Moskau

Bolschoi-Theater hält Säureattentat nicht für aufgeklärt

Foto: Sergei Ilnitsky / dpa

Ballettchef Filin, Bolschoi-Chef Iksanow und Tänzer des Ensembles glauben nicht daran, dass der verdächtige Dmitritschenko der wahre Täter ist. Sie sehen einen „Puppenspieler“ im Hintergrund.

Das Moskauer Bolschoi-Theater hält den Säureanschlag auf Ballettchef Sergej Filin trotz der Inhaftierung von drei Verdächtigen nicht für aufgeklärt. Der in der Augenklinik in Aachen behandelte Tänzer sowie Bolschoi-Chef Anatoli Iksanow gehen davon aus, dass ein „Puppenspieler“ im Hintergrund die Strippen für den Überfall gezogen habe.

Offenbar decke der gefasste Startänzer Pawel Dmitritschenko den eigentlichen Drahtzieher, sagte Filins Anwältin Tatjana Stukalowa der Agentur Interfax am Montag.

Im russischen Staatsfernsehen sprach Bolschoi-Generaldirektor Iksanow von einem „Puppenspieler“. Er glaube nicht an die bisherige Version, nach der Dmitritschenko der Auftraggeber sei. Auch das Ensemble der mit 220 Tänzern größten Balletttruppe der Welt halte den 29-Jährigen nicht für den „wahren Täter“. Die Polizei in Moskau teilte mit, dass die Ermittlungen andauerten.

1250 Euro für Überfall auf Ballettchef Filin

Der Solist Dmitritschenko hatte zugegeben, aus persönlicher Feindschaft 50.000 Rubel (1250 Euro) für den Überfall auf seinen Chef gezahlt zu haben. Er habe aber nie bestellt, Filin mit Schwefelsäure das Gesicht zu verätzen, sagte er. Als er von den Verätzungen erfahren habe, sei er entsetzt gewesen, sagte der Tänzer.

Indirekt machte er Filin für Korruption und Vetternwirtschaft am weltberühmten Musentempel verantwortlich. In Untersuchungshaft sitzen auch der mutmaßliche Attentäter, der ein vorbestrafter Schwerverbrecher ist, sowie dessen Fahrer.

Medien berichteten unter Berufung auf Ermittler und Informanten im Bolschoi, dass Dmitritschenko es seit langem auf den einflussreichen Posten des Ballettchefs abgesehen haben soll. Seine Gegner innerhalb des Bolschoi schilderten den Ballettstar, der unter anderem die Titelpartie in "Iwan der Schreckliche" tanzte, als "explosiv" und "größenwahnsinnig".

Der 42-jährige Chef der mit 220 Tänzern größten Balletttruppe der Welt wird weiter in der Augenklinik in Aachen behandelt.

( BM/dpa )