Unfall

Kind stürzt aus Sylter Autozug - Vater springt hinterher

Ein Zweijähriger ist auf dem Autoreisezug nach Sylt aus einem Wohnmobil gefallen. Der Vater sprang hinterher, beide verletzten sich schwer.

35 Minuten dauert die Überfahrt zwischen Westerland und Niebüll mit dem Autoreisezug normalerweise. Für einen zweijährigen Jungen aber fand sie mitten auf der Strecke ein frühzeitiges Ende: Das Kind fiel aus dem Wohnmobil und stürzte von dem fahrenden Zug. Es überlebte.

Wie vor ein paar Tagen, als ein dreijähriger Junge in einen 25 Meter tiefen Schacht im Osterwald gefallen war, gab es auch hier einen kurz entschlossenen Retter: Der Vater des Kindes zog geistesgegenwärtig die Notbremse und sprang umgehend hinterher, wie die Flensburger Bundespolizei mitteilte. Der kleine Junge wurde schwer verletzt mit einem Rettungshubschrauber in eine Flensburger Klinik geflogen. Der Vater kam mit mittelschweren Verletzungen in ein anderes Krankenhaus.

Der Junge habe im Wohnwagen gespielt und sei dabei an die hintere Tür des Fahrzeugs gekommen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Der Sog des Fahrtwinds habe das Kind dann aus dem Fahrzeug gerissen. Es stürzte auf das Gleisbett. Für den Rettungseinsatz wurde die Strecke Westerland/Niebüll vorübergehend gesperrt. Der Autoreisezug Sylt Shuttle verbindet die Nordseeinsel mit dem Festland.

Der Vater ist inzwischen auf dem Weg der Besserung. Der Mann sei in der Klinik in Niebüll intensivmedizinisch und operativ betreut worden. Er liege noch auf der Intensivstation, sagte ein Sprecher des Klinikums Nordfriesland am Montag. Das Kind wird weiter im Krankenhaus in Flensburg versorgt. Über seinen Gesundheitszustand gab es zunächst keine weiteren Informationen.

Keine Anschnallpflicht während der Fahrt

Ein Sprecher der Deutschen Bahn, zu der der Sylt Shuttle gehört, sagte, es gebe keine Anschnallpflicht während der Fahrt. Für Campingfahrzeuge gebe es aber einen Extra-Zettel mit Sicherheitsvorschriften. Darin heiße es unter anderem, Fahrzeugführer müssten für den Verschluss der Türen sorgen.

Vor drei Jahren hatte es bereits einen schweren Unfall auf der Strecke gegeben: Im September 2009 war ein 32 Jahre alter Lastwagenfahrer gestorben, als sein Fahrzeug zwischen Niebüll und Sylt vom Zug stürzte.

Erst am Freitag hatte ein Kind in Regensburg sich beim Spielen verletzt: Das Mädchen stürzte vom Balkon, weil es einer Seifenblase hinterherjagen wollte. Als die schillernde Blase über den Balkon wehte, kletterte die Fünfjährige auf die Brüstung des elterlichen Balkons. Sie verlor das Gleichgewicht. Noch bevor die Mutter eingreifen konnte, stürzte das Kind und prallte drei Meter tiefer auf dem Rasen auf.

Nach Angaben der Polizei landete das Mädchen auf dem Rücken und prallte mit dem Kopf auf eine ebenerdige Hausumrandung aus Beton. Die Fünfjährige wurde sofort in eine Kinderklinik gebracht. Nur durch großes Glück blieb der Unfall ohne schwere Folgen. Das Mädchen wird das Krankenhaus laut Polizei in der kommenden Woche verlassen können.

Der Sylt Shuttle hatte zuletzt 2009 für Aufregung gesorgt: Ein mit Dämmstoffen beladener Lastwagen mit Anhänger stürzte bei stürmischem Wetter von dem Autoreisezug und fiel auf den Hindenburgdamm. Der 32-jährige Fahrer wurde dabei so schwer am Kopf verletzt, dass er starb. Der Zugführer wurde daraufhin vom Amtsgericht Niebüll wegen fahrlässiger Tötung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt.

In zweiter Instanz wurde das Urteil geändert: Das Landgericht Flensburg verurteilte den Zugführer im September 2010 zu einer Geldstrafe von 3750 Euro. Der Angeklagte habe die Betriebs- und Beladevorschrift nicht umgesetzt. Der Lastwagen war mit 1476 Kilogramm zu leicht gewesen. Er hätte zusätzlich mit Spanngurten befestigt werden müssen. Nach dem Unglück wurden die Verlade- und Betriebsanweisungen nochmals verschärft.

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