Vorbestraft

Vergewaltiger quälte Rebecca vier Tage lang

| Lesedauer: 4 Minuten

Fast vier Tage hat ein Mann in Rostock eine 17-Jährige gefangen gehalten und vergewaltigt. Mit einer Verzweiflungstat rettete sich Rebecca.

Rebecca war zur falschen Zeit am falschen Ort – dann erlebte sie ein tagelanges Martyrium. Die 17-Jährige gerät in die Hand eines Gewalttäters, der sich nur Zigaretten kaufen wollte – so schilderte es am Mittwoch die Polizei. Erst 2011 war der mutmaßliche Täter, ein mehrfach vorbestrafter Mann, aus dem Gefängnis freigekommen. Die Justiz in Rostock hatte ihn zwar weiter im Blick, schätzte ihn aber wohl nicht als hoch gefährlich ein. Am vergangenen Samstag aber verging sich der 28-Jährige an Rebecca, schleppte sie nach Hause, malträtierte und vergewaltigte sie.

Noch sind nicht alle Details von Rebeccas Leiden bekannt, viele Dinge wird die Öffentlichkeit nie erfahren – zum Schutz der Jugendlichen. Sie war am Samstag gegen 02.30 Uhr aus einer Disco im Stadthafen zu Fuß zu einem Freund im nahen Stadtteil Dierkow unterwegs. Da lief sie dem vielfach vorbestraften 28-jährigen Mario B. in die Hände.

Der Mann war schon 1999 aufgefallen: Er war als 14-Jähriger unter anderem wegen Vergewaltigung zu einer zweijährigen Jugendstrafe verurteilt worden. Es folgte Straftat auf Straftat, in seinem jungen Leben war er bereits zehn Jahre im Knast. Erst seit August 2011 ist er auf freiem Fuß und steht unter Führungsaufsicht. „Da hat er sich bislang gut bewährt, eine Ausbildung als Koch absolviert“, sagte Staatsanwalt Andreas Gärtner. Hinweise darauf, dass er noch einmal Straftaten begehen wird, gibt es nicht.

Mit dem Fahrrad angerempelt

Und doch schlägt er in dieser Nacht zu: Mit dem Fahrrad rempelt er Rebecca an. Mario B. verletzt sie mit einem Messer schwer an der Hand und vergewaltigt sie in dieser menschenleeren Gegend. Ein bewohntes Haus ist nicht in der Nähe, schilderte der Rostocker Polizeipräsident Thomas Laum. Rebecca hatte keine Chance, sich gegen den körperlich überlegenen Mann durchzusetzen. Dann brachte Mario B. die Jugendliche in seine Wohnung, fesselte, bedrohte und schlug sie immer wieder, mehrmals wird sie vergewaltigt.

Was dann fast vier Tage lang passiert, ist kaum bekannt. Die Beamten schilderten in der Pressekonferenz aber, was sie wissen oder preis geben wollen: Die zwei sprachen miteinander, Rebecca bekam zu essen, sie bekam sogar mit, dass fieberhaft nach ihr gesucht wurde. Gefesselt wurde sie nur, wenn der Mann die Wohnung verließ. Die Nachbarn waren ahnungslos, wussten nicht, was sich im ersten Stock des Mehrfamilienhauses am Dierkower Damm abspielt. Die Wohnung war abgedunkelt, Rebecca konnte nicht sehen, ob es Tag oder Nacht ist.

Sprung aus dem Fenster

Warum Mario B. am Dienstag die Wohnung dann verließ, ist nicht bekannt. Der Druck auf ihn musste riesig gewesen sein. Schließlich sprang Rebecca aus dem Fenster, es gelang ihr, ein Auto zu stoppen, der Fahrer brachte sie zur Polizei. Das Handy des Peinigers wurde geortet, der Mann wurde in der Rostocker Stadtmitte gefasst. Er hatte einen Schlagring dabei, leistete aber keinen Widerstand. Für die Polizisten, von denen die meisten auch Kinder haben, ging damit ein hochemotionaler Einsatz zu Ende.

Nach Ansicht des Leiters des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer, hat Rebecca Chancen, diese extreme Geschichte gut zu überstehen. „Die menschliche Psyche verkraftet solche grauenhaften Ereignisse dann gut, wenn die betreffende Person von ihrer Entwicklung Kraft mitbekommen hat.“ Zudem gebe es in Deutschland sehr gute Traumatherapeuten.

Mario B. droht nun für immer hinter Gittern zu verschwinden. „Er ist ein Kandidat für die Sicherungsverwahrung“, meinte Pfeiffer. Ob er therapierbar ist, sei zweifelhaft. Möglicherweise gehöre Mario B. zu denen, die Gewalt zwingend brauchen, um sexuelle Befriedigung zu bekommen.

( dpa/mim )

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos