Oktoberfest

Billigeres Bier und ein „Puffzelt” für die Wiesn?

Im Vorfeld des Oktoberfests sorgen seltsame Anträge für Aufregung. So soll der Bierpreis per Bürgerentscheid gesenkt werden.

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Normalerweise dauert es beim Oktoberfest bis nach dem Fassanstich, ehe die ersten Hemmungen fallen. In diesem Jahr aber ist alles anders: Schon vor der 179. Wiesn kochen die Emotionen hoch. Auslöser ist ein Bürgerbegehren, das für den Preis für eine Maß Bier eine Obergrenze erzwingen soll. Und dann gibt es da auch noch den Antrag von zwei Männern, die ein „Puff-Zelt“ auf dem Oktoberfest-Gelände errichten wollen – „um die weiblichen Wiesn-Besucher zu entlasten“, wie es auf der Facebook-Seite des größten Volksfests der Welt heißt.

Sonnabend in einer Woche wird Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) das erste Fass anstechen und die erste Maß seinem Kontrahenten bei der Landtagswahl 2013, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), überreichen. Für den Landesvater ist das ein Freibier – die normalen Wiesnbesucher hingegen müssen so tief in die Tasche greifen wie nie. Zwischen 9,10 Euro und 9,50 Euro kostet die Maß in diesem Jahr. Wer bei einem längeren Aufenthalt in den Zelten seine Bedienung bei Laune und so schnelle Lieferungen von Nachschub sichern will, zahlt am besten gleich einen Zehner.

Maß soll nur noch 7,10 Euro kosten

Wie gerufen scheint da die Ankündigung des Vereins gegen betrügerisches Einschenken zu kommen. Im Vorfeld der Wiesn bestimmte dieser in Person seines Präsidenten Jan-Ulrich Bittlinger die Schlagzeilen in der bayerischen Landeshauptstadt, weil er mit einem Bürgerbegehren den Bierpreis eindampfen will. Nur noch 7,10 Euro soll die Maß kosten, also zwei Euro weniger als im günstigsten Zelt. In den kommenden Jahren soll den Wirten dann gestattet werden, pro Jahr 15 Cent auf den Preis drauf zu schlagen - der Wirtesprecher ging schon auf die Barrikaden.

Doch ob es je zu solch einem Bürgerentscheid kommt? Schon in der Vergangenheit forderte der Verein mehrmals eine Bierpreis-Senkung, und vor genau zwei Jahren kündigte Bittlinger eine Unterschriftensammlung zum Jahreswechsel 2010/2011 an. Damals sei ihm etwas Privates dazwischen gekommen, seine Frau wurde schwanger, sagt Bittlinger. Und wann soll das Bürgerbegehren jetzt stattfinden? „Vielleicht schon im nächsten Jahr, vielleicht 2014“, so der bisher noch verhinderte Bierpreis-Retter. Aber auch der Sankt-Nimmerleinstag scheint nicht ausgeschlossen: „Sie können auch zehn Jahre lang Unterschriften sammeln und die bleiben gültig.“

So wird es wohl auch die nächsten Jahre so sein wie es in den vergangenen Jahren war: Mit Beginn des Oktoberfests drängeln sich gute zwei Wochen lang die Menschen auf der Theresienwiese und geben freimütig Geld aus, egal ob die Wirtschaft brummt oder lahmt. 6,9 Millionen Besucher tranken im vergangenen Jahr 7,5 Millionen Maß Bier und schleppten auch noch Millionenbeträge in die Fahrgeschäfte, die neben der Bierzelt-Straße die andere Hälfte der Wiesn dominieren. In diesem Jahr dürften die Umsätze zwar etwas kleiner ausfallen. Aber das liegt alleine daran, dass das Oktoberfest wegen eines benachbarten Landwirtschaft-Fests kleiner ist.

Zahlreiche Prostituierte reisen ebenfalls nach München

Wie in jedem Jahr gibt es auch in diesem Jahr Geschäftemacher aus dem Rotlichtmilieu, die ihr Geld mit den vielen Gästen machen wollen. Von überall her reisen Prostituierte gen München, um bis zum 7. Oktober etwas von dem beim Oktoberfest locker sitzenden Geld abzuschöpfen. Da scheint eine Geschäftsidee nicht dumm, die die Verantwortlichen des Oktoberfest-Internetauftritts auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht haben. Bei oktoberfest.de sei folgende E-Mail eingegangen: Weil die männlichen Wiesnbesucher ja oft sehr aufdringlich seien, hätten sein Geschäftspartner und er die Idee des „Puff-Zelts“, schrieb dort ein Mann.

„Die Damen des Hauses, bzw. in diesem Falle des 'Zeltes', sollten natürlich der bayerischen Tradition angemessen gekleidet sein, wenn Sie auf die Kunden warten“, heißt es in der mit Fehlern gespickten Mail. Ein „Puff-Zelt“ auf der Wiesn erscheint dann aber sogar noch unrealistischer als sinkende Bierpreise.