Nach „Sandy”

Experten befürchten Rattenplage in New York City

Acht Millionen Nager sollen im Untergrund der Metropole leben. Durch die Überflutungen werden sie an die Oberfläche gedrängt.

Foto: EDUARDO MUNOZ / REUTERS

Zwei Tage nach dem Durchzug von Jahrhundersturm "Sandy" an der US-Ostküste ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 76 gestiegen. Die Behörden rechneten mit weiteren Toten. Bei einem Blitzbesuch von US-Präsident Barack Obama im schwer heimgesuchten Bundesstaat New Jersey sagte er den Bewohnern rasche Hilfen der Regierung zu. "Wir sind für Euch hier", sagte Obama. "Wir werden nicht vergessen."

In den überschwemmten Gebieten an der US-Ostküste laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. In einigen Regionen trat wieder Normalität ein – an manchen Orten wie etwa New York allerdings nur sehr schleppend.

Dort hat „Sandy“ möglicherweise unangenehme Folgen: Experten fürchten, dass Ratten aus dem New Yorker Untergrund vom Hochwasser an die Oberfläche gedrängt werden könnten. Zwar ist unbekannt, wie viele Ratten in New York hausen, man geht aber von etwa acht Millionen Nagern aus - etwa eine Ratte pro Einwohner.

Rick Ostfeld, Umweltfachmann am Cary Institute of Ecosystem Studies bestätigte entsprechende Befürchtungen: "Nur wenige Ratten sind durch die Fluten ums Leben gekommen", sagt Ostfield. "Denn so schnell wie die Wassermassen steigen, so schnell können auch die Ratten emporlaufen." Außerdem seien Ratten tüchtige Schwimmer. Die Nager könnten sich so auch in Gebieten ausbreiten, die bisher noch nicht von Ratten geplagt waren, sagte der Experte.

Bora Zivkovic, Verhaltensbiologe und Redakteur bei der Zeitschrift "Scientific American", denkt jedoch, dass hochgeschwemmte Ratten sobald das Wasser zurückgehe, sich wieder in ihr ursprüngliches Gebiet zurückziehen. Ratten fänden ihr "Zuhause" auch von langen Entfernungen wieder. Es besteht also keine langfristige Gefahr einer Ratteninvasion in New York.

Iran bieten USA Hilfe an - Kuba kondoliert

Trotz der politischen Feindschaft hat der Iran den USA wegen der Zerstörungen durch Wirbelsturm „Sandy“ seine Hilfe angeboten. Der Iranische Rote Halbmond habe große Erfahrung mit Stürmen und Überschwemmungen, sagte dessen Vorsitzender Mahmud Mosafar am Mittwochabend der Nachrichtenagentur Fars.

Die Organisation stehe bereit, den Opfern in New York und anderen Städten zu helfen. Sollte die US-Regierung das Angebot annehmen, würden die iranischen Helfer umgehend nach Amerika aufbrechen. Der Iran und die USA gelten als Erzfeinde und unterhalten seit mehr als 30 Jahren keine diplomatischen Beziehungen mehr.

Beileidsbekundungen gab es unterdessen von Kuba, einem weiteren US-Gegner. Staatschef Raúl Castro drückte sein Bedauern über die Opfer in den USA und anderen Ländern wie Haiti, Bahamas, Jamaika und Kanada aus. Auf der sozialistischen Karibikinsel selbst forderte „Sandy“ mindestens elf Menschenleben.

New-York-Marathon findet statt, NBA-Auftakt vertagt

Trotz der verheerenden Folgen des Hurrikans findet der New-York-Marathon am Sonntag wie geplant statt. Dagegen wurde der NBA-Saisonauftakt der New York Knicks gegen die Brooklyn Nets, die früheren New Jersey Nets, abgesagt. Das gab New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg am Mittwoch bekannt. Wie der stellvertretende NBA-Boss Adam Silver mitteilte, sei eine Verlegung laut Bloomberg im besten Interesse der Stadt New York, der Teams und der Fans.

„Einige Leute finden, dass wir den Marathon nicht austragen sollten. Aber viele kleine Geschäftsleute sind unter anderem von dem Marathon abhängig, an die müssen wir auch denken“, sagte Bloomberg: „Es ist eine großartige Veranstaltung für New York, und die Opfer würden auch wollen, dass wir eine Stadt sind, die weiterlebt und die dunklen Tage hinter sich lässt.“