Bundeswehr

Nach Vergewaltigung wird nun in Jäger-Kaserne ermittelt

Um dem Vergewaltiger einer jungen Soldatin auf die Spur zu kommen, gab es am Freitag einen Großeinsatz auf dem Kasernengelände in Bückeburg.

Foto: DAPD

Nach der Vergewaltigung einer Soldatin in einer Kaserne im niedersächsischen Bückeburg fehlt vom Täter noch jede Spur. Ein vorläufig festgenommener Zivilangestellter wurde inzwischen wieder freigelassen. „Er scheidet als Täter aus“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, André Lüth. Die junge Frau soll am Wochenende von einem Unbekannten vergewaltigt und danach geknebelt und gefesselt in einen Spind eingeschlossen worden sein. Zu den Einzelheiten der Gewalttat machten die Behörden aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben.

Am Freitag gab es einen Großeinsatz auf dem Gelände der Kaserne: Bundeswehrangehörige wurden der Staatsanwaltschaft zufolge zur freiwilligen Teilnahme an den Ermittlungen gebeten. Ob es sich dabei um die Abgabe von Speichelproben handelte, wollte der Sprecher weder bestätigen noch dementieren.

Wurde die junge Soldatin von einem Kameraden vergewaltigt? Nach wie vor werde in alle Richtungen ermittelt, sagte Lüth. Die Polizei hat für den Fall eine fünfköpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet. Auch die Feldjäger als Militärpolizei sind eingeschaltet.

Die Jägerkaserne gehört zur Heeresfliegerwaffenschule Bückeburg, dort werden unter anderem Hubschrauberpiloten ausgebildet. Nach Bundeswehrangaben sind gut 100 Soldaten hier ständig stationiert, dazu kommen 200 bis 300 Lehrgangsteilnehmer. Fremde haben es schwer, auf das Gelände zu gelangen. „Sie ist gesichert, wie eine Kaserne gesichert sein soll“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Seit 2001 ist die Bundeswehr in allen Bereichen für Frauen geöffnet, ihr Anteil liegt bei etwa zehn Prozent. Vergewaltigungen in der Bundeswehr seien absolute Einzelfälle, hatte ein Sprecher des Wehrbeauftragten erklärt. In einer 2008 veröffentlichten Untersuchung des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr berichteten allerdings fünf Prozent der befragten Soldatinnen von versuchten oder tatsächlichen sexuellen Übergriffen.

„Es gibt Fälle sexueller Belästigung in der Bundeswehr“, sagte der Direktor des Instituts, Prof. Ernst-Christoph Meier, am Freitag. Allerdings sei das in der Befragung aus dem Jahr 2005 festgestellte Ausmaß eher geringer als in anderen Streitkräften oder in der privaten Wirtschaft. „Ich weiß, dass die Bundeswehr gemeldete Vorfälle konsequent ahndet und der Prävention hohe Bedeutung beigemessen wird“, erklärte Meier. Seit 2011 laufe eine neue Studie zur Integration von Frauen in der Bundeswehr. Erste Ergebnisse werden noch in diesem Jahr erwartet.