Sommertiere

Krokodil „Klausi“ war wohl doch nur ein Biber

Eine Woche hat „Klausi“ die Stadt Schwandorf in Atem gehalten. Doch jetzt ist klar: Das Sommer-Krokodil war doch nur ein schnöder Biber.

Foto: DPA

Das angebliche Krokodil in einem bayerischen Badesee hat sich als Biber entpuppt. Die Auswertung der Wildkameras im Uferbereich des Gewässers habe keine Anzeichen auf ein Krokodil ergeben, teilte die Stadt Schwandorf am Montag mit. Damit werde die Akte „Klausi“ geschlossen.

Insgesamt hatte die Behörde 3700 Bilder ausgewertet. „Es waren Füchse, Graureiher, freilaufende Hunde und abgebrochene Äste darauf zu sehen, aber kein Krokodil“, sagte Stadtsprecher Lothar Mulzer. Es sei nicht nötig gewesen, einen Reptilienexperten zu Rate zu ziehen. Schwandorfs Oberbürgermeister Helmut Hey (SPD) sowie der Ordnungsamtsleiter und ein Feuerwehrmann hätten die Bilder ausgewertet. Nach Rücksprache mit dem Biberbeauftragten des Landkreises Schwandorf sei davon auszugehen, dass es sich bei dem Tier, das zwei Zeugen gesehen hatten, um einen Biber gehandelt habe. Demnach würden sich Exemplare des heimischen Nagetiers regelmäßig am Mittleren Klausensee aufhalten.

Das Badeverbot für den See wurde kurz darauf aufgehoben.

Das Phantom-Krokodil „Klausi“ hatte die Stadt mehr als eine Woche in Atem gehalten. Auch eine nächtliche Suchaktion mit 70 Einsatzkräften von Polizei, Feuerwehr, Wasserwacht und Technischem Hilfswerk war erfolglos geblieben. Selbst Polizeitaucher und die Besatzung eines Hubschraubers konnten das Reptil nicht aufspüren.

Ein 68 Jahre alter Rentner, der mit seinem Hund am Mittleren Klausensee spazieren gegangen war, hatte gemeint, das Krokodil im Schilf gegeben zu haben. Zumindest wollte er ein etwa ein Meter langes Tier mit einem langen Schwanz und Krallen an den Hinterbeinen beobachtet haben. Die Polizei schätzte ihn als glaubwürdig ein. Auch die Beschreibung des Reptils sei „durchaus ernst zu nehmen“ gewesen, hieß es.

„Biss-Stärke eines Dackels“

Reptilienexperten hatten jedoch schon früh vor einem Misserfolg bei der Suche gewarnt. Selbst wenn das Krokodil tatsächlich existiere, sei es kaum zu fassen. Spätestens im Winter würde es eingehen.

Die durch solch ein Tier ausgehende Gefahr wurde allgemein als gering eingestuft. Schwandorfs Stadtbrandinspektor Christian Schwendner sagte, ein Krokodil dieser Größe habe lediglich „die Biss-Stärke eines Dackels“.

„Jetzt kann wieder Ruhe einkehren“, sagte Mulzer. Es könne auch wieder unbeschwert in den Seen gebadet werden. Vor allem im angrenzenden Naturfreibad Klausensee waren die Gäste in den vergangenen Tagen ausgeblieben. Dabei liegt das Gewässer, in dem „Klausi“ vermutet wurde, mehrere hundert Meter entfernt.

Berühmte Vorbilder von „Klausi“ waren der Kaiman „Sammy“, der Wels „Kuno“ und die Schildkröte „Schnappi“. Auch im Rhein wurde schon einmal nach einem Krokodil gefahndet.

Nicht überrascht sollte man übrigens sein, wenn einem bei Ingelheim in Rheinland-Pfalz ein Känguru über den Weg läuft. „Skippy“ ist bereits vor einer Woche einem Zirkus entlaufen. Bislang hat die Polizei keine Spur von dem sechs Monate alten Bennett-Känguru. Allerdings ist es laut Polizei auch nicht größer als ein Hase und damit schwer zu entdecken.