Brand

Erneut Feuer in Textilfabrik in Bangladesch ausgebrochen

Bei einem weiteren Feuer sind 50 Menschen verletzt worden. Die Polizei nahm nach dem Großbrand vom Wochenende drei Manager fest.

Foto: Pavel Rahman / dapd

Mindestens 50 Menschen sind in einer Textilfabrik in Bangladesch verletzt worden, als sie nach dem Ausbruch eines Feuers in Panik gerieten. Die Arbeiter der Fabrik Section Seven Limited in der Hafenstadt Chittagong hätten am Mittwoch fluchtartig das Gebäude verlassen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Bei dem Gedränge seien mehrere Dutzend Menschen verletzt worden.

Das Feuer sei in der vierten Etage des fünfstöckigen Gebäudes wegen eines Kurzschlusses ausgebrochen. Die Feuerwehr brachte den Brand rasch unter Kontrolle, wie es hieß. Erst am Sonnabend waren bei einem Fabrikbrand in der Nähe der Hauptstadt Dhaka 112 Textilarbeiter ums Leben gekommen.

Manager sollen Evakuierung bei Großbrand verhindert haben

Nach dem Großbrand wurden drei Manager der Fabrik festgenommen. Den Männern werde vorgeworfen, eine Evakuierung des Gebäudes verhindert zu haben, sagte der Polizeichef von Dhaka, Habibur Rahman, am Mittwoch. „Überlebende sagten uns, sie hätten Arbeitern nicht erlaubt, vor dem Feuer zu fliehen und hätten von einer Routinefeuerübung gesprochen“, sagte Rahman.

Weitere Zeugen berichteten laut Polizei, die drei Führungskräfte hätten Vorhängeschlösser an den Ausgängen angebracht. Die Polizei vernahm zudem den Inhaber der Firma Tazreen Fashion, Delwar H. Dieser werde verdächtigt, sich nicht an die Bauvorschriften gehalten zu haben. Für das neunstöckige Fabrikgebäude nahe Dhaka habe nur eine Genehmigung über drei Stockwerke vorgelegen, sagte Rahman.

Menschen in Bangladesch trauern um Opfer der Katastrophe

Mehr als tausend Arbeiter waren während der Nachtschicht von Sonnabend zu Sonntag in der Fabrik von den Flammen eingeschlossen gewesen. Die Firma produzierte Kleidung für westliche Firmen, darunter C&A. Am Dienstag trauerten die Menschen in Bangladesch um die Opfer der Katastrophe, auf den Dächern von Regierungsgebäuden und den etwa 4500 Textilfabriken hing die grün-rote Landesflagge auf Halbmast.

Nach einem Bericht der in den Niederlanden sitzenden Menschenrechtsorganisation Clean Clothes Campaign starben seit 2006 rund 700 Menschen bei Bränden in Textilfabriken. Aktivisten werfen westlichen Auftraggebern vor, sich nicht ernsthaft für sichere Arbeitsbedingungen in ihren Subunternehmen in Billiglohnländern einzusetzen.

Gewaltsame Proteste gegen Arbeitsbedingungen reißen nicht ab

In einem Industriebezirk vor den Toren der Hauptstadt Dhaka gingen am Mittwoch erneut Tausende Beschäftigte auf die Straße und blockierten den Verkehr. Sie forderten mehr Sicherheit in den Fertigungsstätten und eine Bestrafung der Verantwortlichen. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein. Augenzeugen berichteten von mindestens 20 Verletzten. Die Behörden schlossen die meisten der 300 Textilfabriken des Bezirks. Die Unruhen dauerten den dritten Tage in Folge an.

In der Kritik stehen auch westliche Firmen, die in Bangladesch fertigen lassen. Das Land ist nach China der zweitgrößte Textilproduzent der Welt. Die dortigen Fabriken sind für ihre Sicherheitsmängel und schlechten Arbeitsbedingungen berüchtigt. Manche Arbeiter verdienen umgerechnet keine 30 Euro im Monat.

Im Fokus sind auch die US-Einzelhändler Sears und Wal-Mart. Sears gab an, in der Katastrophen-Fabrik sollten eigentlich keine eigenen Marken produziert werden. Das Unternehmen prüfe aber Berichte, denen zufolge Sears-Kleidung in den verkohlten Trümmern gefunden wurden. Wal-Mart teilte mit, ein Zulieferer habe ohne Genehmigung in der Fabrik fertigen lassen. Die Kooperation sei beendet worden.