Superheld

Spiderman fesselt auch nach 50 Jahren

1962 hatte der harmlose Junge Peter Parker alias Spiderman seinen ersten Auftritt. Heute ist er Deutschlands beliebtester Superheld.

Spiderman wird 50 – doch das lässt er sich nicht ansehen. Immer noch schwingt sich der Superheld, der im bürgerlichen Leben Peter Benjamin Parker heißt, an seinen Netzen und Fäden durch die Hochhausschluchten New Yorks. Spidermans Erfolgsgeschichte begann am 10. August 1962, als er das erste Mal in einem US-Comic erschien.

„Spiderman ist Deutschlands erfolgreichster Superheld, noch vor Batman und Superman“, sagt Steffen Volkmer, Sprecher des Panini-Verlags, der die Abenteuer der von Stan Lee und Steve Ditko geschaffenen Figur hierzulande herausbringt. Keine andere Superhelden-Reihe sei wie Spiderman ununterbrochen an den Kiosken angeboten worden. „In der Hauptserie liegen die monatlichen Verkaufszahlen zwischen 10.000 und 20.000“, sagt Volkmer.

Ein Superheld für die ganze Familie

„Lange Zeit mussten Comics in Deutschland mit dem Makel leben, als verdummend zu gelten“, sagt der 42-Jährige, der selbst seit seiner Jugend Spiderman-Fan ist. Früher hätten oft Großmütter die bunten Hefte für ihre Enkel gekauft – „und da war 'Die Spinne' als netter Junge von nebenan ein gutes Geschenk“, sagt Volkmer. „Superman wirkt daneben doch bierernst, Batman fast bedrohlich.“

Das Familientaugliche an Spiderman, der seine Superkräfte durch den Biss einer radioaktiven Spinne erlangte, lässt sich auch an den erfolgreichen Kinofilmen erahnen. Derzeit ist „The Amazing Spider-Man“ in den Kinos zu sehen, freigegeben ab zwölf Jahren. Davor gab es eine dreiteilige Filmreihe von Regisseur Sam Raimi, in der Tobey Maguire den Superhelden verkörperte. Und selbst die UN haben sich in ihrer Außendarstellung wiederholt auf das positive Image Spidermans verlassen und warben mit ihm um Spenden.

Soviel Ruhm lockt Nachahmer: Der französische Extremkletterer Alain Robert hat bei seinen Fassadenbesteigungen mehrfach das passende Kostüm getragen und ist deshalb auch als Spiderman bekannt. In Japan wurde Spiderman Ende der 1970er-Jahre in eine Fernsehserie integriert, die bis heute im Internet Kultcharakter hat. Ob als Karnevalskostüm, Computerspiel oder Kaugummi – Fanartikel des Spinnenmanns gibt es für alle Lebenslagen.

Deutschlands wohl größter Spiderman-Fan heißt Peter Stangenberg. „Sechsstellig“ hat er nach eigenen Angaben in sein Hobby investiert, zwei Zimmer daheim sind für Spiderman reserviert. „Das ist mein Jahr“, sagt Stangenberg zum Jubiläum. Zur Spiderman-Ausstellung beim Comic-Salon in Erlangen durfte er Exponate beisteuern, schon im April traf der 51-Jährige in den USA Spiderman-Erfinder Stan Lee.

„Dessen Unterschrift habe ich mir jetzt tätowieren lassen“, erzählt Stangenberg, der vor der Frührente als Justizvollzugsbeamter arbeitete. „Jeder Sammler hat ja einen an der Birne“, gesteht er selbstkritisch ein. Spiderman habe ihn schon seit der Kindheit fasziniert. „Dieser Heranwachsende mit Brille, eigentlich ein Schwächling – also Peter Parker war uns schon sehr ähnlich“, beschreibt Stangenberg sein Motiv. „Superhelden mit echten Superkräften wie der im Grunde unschlagbare Superman sind nicht so mein Ding.“

Dass Spiderman nicht unsterblich ist, musste der Superheld im vergangenen Jahr erfahren. In der Comicwelt der Nebenserie „Ultimate Universe“ verlor Spiderman seinen letzten Kampf gegen den Grünen Kobold (Green Goblin) und wurde von einem farbigen Jungen aus Brooklyn abgelöst.

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