Vor Urteil

Anklage will Bewährungsstrafe für „Sexy Coras“ Ärztin

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Foto: Angelika Warmuth / dpa

Nach der tödlichen Busen-OP hat die Staatsanwaltschaft nun eine Bewährungsstrafe für die Narkoseärztin gefordert.

Für den Tod der Pornodarstellerin „Sexy Cora“ bei einer Brustvergrößerung soll eine Narkoseärztin nach dem Willen der Anklage eine Bewährungsstrafe erhalten. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft forderte am Dienstag in seinem Plädoyer vor dem Hamburger Landgericht 14 Monate Haft auf Bewährung. Er warf der Medizinerin grobe Fahrlässigkeit vor: „Die Angeklagte hat hier einen schweren Fehler begangen.“ Das Urteil wird um 13.30 Uhr erwartet.

Die Ärztin habe Atmung und Kreislauf der Patientin nicht überwacht, erklärte der Staatsanwalt – was aber ihre „ureigenste Aufgabe“ gewesen wäre. Die 23-jährige Carolin Wosnitza sei wegen der Behandlungsfehler bei der Schönheits-OP vor zwei Jahren gestorben.

Ärztin zeigt vor Gericht „ehrliche Reue“

Die Medizinerin habe erklärt, sie habe ihren Beruf aufgegeben und bereits einen Rentenantrag gestellt. Ein Berufsverbot für die 56-Jährige halte er daher nicht für nötig, sagte der Staatsanwalt. In ihrem Geständnis vor Gericht habe sie „ehrliche Reue“ gezeigt.

Der Verteidiger der Ärztin warb um Verständnis für seine Mandantin. „Ein einziger Fehler verdunkelt die gesamte Lebensleistung eines Menschen“, sagte Anwalt Otmar Kury in seinem Schlussvortrag. Tausenden Patienten habe sie zuvor beigestanden und geholfen. Die Ärztin trage nach dem Tod der Patientin schwer an ihrer Schuld, sie habe in einem furchtbaren Moment ihres Lebens versagt. Auf eine konkrete Strafmaßforderung verzichtete Kury.

Die Medizinerin habe mehr als 28 Jahre lang ohne Fehler in ihrem Beruf gearbeitet, sagte Kury. „Den Arzt, der alles weiß und alles richtig macht, den wünschen wir uns – aber wir spüren auch, dass es ihn nicht geben kann.“ Der Anwalt warf dem medizinischen Gutachter Widersprüche vor. Nach Ansicht des Sachverständigen ist es am wahrscheinlichsten, dass die Patientin nicht korrekt beatmet wurde – und die Narkoseärztin dies nicht bemerkte.

Anwalt erhob schwere Vorwürfe

Die Nebenklage – Carolins Witwer Tim Wosnitza tritt vor Gericht als Nebenkläger auf – stellte ebenfalls keinen konkreten Strafantrag, forderte aber ein lebenslanges Berufsverbot für die Medizinerin. „Es gibt nichts Wichtigeres als die regelmäßige Kontrolle der Vitalfunktionen“, sagte Wosnitzas Anwalt. „Was für den Chirurgen das Skalpell ist, ist für den Anästhesiearzt der Kugelschreiber“ – um alle Werte des Patienten zu dokumentieren.

Der Anwalt erhob schwere Vorwürfe gegen die Medizinerin und warf ihr eine „glatte Lüge“ bei der Aufklärung der Todesumstände vor. Die Zustände in der Hamburger Schönheitsklinik im schicken Stadtteil Rotherbaum bezeichnete er als „blanken Horror“ – es seien keine Protokolle geführt worden, und es habe zu wenig Personal gegeben. „Das Schockierende für mich ist, dass die Horrorzustände in der Klinik kein Einzelfall waren.“

Jeder verantwortungsbewusste Arzt hätte eine Behandlung unter diesen Missständen abgelehnt, sagte der Rechtsanwalt. „Es lag keine Verkettung unglücklicher Umstände vor, sondern eine Kumulation von Sorgfaltspflichtverletzungen.“

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