbraucher zu immer billiger manifestiert sich im Erwerb von Fälschungen“, sagte der Leiter des Zollfahndungsamtes Frankfurt, Markus Tönsgerlemann.

50 Kilo markengefälschte Kohle für Shisha-Wasserpfeifen, die seine Fahnder kürzlich bei einem Importhändler im Kreis Gießen entdeckten, nannte er als Beispiel. „Die Rauchentwicklung ist höher und der Ascherückstand größer, wodurch von einer deutlich höheren Aufnahme des giftigen Kohlenmonoxids und somit einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung auszugehen ist.“

Warnung vor gefälschten Medikamenten

Gefälschte Medikamente könnten besonders gesundheitsschädlich sein, warnte Vieth. Mehr als 1,7 Millionen verschiedene gefälschte Tabletten beschlagnahmte der Zoll 2012 am Flughafen. So hatte allein ein Reisender aus China mehr als 41.000 Stück verschiedener Präparate bei sich, vom Kopfschmerzmittel über Schlankheitspillen und angstlösende Medikamente bis zu Potenzmitteln. Diese würden am häufigsten gefunden. „Es sind meist Fälschungen, die illegal ohne jeden Sicherheitsstandard produziert wurden.“

Andere Medikamente verstoßen gegen das Washingtoner Artenschutzgesetz. Straß zeigt 2012 beschlagnahmte Beispiele: Braunbär-Fett für die Haut, Pflaster aus gemahlenen Tigerknochen und Hoodian-Kapseln, die den Appetit zügeln sollen, aber ein Seidenpflanzengewächs sind.

Auch in Bremerhaven hat der Zoll diese Erfahrungen gemacht

In der Lagerhalle des Zolls in Bremerhaven ist ein großes Warensortiment aufgebaut. Polohemden von Lacoste und Ralph Lauren, Hemden von Tommy Hilfiger, Berge von Crocs-Sandalen, Rolex-Uhren, Barbie-Puppen, Rennwagen, Legosteine – alles Nachahmungen oder falsch etikettiert. Gleich containerweise hat der Zoll in Bremerhaven und Bremen gefälschte Textilien, nachgemachte Spielwaren und gefährliche Elektrogeräte aus dem Verkehr gezogen. „Ich kenne nichts, was nicht gefälscht wird“, sagte der Leiter des Zollamts Bremerhaven, Andreas Heuer, am Dienstag bei der Vorstellung der Jahresbilanz.

Für die Zollbehörde im kleinsten Bundesland sei es ein sehr erfolgreiches Jahr gewesen, erklärte Jörg Winterfeld, Leiter des Hauptzollamtes. 4,4 Milliarden Euro habe die Behörde für die Staatskasse eingenommen, 7,5 Prozent mehr als 2011. Es wurden auch 1,7 Tonnen Rauschgift sichergestellt, darunter 50 Kilo Heroin mit einem Marktwert von etwa 3 Millionen Euro. Das Hauptzollamt Oldenburg hat 2012 nach eigenen Angaben 1,53 Milliarden Euro eingenommen.

Zollhund Diego ist auf Geld spezialisiert

Auch die Kontrolle der Aus- und Einfuhr von Bargeld gehört zu den vielfältigen Aufgaben der Zöllner. Zollhund Diego ist einer der wenigen Spezialisten für Geldsuche. Der fünfjährige Labrador zeigt seine Künste: Zunächst wühlt er in einem Karton mit Schuhen herum, dann wird er in einem Karton unter Textilien fündig, zieht an dem Karton und verharrt schließlich davor. Winterfeld weist darauf hin, dass Reisende mitgeführte Geldbeträge ab 10 000 Euro von sich aus anmelden müssten.

Potenzieller Waffenschmuggel mache den Zöllnern „auch immer wieder Sorgen“, sagte Winterfeld. Im letzten Jahr wurden die Beamten beispielsweise im Umzugsgut aus Amerika fündig. Der Geländewagen sollte zollmäßig abgenommen werden. „Das sah erst ganz harmlos aus, dann fanden wir Patronen und nachdem wir das Auto weiter zerlegt hatten, Waffen.“

Auch auf dem Bremer Flughafen werden immer wieder verbotene Dinge sichergestellt. „Es ist unglaublich, wie viel Lebensmittel aus fremden Ländern mitgebracht werden“, sagte der zuständige Leiter Holger Sprung. Allein 2012 wurden zwei Tonnen eingezogen. Der Artenschutz für Tiere und Pflanzen wird oft missachtet. So brachte im vergangenen Jahr ein Reisender einen lebenden Kakadu im Handgepäck mit. „Er ist wieder aufgepäppelt worden und lebt in einem Tierpark.“

Bekämpfung der Schwarzarbeit

„Es ist das alte Räuber- und Gendarm-Spiel“, sagte Hans-Werner Fischer vom Zoll im Flughafen Hannover. Zigaretten- und Bargeldschmuggel und die exotische Tier- und Pflanzenwelt seien Alltagsgeschäft für die Zöllner am Airport.

Die Bekämpfung der Schwarzarbeit ist ein weiterer Aufgabenbereich. 2012 seien allein der Sozialversicherung 10,9 Millionen Euro vorenthalten worden, sagte Sachgebietsleiter Rolf Tangemann vom Bremer Zoll. Im Bereich des Hauptzollamtes Oldenburg beträgt die Schadenssumme nach eigenen Angaben ebenfalls fast 11 Millionen Euro.