Chemie-Unfall

Giftgas-Unfall bedroht Menschen im Rheingau

Bei einem Zwischenfall ist hochgiftiges Blausäure-Gas ausgetreten. Die Gefahr hält noch mindestens zwei Tage an.

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Nach einem Giftgas-Unfall vom Montag muss die Bevölkerung in der Rheingau-Stadt Östrich-Winkel noch zwei Tage lang mit der Gefahr leben. Auch in der Nacht zu Dienstag entwich zweimal weiteres Gas. „In der Nacht ist es zu zwei kurzen Gasaustritten an dem Tank gekommen, der gestern bereits überhitzt war“, sagte am Dienstag eine Polizeisprecherin in Wiesbaden. Die Polizei teilte mit, dass die gefährliche chemische Reaktion in dem Tank einer Schaumstoff-Fabrik noch bis zu 48 Stunden andauern könne. „Der Austritt von weiteren Gefahrenstoffen ist nicht auszuschließen“, sagte Sprecher Markus Hoffmann. „Deshalb nach wie vor der deutliche Hinweis an die Bevölkerung, wachsam zu sein.“ Experten bemühten sich weiterhin, den überhitzten Tank zu kühlen und zu überwachen.

26 Menschen leicht verletzt

Seit dem ersten Austritt von blausäurehaltigem Gas am Montag seien insgesamt 26 Feuerwehrleute, Polizisten, Firmenmitarbeiter und Anwohner leicht verletzt worden. Nach Behördenangaben war die Chemikalie Isocyanat bei einem Ladevorgang durch ein Sicherheitsventil ausgetreten. Trotz vorläufiger Entwarnung durch die Behörden am Montagabend, heulten nachts gegen 2 Uhr erneut die Sirenen, als die Temperatur in dem Tank wieder anstieg und es zu zwei Verpuffungen kam. „Von meiner Wohnung aus war zu sehen, dass aus dem Dach der Fabrik weißer Qualm herauskam, viel weißer Qualm“, berichtete Anwohner Thomas Becker. Wie am Vortag banden Feuerwehrleute das Gas mit Löschwasser. Die Bevölkerung wurde über Stunden aufgefordert, in geschlossenen Räumen zu bleiben und Fenster und Türen zu schließen.

Chemikalie kann tödliches Lungenödem verursachen

Sachverständige suchten auch am Dienstag nach der Unglücksursache. Wahrscheinlich gelangte Wasser in den Chemikalientank und löste die Reaktion aus. „Ist das eine Fehlbedienung gewesen, oder hat da irgendeine Maschine nicht funktioniert – das muss jetzt herausgefunden werden“, sagte der Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, Burkhard Albers (SPD), dem Sender hr-Info. Isocyanat ist chemisch mit der hochgiftigen Blausäure verwandt. Der Stoff verursacht Husten, Atemnot, Schnupfen und Augenreizungen. In hoher Konzentration führt er zum lebensbedrohlichen Lungenödem. In der Fabrik werden Schaumstoffe hergestellt, zum Beispiel für Verpackungsmaterial.