Untersuchungsbericht

Breiviks Bluttaten in Norwegen waren offenbar vermeidbar

| Lesedauer: 3 Minuten

Eine Untersuchungskommission macht der norwegischen Polizei schwere Vorwürfe. Breiviks Attentate hätten demnach verhindert werden können.

Die Anschläge von Oslo und Utöya mit 77 Toten hätten nach Ansicht einer norwegischen Untersuchungskommission verhindert oder zumindest früher unterbrochen werden können. In einem am Montag vorgelegten Bericht wurden sowohl der Polizei als auch dem Geheimdienst schwere Fehler vorgeworfen. Bestehende Sicherheitsvorkehrung seien bei den Angriffen am 22. Juli 2011 nicht zum Tragen gekommen. Außerdem seien den Sicherheitskräften einige schwere Fehler unterlaufen.

Wenngleich es sich um die „schockierendsten und am schwersten zu begreifenden Taten“ in der Geschichte des Landes handle, seien sie vermeidbar gewesen, hieß es in dem etwa 500 Seiten langen Bericht der von der Regierung eingesetzten Kommission. Szenarien mit einer Autobombe vor einem wichtigen Gebäude in der Hauptstadt sowie mit einer Serie koordinierter Anschläge hätten bereits im Vorfeld über viele Jahre zu den gängigen Sicherheitsanalysen gehört.

Das Bombenattentat im Regierungsviertel hätte demnach verhindert werden können, wenn bereits bestehende Sicherheitsmaßnahmen effektiver umgesetzt worden wären. Hätte die Polizei schneller reagiert, hätte sie zudem den Amoklauf von Anders Behring Breivik auf der Ferieninsel Utöya früher stoppen können. Anschuldigungen erhob die Kommission auch gegen den norwegischen Geheimdienst. Dieser hätte mehr tun können, um den Rechtsextremisten noch vor der Tat aufzuspüren.

Stoltenberg bedauert Einsatzverlauf

Im Bericht wird zwar eingeräumt, dass sich kaum einer im Vorfeld hätte ausmalen können, was Breivik insbesondere auf Utöya angerichtet habe. „Nach wiederholten Amokläufen an Schulen in anderen Ländern“ sei das Szenario eines Bewaffneten, der auf Jugendliche schieße, aber auch in Norwegen vorstellbar gewesen.

Ministerpräsident Jens Stoltenberg erklärte, für die Reaktionen der Behörden auf die Anschläge trage letztendlich er selbst die Verantwortung. „Es hat sehr lange gedauert, den Täter festzunehmen. Die Polizei hätte Utöya früher erreichen können. Dies sind Umstände, die ich sehr bedauere“, sagte er. Fragen von Reportern, ob er deswegen einen Rücktritt in Erwägung gezogen habe, wich Stoltenberg aber aus.

Polizei durch Kommunikationspannen behindert

Breivik hatte zunächst ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug vor einem Regierungsgebäude in Oslo abgestellt. Bei der Explosion wurden acht Menschen getötet. Anschließend konnte der 33-Jährige mit einem anderen Fahrzeug unbehelligt die Stadt verlassen und in einem Jugendcamp auf der in einem See gelegenen Insel Utöya 69 Menschen erschießen. Die Reaktion der Polizei wurde unter anderem durch Pannen in den Kommunikationssystemen behindert. Dass Breivik erst so spät gestoppt werden konnte wird außerdem darauf zurückgeführt, dass der Polizei kein Boot zur Verfügung stand, um die Insel zu erreichen und dass kein Hubschrauber einsatzbereit war.

Breivik hat sich zu den Taten bekannt, hält sich aber für nicht schuldig. Nach eigener Auffassung handelte der Rechtsextremist aus Notwehr, um Norwegen vor Überfremdung zu schützen. Das Urteil gegen ihn soll am 24. August verkündet werden.

( dapd/bee )

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