Am Wochenende

Vier Flugzeugabstürze fordern sechs Todesopfer

| Lesedauer: 6 Minuten

Bei mehreren Flugzeugunglücken sind in Deutschland sechs Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern sind auch zwei 17- und 18-Jährige.

Bei mehreren Flugzeugabstürzen in Deutschland sind am Wochenende sechs Menschen ums Leben gekommen. Es hätte aber noch deutlich mehr Opfer geben können. Die Unfälle ereigneten sich in Konstanz (Baden-Württemberg), in der Nähe von Coburg in Bayern, im niedersächsischen Quakenbrück und im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein.

Viel Glück in Konstanz

So stürzte am Sonnabend ein Sportflugzeug am Konstanzer Flugplatz ab und verfehlte dabei nur um Haaresbreite eine Menschengruppe. Rund 30 Fallschirmspringer mit Gästen hielten sich nahe des Landefelds auf, als der einmotorige Viersitzer am Abend kurz nach dem Start ins Trudeln geriet, zu Boden krachte und bei der Landung mit einer Tragfläche das Zelt der Gruppe erwischte.

Der 45 Jahre alte Pilot und seine Begleiterin konnten sich nach Polizeiangaben vom Sonntag bei dem Unfall selbst aus dem brennenden Wrack befreien. Die 44-jährige Frau erlitt einem Sprecher zufolge „massive Brandverletzungen an Beinen, Armen und am Kopf“. Ein Rettungshubschrauber brachte sie in eine Spezialklinik. Der Pilot wurde leicht verletzt. Beide erlitten einen Schock.

Nach ersten Angaben der Freiwilligen Feuerwehr Konstanz führte vermutlich ein Pilotenfehler zu dem Unglück. Nach Polizeiangaben war die Absturzursache am Sonntag noch immer unklar. Zeugen hätten aber ausgesagt, dass die Maschine offensichtlich mit zu geringer Geschwindigkeit abgehoben sei und danach nicht an Höhe gewonnen habe.

Sieben Menschen aus dem Zelt konnten sich mit einem Sprung ins Freie retten. Eine 26-Jährige wurde von umherfliegenden Trümmerteilen schwer verletzt und brach sich ein Bein. Ein 39-Jähriger erlitt leichte Verletzungen. „Die Fallschirmspringer hatten sehr viel Glück. Wäre das Flugzeug nur zwei Meter daneben gelandet, hätte man mit Schwerverletzten und Toten rechnen müssen“, sagte Klaus Menge von der Freiwilligen Feuerwehr Konstanz, der am Samstag vor Ort war.

Wie die Polizei mitteilte, hatte die Maschine in einer Höhe von rund sieben Metern knapp den Tower verfehlt. Sie brach zur Seite aus und stürzte auf einer Wiese nahe des Flugfelds ab. Kurz bevor sie aufschlug, erwischte die linke Tragfläche des Sportflugzeugs das Pavillonzelt der Fallschirmspringer und schlug auf dem Boden auf. Einige Meter entfernt blieb das Flugzeug liegen, es kam zu einer Explosion im Motorraum und die Maschine ging in Flammen auf.

Das Personal am Flugplatz und die Feuerwehr löschten den Brand. Sie legten einen Schaumteppich auf das Wrack, um weitere, durch Kerosinaustritt verursachende Verpuffungen zu verhindern.

Vier Menschen sterben bei Coburg

Vier Menschen sind am Sonntag beim Absturz eines Kleinflugzeugs bei Coburg ums Leben gekommen. Kurz nach dem Start vom Flugplatz Steinrücken stürzte das Flugzeug am Waldrand ab und ging in Flammen auf. Die 31 Jahre alte Pilotin sowie eine weitere gleichaltrige Frau und zwei Männer im Alter von 28 und 44 Jahren an Bord waren sofort tot. „Die Insassen hatten keine Überlebenschance“, erklärte die Polizei. Die Feuerwehr löschte das brennende Flugzeugwrack.

Die Gruppe war am frühen Morgen mit einer einmotorigen Propellermaschine des Flugsportvereins, der den Flugplatz betreibt, zu einem Rundflug gestartet. Ob das Flugzeug wegen eines technischen Defekts oder eines Pilotenfehlers abstürzte, war zunächst unklar. Die Polizei schaltete Gutachter ein, die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen zur Unglücksursache auf.

Rund 140 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Rettungsdiensten waren im Einsatz. Ihnen bot sich ein furchtbares Bild: Teile der Tragflächen des völlig zerstörten Flugzeugs blieben in den Baumwipfeln hängen. In den verkohlten Flugzeugresten suchten Mitarbeiter der Spurensicherung nach Hinweisen auf die Absturzursache.

Der Flugplatz Steinrücken liegt südlich von Coburg auf einer Anhöhe nahe der Bundesstraße 303 und ist von Wald eingesäumt. Hobbypiloten können dort Motor-, Ultraleicht- und Segelflugzeuge fliegen.

17-Jährige bei Absturz getötet

Bei einem Segelflugzeugabsturz in Quakenbrück (Landkreis Osnabrück) ist am Sonnabend die 17 Jahre alte Pilotin ums Leben gekommen. Wie die Polizei in Osnabrück mitteilte, war die junge Frau allein von einem örtlichen Flugplatz gestartet. Die Ursache des Absturzes blieb zunächst unklar. „Ein Kollege hat den Absturz als Augenzeuge beobachtet“, sagte ein Beamter der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. „Das Flugzeug ist wohl sehr tief geflogen und hat unregelmäßige Bewegungen gemacht.“

Nach dem Unfall kam das schwerbeschädigte Segelflugzeug senkrecht vor einem Haus zum Stehen. Das Heck und eine Tragfläche brachen bei dem Unfall ab. „Insgesamt sind vier Häuser in Mitleidenschaft gezogen worden“, hieß es nach Angaben der Polizei. Wie viele Menschen betroffen waren, konnte die Polizei nicht sagen. Verletzte habe es aber rund um die Absturzstelle nicht gegeben. Zur Höhe des Sachschadens konnten die Beamten noch keine Einschätzung abgeben. Die Familie werde nach Angaben der Polizei seelisch betreut.

Der THW Quakenbrück hat das Wrack geborgen und zum Segelclub Quakenbrück transportiert, von dem aus die 17-Jährige gestartet ist. Sachverständige des Bundesamtes für Flugunfälle in Braunschweig haben die Ermittlungen aufgenommen. Für ein Ergebnis zur Unfallursache sei es derzeit aber noch zu früh, sagte ein Sprecher. „Unfallstelle, Flugzeug, Zeugenaussagen und eventuell vorhandene Aufzeichnungsgeräte müssten noch ausgewertet werden.“

Nach Angaben des Bundesamtes für Flugunfälle sei das Alter der jungen Pilotin bei ihrem Alleinflug nichts außergewöhnliches. Bereits im Alter von 14 Jahren kann man einen Segelschein machen. Mit 16 Jahren kann die Lizenz erhoben und dann auch allein geflogen werden.

Experten untersuchen Sportflugzeug-Absturz

Bereits am Freitagabend wurde der 18 Jahre alte Pilot eines Ultraleichtflugzeugs im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein getötet, ein Fluggast (23) wurde lebensgefährlich verletzt. Die Ursache für den Absturz ist noch unklar. Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) seien eingeschaltet, sagte ein Sprecher der Polizei in Trier am Sonnabend.

Das Unglück hatte sich in der Nähe eines Flugplatzes ereignet. Die Maschine zerschellte auf einem freien Feld im Stadtteil Göttschied. Die Polizei hatte ursprünglich von einem Segelflugzeug gesprochen, korrigierte aber ihre Angaben am Samstag. Dem Deutschen Roten Kreuz zufolge war nach dem Unfall auch die Notfallseelsorge im Einsatz und kümmerte sich um Angehörige der Verunglückten.

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