Fernsehfilm

Annette Frier muss sich gegen charmanten Tod behaupten

„Und weg bist du” heißt die Sat.1-Tragikkomödie, in der die Schauspielern als krebskranke Mutter ein Rendezvous mit dem Tod hat.

Foto: DPA

Charmant ist er, dieser Tod. Er weiß um die Schwächen seines Gegenübers, das er mit Witz und Entschlossenheit für sich gewinnen möchte. Mit der furchteinflößenden Figur des skelettartigen Sensenmannes hat er also nur wenig gemein. Schließlich handelt es sich bei dem Tod um Christoph Maria Herbst, populär geworden als „Stromberg“, der am Dienstagabend (3. September 2012) in der Sat.1-Tragikkomödie „Und weg bist du“ (20.15 Uhr) Annette Frier in das Jenseits zu begleiten versucht. Sie spielt eine krebskranke Mutter – und wehrt sich mit der einzigen Waffe, die ihr in dieser Situation noch bleibt: ihrem Humor.

So locker der Filmstoff klingen mag, so amüsant die Dreharbeiten auch gewesen sind, die 38-Jährige setzt sich seit Längerem durchaus ernsthaft mit diesem Thema auseinander. „Ich habe mich viel damit beschäftigt, privat und professionell sozusagen. Es ist tatsächlich bereichernd, sich über den Tod Gedanken zu machen. Wenn man ihn ins Leben holt, dann verliert er seine monströse Gestalt“, erzählt Annette Frier, die sich im Fernsehen als schlagfertige Anwältin „Danni Lowinski“ einen Namen machte. Der eigenen Vergänglichkeit mit Humor und Ironie zu begegnen, helfe natürlich, Angst davor zu verlieren.

Allerdings, so die Schauspielerin, könne sie das nicht in jeder Situation. Als ihr Vater vor zehn Jahren verstarb, war das ihr erster direkter Kontakt mit dem Tod. Trost habe sie damals unter anderem im Glauben finden können – bis heute. „Das Kuriose an der Sache: Mein Vater ist zwar nicht mehr anwesend, aber für mich immer noch da.“

Vor allem durch die Geburt ihrer Zwillinge sei sie sensibler geworden, im Umgang mit dem Leben und dem Sterben. „Ich kenne Verlustängste überhaupt erst, seit ich Mutter bin.“ Die Furcht vor Schicksalsschlägen und Krankheiten bekomme ein anderes Gewicht – genauso wie die Priorität, die man anderen Dingen bis dahin zugeschrieben hatte. Sie versuche, bewusster zu leben, sagt sie. Für die Familie. Und für sich selbst. „Ich frage mich öfters, warum ich etwas tue, vergegenwärtige mir, dass ich jetzt den Zeitpunkt genießen muss.“

Gegenüber ihren knapp vierjährigen Zwillingen verschweige sie den Tod nicht, sie könnte es auch gar nicht. Das Leben ende einfach tödlich, sagt die gebürtige Kölnerin. „Kinder interessieren sich brennend dafür. Bei jeder toten Ameise, bei jedem toten Vogel und beim Opa im Himmel. Und ich halte das Thema nicht von ihnen fern. Denn ich denke, es ist wichtig, dass sie ein natürliches Verhältnis dazu entwickeln.“ Sie selbst hat es offenbar geschafft. Annette Frier lacht den Tod vielleicht nicht an, wie es ihre Filmfigur tut – aber sie lächelt über ihn.