Studie

„Deutschland geht immer mehr den Bach runter“

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Claudia Becker

Foto: Christian Charisius / DPA

Die Stimmung im Land ist schlecht - das belegt eine neue Studie. Sie zeigt einmal mehr das Bild vom notorisch lamentierenden Deutschen.

Im Jammern und Schwarzsehen waren die Deutschen schon immer gut. Trotz Wohlstand und Frieden. Jetzt belegt eine neue, von der Oettinger-Brauerei initiierte Studie mit Fakten, wie schlecht die Stimmung im Land tatsächlich ist.

200 Frauen und Männer hat der Kölner Rheingold-Salon in Zusammenarbeit mit dem Institut für Psychologie und Transfer der Universität Bremen in zweistündigen Interviews zu ihren Sorgen, Werten und Wünschen befragt. 1060 Erwachsene nahmen an einer gesonderten Online-Umfrage teil. Unter ihnen waren Singles, junge Familien, Rentner und angeblich auch Mitglieder der Hells Angels.

Das Publikum war also bunt gemischt – die Einigkeit über die Frage hingegen, wie es um Deutschland bestellt ist, erschreckend groß. „Deutschland geht immer mehr den Bach runter“: Ganze 70 Prozent der Befragten stimmten dieser kritisch-fatalistischen Aussage zu. 80 Prozent fanden die Politik zu zögerlich, bemängelten Entscheidungsfähigkeit und Tatkraft. Und sie beobachteten einen ihrer Ansicht nach dramatischen moralischen Verfall.

Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Fleiß

Erstaunlich gleichwohl, dass auf die Frage, was typisch deutsch sei, mindestens 90 Prozent der Teilnehmer der am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie mit dem Hinweis auf die altbekannten Sekundärtugenden antworteten. Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Fleiß, Ordnung, Sauberkeit – das wäre es, was einen richtigen Deutschen ausmache. Gleichzeitig offenbarte die Befragung einen generellen Zweifel an der tatsächlichen Tugendhaftigkeit der Deutschen. Der Aussage: „Die Deutschen sind gar nicht alle so ehrlich, pünktlich und gewissenhaft, wie man immer denkt“ stimmten ebenfalls 73 Prozent der Befragten zu.

Dass es mit den deutschen Tugenden nicht so gut bestellt ist, wie es scheint, das zeigte sich für die Befragten an ganz alltäglichen Situationen. Ein Fußballtrainer, der laut verkündet, dass sich Schwalben nicht gehören und gleichzeitig mit seinen Jungs übt, wie man am geschicktesten ein Foul vortäuscht, gehört ebenso dazu wie der Unternehmer, der sich zum Chef des Jahres küren lässt, ohne seine schlecht bezahlten Leiharbeiter an der Wahl teilhaben zu lassen.

Das Bild vom notorisch lamentierenden Deutschen

Doppelmoral, Scheinheiligkeit, das wurde verstärkt in der Öffentlichkeit, aber auch im privaten Umfeld wahrgenommen. Darüber hinaus sorgten bürokratische Strukturen für Empörung, die es Einzelnen erlauben, Freiheiten zu missbrauchen, ungestraft zu betrügen. Da war zum Beispiel der Reifenhändler, der beim Arbeitsamt seinen Bedarf an einem neuen Mitarbeiter anmeldete und beim Vorstellungsgespräch feststellte, dass der Mann, der ihm geschickt wurde, gar kein Interesse an einer Anstellung hatte, weil er sich mit Schwarzarbeit ganz gut über Wasser halten kann. Als der Reifenhändler sich beim Arbeitsamt beschwerte, bat ihn der Mitarbeiter, die ganze Sache doch einfach für sich zu behalten.

Ein verstärktes Bedürfnis, die Missstände anzugehen und das gesellschaftliche Leben zu verbessern, geht aus dem allgemeinen Unmut aber nicht hervor. So bestätigt die Studie nicht nur das Bild vom notorisch lamentierenden Deutschen, sondern auch das des Biedermanns. Der Staat soll es richten. So die Quintessenz der Aussagen aus der Studie.

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