Niederrhein

Großbrand zerstört Düngemittel-Lager in Krefeld

Großalarm am Niederrhein: 200 Einsatzkräfte kämpften gegen den Brand. Die entstandenen Gase sind offenbar nicht hochgiftig.

Foto: Martin Gerten / dpa

Ein Brand in einem Krefelder Düngemittel-Lager hat am Dienstag für Großalarm am Niederrhein und im Ruhrgebiet gesorgt.

Eine riesige Rauchwolke zog über mehrere Städte hinweg. Befürchtungen, dass die durch das Feuer entstandenen Gase hochgiftig sein könnten, bestätigten sich zunächst nicht. Zwei Mitarbeiter der betroffenen Firma erlitten nach Angaben eines Stadtsprechers Rauchvergiftungen.

Die Feuerwehr Krefeld forderte Verstärkung aus umliegenden Städten an. Die Brandursache war zunächst ebenso wie die Höhe des Schadens unklar.

Wegen möglicher Schadstoffe in der Luft war in mehreren Städten die Bevölkerung aufgerufen worden, in Häusern zu bleiben und Fenster und Türen geschlossen zu halten. Der Rhein wurde teilweise für den Schiffsverkehr gesperrt.

Das Feuer war am Morgen in einer Lagerhalle für Düngemittel im Rheinhafen ausgebrochen. Die Halle wurde durch den Brand vollständig zerstört. Eine angrenzende Halle wurde nach Angaben eines Sprechers der Stadt Krefeld beschädigt. Das Feuer sei nach dreieinhalb Stunden unter Kontrolle gewesen. Trotzdem sollten die Löscharbeiten noch den ganzen Tag andauern, wie ein Feuerwehrsprecher dem Fernsehsender N24 sagte.

Auswirkungen auf den Flugverkehr

Der Großbrand hat auch Auswirkungen auf den Flugverkehr. Startende Jets vom Düsseldorfer Flughafen erhielten andere Flugrouten zugeteilt, sagte ein Sprecher der Deutschen Flugsicherung.

Nach Norden fliegende Maschinen werden nach ihrem Start zunächst weiter westlich um den Brandort herumgeführt, bevor sie Richtung Norden abbogen. Davon sei etwa jede vierte startende Maschine betroffen. Verspätungen oder Ausfälle gebe es wegen des Feuers aber nicht.

Schadstoffmessungen ergeben keine überhöhten Werte

Zwischenzeitlich kämpften über 200 Feuerwehrleute gegen den Brand an, wie der Krefelder Stadtsprecher sagte. Bei ersten Messungen auf dem Firmengelände sowie in Duisburg seien Grenzwerte nicht überschritten worden. Unter anderem sei die Luft auf Chlor, Salzsäure, Phosgen und Stickstoffverbindungen untersucht worden.

Der Betreiber des brennenden Lagers schätzte die Gefahr für die Bevölkerung als gering ein. Es entstünden zwar beim Verbrennen der Düngemittel „gewisse Dämpfe“, sagte der Geschäftsführer des in Münster ansässigen Herstellers Compo, Jens Averdiek, dem TV-Sender. Die brennenden Materialien seien aber „allesamt keine Gefahrgutstoffe“.

Nach Angaben der Krefelder Feuerwehr wurden bei dem Brand auch gefährliche Nitrose-Gase freigesetzt. In hoher Konzentration könnten sie langfristig die Atemwege schädigen, sagte ein Sprecher. In den bisherigen Messungen seien Grenzwerte jedoch nicht überschritten worden.

Trotzdem riefen Krefeld und Duisburg Eltern dazu auf, ihre Kinder bis zum Nachmittag in Schulen und Kindergärten zu lassen. Auch in anderen Städten wie Essen und Mülheim wurden die Bewohner aufgefordert, sich nicht im Freien aufzuhalten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die Stadt Duisburg betonte, auch Klimaanlagen sollten abgeschaltet werden. Selbst die Krankenhäuser im Duisburger Süden hätten ihre Lüftungsanlagen ausgeschaltet.

Rhein für den Schiffsverkehr gesperrt

Der Rhein wurde nach Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamts Duisburg-Rhein zwischen Düsseldorf-Wittlaer und Rheinberg-Orsoy auf einer Strecke von fast 40 Kilometern für den Schiffverkehr gesperrt. Auch die Rheinbrücke an der B 288 zwischen Krefeld und Duisburg war laut Krefelder Stadtsprecher aus Sicherheitsgründen vorerst unpassierbar.

Der Flugverkehr war nicht beeinträchtigt. Vom Tower des Düsseldorfer Flughafens sei die Rauchwolke zwar sichtbar gewesen, sagte der Sprecher der Deutschen Flugsicherung in Nordrhein-Westfalen, Michael Fuhrmann. Der Rauch sei aber nördlich etwa parallel zur Landebahn vorbeigezogen.

Die Stadt Krefeld richtete eine Info-Hotline unter der Telefonnummer 0 21 51 / 19 700 ein. Dort werden aktuelle Informationen und Verhaltenshinweise für die Bevölkerung gegeben.