Schusswechsel

Festgenommener schießt in Göttingen auf Polizisten

Ein 43-Jähriger hat auf einer Wache einem Beamten die Waffen entwendet und zwei Polizisten angeschossen. Jetzt soll der psychisch labile Mann in die Psychiatrie eingewiesen werden.

Foto: Stefan Rampfel / dpa

Schusswechsel im Gebäude der Polizeidirektion Göttingen: Ein 43-Jähriger hat auf einer Wache zwei Polizisten angeschossen, jetzt soll er in die Psychiatrie eingewiesen werden. „Nach der ärztlichen Untersuchung deuten die Zeichen auf Haftunfähigkeit“, sagte Oberstaatsanwalt Andreas Buick in Hannover. Der 43-Jährige sei beim Verhör am Freitag nicht wirklich ansprechbar gewesen. Aufgrund der schwierigen psychischen Verfassung werde der zuständige Richter den Mann – anstelle der sonst üblichen Vorführung – in der Psychiatrie aufsuchen.

Der wegen Urkundenfälschung Festgenommene hatte am Freitag im Gebäude der Polizeidirektion Göttingen einem Polizisten die Waffe entwendet und zwei Beamte mit Schüssen schwer verletzt. Beide gelten als diensterfahren. Wie der Festgenommene im Beisein von vier Beamten an die Waffe kam, ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch unklar. Die beiden Beamten wurden jeweils von einem Schuss ins Bein getroffen. Sie kamen in ein Krankenhaus. Anderen Beamten gelang es, den Täter zu überwältigen.

Kollegen stehen noch immer unter Schock

Der Leiter der Polizeiinspektion Göttingen, Thomas Rath, zeigt sich nach dem Vorfall tief betroffen. Nach dem in seiner Brutalität vollkommen unbegreiflichen Angriff stehen die unmittelbaren Kollegen der beiden Verletzten noch immer unter Schock. „Unser aller Gedanken sind bei den verletzten Kollegen und ihren Familien.“ Auch wenn derartige Situationen leider zum polizeilichen Alltag gehörten, würden neben den zurückbleibenden körperlichen Narben vor allem die psychischen Nachwirkungen noch lange fortwirken. „Letztlich können wir aber zumindest erleichtert sein, dass dieser Tag keine Todesopfer in unseren Reihen gefordert hat“, so Thomas Rath.

Auch Polizeipräsident Robert Kruse ist fassungslos „angesichts der Brutalität des Täters“. „Dieser rücksichtslose Angriff auf zwei meiner Kollegen ist ein weiterer Beleg für die kontinuierlich angestiegene Gewaltbereitschaft gegen Polizeibeamte in Ausübung ihres Dienstes zum Wohle der Bürger.“ Er wünsche den beiden verletzten Kollegen eine baldige Genesung, sagte der Behördenleiter.

Nicht als gewaltbereit eingestuft

Das Amtsgericht Göttingen hatte wegen mehrfacher Urkundenfälschung einen Untersuchungshaftbefehl gegen den 43-Jährigen erlassen. Als gewaltbereit sei der auch schon wegen Drogendelikten aufgefallene Mann bisher nicht eingestuft worden. Die Waffe entwendete er, als ihm Fingerabdrücke abgenommen und er fotografiert werden sollte. Nachdem er die Schüsse abgefeuert hatte, konnten ihn Polizisten überwältigen.

Polizei und Gewerkschaften fordern angesichts zunehmender Übergriffe auf Polizei und Behörden seit Jahren ein entschiedeneres Vorgehen gegen die Täter. Im Oktober 2011 erschossen zwei Motorradfahrer während einer Kontrolle in Augsburg einen Polizisten und verletzten seine Kollegin schwer. Die beiden Angeklagten müssen sich derzeit vor dem Landgericht Augsburg wegen Mordes verantworten.