Untersuchung

Arafat könnte radioaktiv vergiftet worden sein

Acht Jahre nach dem Tod Arafat gibt es Hinweise auf eine Vergiftung des Palästinenserführers. Die Witwe will die Leiche exhumieren lassen.

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Der frühere Palästinenserführer Jassir Arafat ist möglicherweise durch radioaktives Gift ums Leben gekommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom arabischen Nachrichtensender al-Dschasira in Auftrag gegebene Untersuchung. Der Sender ließ Kleidungsstücke und andere Gegenstände, die der erste Palästinenserpräsident in den Tagen vor seinem Tod im November 2004 benutzt oder getragen hatte, von einem Labor in der Schweiz untersuchen.

Das auf Strahlenschutz und medizinische Anwendungen spezialisierte Institut de radiophysique in Lausanne stellte erhöhte Werte des radioaktiven Stoffes Polonium-210 fest.

Arafats Witwe Suha sagte im Interview mit al-Dschasira, sie sei für eine Exhumierung der Leiche. Da es darum gehe, ein Verbrechen aufzuklären, sei die Störung der Totenruhe, die im Islam normalerweise verboten ist, wahrscheinlich gerechtfertigt, fügte sie hinzu. Sie hoffe auf eine entsprechende „Fatwa“ (islamisches Rechtsgutachten). Suha Arafat bezeichnete Berichte als falsch, wonach sie eine Autopsie nach dem Tod ihres Mannes abgelehnt habe. Die Ärzte hätten dies damals nicht vorgeschlagen.

Der frühere PLO-Führer war im November 2004 nach langer Krankheit im Alter von 75 Jahren in einem Militärkrankenhaus im französischen Clamart gestorben. Schon damals hatte es Spekulationen über eine mögliche Vergiftung oder eine Aids-Erkrankung des Friedensnobelpreisträgers gegeben. Die Todesursache blieb letztlich unklar.

In dem al-Dschasira-Bericht hieß es nun, bei Polonium-210 seien die Symptome für normale Ärzte schwer zu deuten. Eine mögliche radioaktive Belastung sei damals nicht in Erwägung gezogen worden.

Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat forderte eine internationale Untersuchung der Todesumstände Arafats. Er sagte am Mittwoch, ein internationales Gremium müsse nun untersuchen, wer für Arafats Tod verantwortlich sei.