Monstersturm

„Sandy” spült eine Million Liter Diesel ins Meer

Der verheerende Wirbelsturm „Sandy“ zieht wohl auch eine Umweltkatastrophe nach sich. Der Sturm riss einen Tank auf.

Foto: Kevin R. Wexler / dapd

Durch einen Unfall im Zusammenhang mit dem Wirbelsturm „Sandy“ sind in einer Raffinerie im US-Bundesstaat New Jersey mehr als eine Million Liter Diesel ins Meer geflossen. Wie der Fernsehsender CNN am Donnerstag berichtete, wurde durch das Unwetter ein Tank in einer Raffinerie aufgerissen. Demnach waren rund hundert Arbeiter unter Aufsicht der Küstenwache im Einsatz, um das ausgelaufene Öl zu beseitigen.

Nach wie vor sind rund sechs Millionen Amerikaner ohne Strom. Allein vier Millionen davon lebten in den Staaten New York und New Jersey, teilte das Energieministerium in Washington mit. Auch sonst kämpfen die Menschen mit den Folgen des Unwetters: In New York musste eine weiteres Krankenhaus evakuiert worden. Präsident Barack Obama versprach den Betroffenen rasche Hilfe. Priorität habe die Wiederherstellung der Stromversorgung. Mindestens 50 Menschen waren beim Durchzug des Jahrhundertsturms ums Leben gekommen.

„Wir sind für euch hier. Wir werden nicht vergessen“, sagte Obama bei seinem Blitzbesuch im schwer heimgesuchten Bundesstaat New Jersey. Obama verschaffte sich einen Überblick über das Ausmaß der Zerstörungen. Außerdem sprach er mit Betroffenen. Der Besuch des Präsidenten dauerte gut dreieinhalb Stunden.

500 Patienten aus Krankenhaus in Manhattan evakuiert

Nach dem Durchzug von „Sandy“ am Montag und Dienstag waren zunächst rund acht Millionen Amerikaner ohne Strom gewesen. Die rund 500 Patienten des Bellevue Krankenhauses nahe dem East River in Manhattan mussten am Mittwoch ebenfalls wegen Problemen bei der Versorgung in Sicherheit gebracht worden. Das Hospital habe nach dem Sturm zunächst mit Notstrom-Generatoren funktioniert, dann seien aber auch diese ausgefallen, hieß es.

Drei Kernkraftwerke bleiben abgeschaltet

Auch die drei Kernkraftwerke in den Unwettergebieten, die im Zuge von „Sandy“ vom Netz genommen worden, bleiben weiter außer Betrieb. Lediglich der Reaktor Indian Point im Staat New York solle in den nächsten Tagen wieder ans Netz gehen, gab ein Sprecher der Atomaufsichtsbehörde NRC in Pennsylvania, Neil Sheehan, bekannt.

Sheehan betonte, es gebe keinerlei Ähnlichkeiten mit dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima. „Diese Reaktoren, die abgeschaltet worden waren, hätten keinerlei Komplikationen aufgewiesen.“

U-Bahn in New York will Betrieb teilweise wieder aufnehmen

Auch der dritte Flughafen von New York, La Guardia, solle an diesem Donnerstag wieder seine Arbeit aufnehmen. Zuvor waren die Airports John F. Kennedy und Newark zumindest teilweise wieder geöffnet worden. In New York fuhren am Mittwoch wieder Busse. Auch die so wichtige U-Bahn in New York sollte am Donnerstag wieder fahren – zumindest ein paar Züge.

Obama macht wieder Wahlkampf

Nach seinem dreitägigen Einsatz als Krisenmanager will US-Präsident Barack Obama am Donnerstag sein Wahlkampfprogramm wieder aufnehmen. Geplant sind Stationen in Nevada, Colorado und Wisconsin. Damit wird vermutlich auch Herausforderer Mitt Romney das Tempo wieder erhöhen. Der Republikaner hatte sich bei seinen Auftritten am Mittwoch angesichts dutzender Todesopfer durch den Supersturm mit verbalen Angriffen auf den Präsidenten zurückgehalten.

Für Obama war die Naturkatastrophe eine einmalige Gelegenheit, kurz vor der Wahl seine Führungsqualitäten unter Beweis zu stellen. Dabei hatte er unerwartete Schützenhilfe von einem seiner ärgsten Widersacher bekommen: New Jerseys republikanischer Gouverneur Chris Christie hatte den Präsidenten am Dienstag ausdrücklich für sein Krisenmanagement gelobt und seinem Parteifreund Romney so einen Rückschlag versetzt. „Ich kann ihm nicht genug dafür danken“, sagte Christie über die zügige Reaktion Obamas auf die schweren Schäden, die „Sandy“ in seinem Staat angerichtet hatte.

Dennoch ist kaum abzusehen, welchen Einfluss Obamas dreitägiges Sonderprogramm auf den Ausgang der Wahl haben wird. Jüngsten Umfragen zufolge liegen beide Kandidaten derzeit nahezu gleichauf. In zahlreichen der vermutlich wahlentscheidenden Swing-States liegt der Amtsinhaber demnach leicht in Führung.