Gewitter-Folgen

Wie man sich vor einem Blitzschlag schützt

Die heftigen Gewitter werden Berlin noch eine Weile erhalten bleiben. Warum das so ist und wie man sich am besten schützt.

Linda Jäckel ist Meteorologin vom Deutschen Wetterdienst in Potsdam. Wieso uns die heftigen Gewitter noch eine Weile erhalten bleiben, erklärt sie im Gespräch mit Morgenpost Online.

Morgenpost Online: Frau Jäckel, was ist am Himmel über Berlin los?

Linda Jäckel: Schwülwarme Luft aus Osten prallt mit kühler und trockener Luft aus Westen zusammen. Dadurch entstehen diese heftigen Gewitter.

Morgenpost Online: Wie lange hält das noch an?

Linda Jäckel: Das kann noch ein paar Tage weitergehen, da wir es mit einer wellenden Front zu tun haben. Sie kehrt immer wieder zu uns zurück und bringt neue Gewitter.

Morgenpost Online: Wie kommt das zustande?

Linda Jäckel: Normalerweise zieht ein Tiefdruckgebiet von Westen nach Osten über uns hinweg. Doch nun hat sich über der Nordsee und den Alpen jeweils ein Tief gebildet. Beide drehen sich gegen den Uhrzeigersinn und verkeilen sich dabei ineinander. Dadurch kommen die Luftmassen nicht richtig vorwärts, und die Gewitterfront kommt immer wieder aus Osten zu uns zurück.

Morgenpost Online: Wie viele Blitze gehen dabei über Berlin und Brandenburg nieder?

Linda Jäckel: Allein in Berlin waren es in der Nacht von Samstag auf Sonntag etwa 8000 Blitze. Nimmt man Brandenburg dazu, waren es sogar etwa 90.000.

Morgenpost Online: Wie misst man einen Blitz?

Linda Jäckel: Das macht eine Firma, die in ganz Deutschland Messgeräte aufgestellt hat. Dadurch erfassen sie die Spannung in der Luft und zählen auf diese Weise die Blitze.

Morgenpost Online: Einige Berliner haben sich nachts vor dem Gewitter ziemlich erschreckt.

Linda Jäckel: Dabei ist solch ein Gewitter im Sommer überhaupt nichts Außergewöhnliches und für diese Jahreszeit völlig normal.

Morgenpost Online: Wie schützen sich die Menschen am besten vor einem Blitzschlag?

Linda Jäckel: Sie sollten sich vor einem Spaziergang noch einmal im Radio oder im Internet darüber informieren, ob ein Gewitter droht und dann lieber zu Hause bleiben. Wer unterwegs ist, sollte sich in ein Auto setzen. Denn dort wird der Blitz auf alle Seiten des Fahrzeugs abgeleitet, und der Innenraum selbst bleibt spannungsfrei.

Morgenpost Online: Was sollen Spaziergänger machen?

Linda Jäckel: Am besten suchen sie sich eine Mulde und legen sich da hinein. Oder sie gehen auf Zehenspitzen in die Hocke. Sie müssen versuchen, mit so wenig Körperfläche wie möglich den Boden zu berühren, um die Wirkung des Blitzes zu verringern.

Morgenpost Online: Gilt die alte Regel vom Sekundenzählen noch?

Linda Jäckel: Ja, aber sie ist sehr ungenau. Der Schall legt in einer Sekunde etwa 340 Meter zurück. Wenn es gleichzeitig blitzt und donnert, ist das Gewitter direkt über einem und die Gefahr am größten.