Weltrekord

Felix Baumgartner gelingt Sprung vom Rand des Weltalls

| Lesedauer: 6 Minuten

Extremsportler Baumgartner ist nach seinem Sprung aus 39 Kilometern Höhe sicher gelandet. Der Stratosphäre-Sprung glich einer Nasa-Mission.

Er hat es geschafft: Dem Österreicher Felix Baumgartner ist der waghalsige Rekordsprung aus rund 39 Kilometern Höhe geglückt. Er landete nach rund fünf Minuten Fall sicher und anscheinend gesund und bei Bewusstsein auf der Erde.

Bei der Landung am Sonntag riss Baumgartner die Arme in Siegerpose in die Höhe. Im Kontrollzentrum in Roswell im US-Staat New Mexico brach lauter Jubel aus.

Die Organisatoren gingen davon aus, dass Baumgartner wie geplant im freien Fall die Schallmauer durchbrechen konnte. Eine Bestätigung ist aber erst nach einer Analyse der Messwerte möglich.

Bewusst wahrgenommen hat Baumgartner dies jedenfalls nicht. „Ich habe den Überschall nicht gespürt, ich war so beschäftigt mit anderen Dingen“, sagte der Österreicher im ersten Interview nach der Landung. Auf seine Gefühle angesprochen, meinte er: „Mir sind 20 Tonnen Last abgefallen.“ Im Fall habe er trotz zwischenzeitlicher Überschläge „jede Sekunde gewusst, was passiert“.

„Jetzt wird's ernst, Felix“, hatte Baumgarnters Mentor, der bisherige Rekordinhaber Joe Kittinger, über Funk durchgesagt, als er mit ihm die Checkliste zur Vorbereitung des Sprungs durchging. Wenige Minuten später war es soweit. Baumgartner hob die Hand zum Gruß kurz an den Kopf und stieß sich von der Kapsel ab.

Gut zweieinhalb Stunden zuvor war Baumgartner um 9.31 Uhr (Ortszeit, 17.31 Uhr MESZ) in einer Spezialkapsel an einem Heliumballon bis zur Stratosphäre aufgestiegen. Anvisiert war eine Höhe von 36.600 Metern. Nach zwei Stunden und zwölf Minuten war dieser Punkt erreicht. Bis der „furchtlose Felix“, wie er auch gerufen wird, sich schließlich aus der Kapsel stürzte, stieg der Ballon noch auf rund 39.000 Meter.

Freier Fall kürzer als erwartet

Kein Mensch zuvor flog je mit einem Ballon in eine solche Höhe. Diesen Weltrekord stellte Baumgartner somit erfolgreich auf. Ob er jedoch tatsächlich im freien Fall die Schallmauer durchbrochen hat, war zunächst nicht bekannt. Die technischen Daten mussten noch ausgewertet werden.

Nach Plan hätte er nach einer halben Minute in einer Höhe von 30.480 Metern Schallgeschwindigkeit von 308 Metern pro Sekunde erreichen sollen. Baumgartner zog die Leine des Fallschirms überdies früher als geplant. Somit war der freie Fall kürzer als erwartet - und unter er blieb unter dem Rekord von Kittinger. „Der soll bei ihm bleiben. Das hat er sich verdient“, meinte Baumgartner, der nach seiner Landung auch von Kittinger beglückwünscht wurde.

Dabei lief vor dem Sprung längst nicht alles glatt. „Ich habe sieben Jahre auf diesen Moment hingearbeitet. Und dann funktioniert plötzlich die Visierheizung nicht richtig. Ich dachte: 'Das kann doch nicht wahr sein'“, schilderte Baumgartner die brenzlige Situation, „dann haben wir uns aber dennoch für den Sprung entschieden.“ Zudem sei er hoch oben in der Stratosphäre müde und dehydriert gewesen.

Baumgartner riskierte sein Leben. Er musste in einem perfekten Winkel aus der Kapsel abspringen und hatte dabei nur sehr geringen Spielraum. Wenn er sich überschlagen hätte oder ins Trudeln gekommen wäre, hätten ihm schwerste Gesundheitsschäden wie Erblindung und sogar tödliche Verletzungen gedroht.

Er war geschützt durch einen Druckanzug, einen Helm und drei Fallschirme. Ärzte, Ingenieure und weitere Helfer aus Baumgartners Team, das vom Hersteller des Energy-Drinks Red Bull gesponsert wird, hatten die Risiken fünf Jahre lang analysiert.

Baumgartners ursprünglich für vergangenen Montag geplanter Rekordversuch war zuvor drei Mal wegen zu starker Winde verschoben worden. Bisher hielt Kittinger den Rekord für den höchsten Absprung. Der US-Amerikaner war 1960 aus 31 Kilometern Höhe in die Tiefe gestürzt, hatte aber mit einem Tempo von 988 Stundenkilometern die Schallgeschwindigkeit verfehlt.

Im Vorfeld wurde immer wieder betont, mit dem Projekt wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse für die Raumfahrt gewinnen zu wollen. Der Nutzen ist aber unter Experten umstritten.

Zu Baumgartners hundert Mitglieder zählenden Unterstützerteam zählt auch der frühere US-Luftwaffenoberst Kittinger, der 1960 aus 31.333 Metern Höhe gesprungen war und damit den bisherigen Rekord im freien Fall hielt.

Der ursprünglich für vergangenen Montag geplante Rekordversuch war zuvor drei Mal wegen zu starker Winde verschoben worden.

Weltweiter Jubel

„Manchmal muss man wirklich hoch hinaus, um zu sehen, wie klein wir sind“, sagt ein überschwenglicher Baumgartner nach seiner Landung zu Journalisten. Nach dem Rekordsprung will er sich nach eigenen Angaben den kleineren Dingen im Leben widmen, sesshaft werden, doch auch dabei will er offenbar noch hoch hinaus: In den USA oder Österreich wolle er Hubschrauber fliegen, hatte er vor dem Sprung gesagt.

Schnell trafen die ersten offiziellen Glückwünsche für Baumgartner ein. Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer schrieb auf seiner Facebook-Seite zum Stratosphären-Sprung: „Österreich ist stolz auf Ihre Leistung!“ Er gratuliere herzlich zum großartigen Erfolg, der mit Mut und Beharrlichkeit erreicht worden sei und weltweit Aufmerksamkeit finde.

Die Europäische Weltraumorganisation ESA reagierte via Twitter: „Sicher gelandet! Glückwunsch auch von uns an Felix Baumgartner, einen sehr, sehr mutigen Fallschirmspringer!“

Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann war laut Mitteilung zuallerst froh, dass alles gut gegangen sei: „Ich gratuliere Felix Baumgartner und seinem Team zu dieser beeindruckenden Leistung. Sie sind gemeinsam an die Grenzen des Menschenmöglichen und an die Grenzen der Physik gegangen.“

Baumgartner hatte sich in der Vergangenheit durch zahlreiche spektakuläre Aktionen einen Namen als Extremsportler gemacht. 2003 gewann er mit Carbon-Flügeln ein Wettrennen gegen ein Flugzeug. 2007 sprang er vom Wolkenkratzer Taipei 101.

( dapd/dpa/AFP/SID/mim )

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