Überlingen-Unglück

Fluglotsen-Mörder kann an Gedenkfeier teilnehmen

Zehn Jahre nach dem Unglück von Überlingen wollte Witali Kalojew zur Gedenkfeier anreisen. Am Flughafen München wurde er zeitweilig gestoppt

Der als "Fluglotsenmörder" bekannt gewordene Witali Kalojew ist auf dem Weg zur Gedenkfeier für die Opfer der Flugzeugkatastrophe von Überlingen am Münchener Flughafen für einige Stunden von der Polizei aufgehalten worden. Mittlerweile konnte er seine Reise zu der Gedenkfeier an den Bodensee aber fortsetzen.

Bei dem Zusammenstoß zweier Flugzeuge über dem Bodensee am 1. Juli 2002, bei dem 71 Menschen ums Leben gekommen waren, starben auch Kalojews Frau und seine beiden Kinder. Der gebürtige Nordossetier hatte daraufhin den zuständigen Lotsen des Schweizer Flugunternehmens Skyguide getötet und war in der Schweiz zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.

Kalojew sei am Morgen mit einer Maschine der Lufthansa aus Moskau angekommen, sagte Albrecht Poerschke, Sprecher der Münchener Bundespolizei. Er habe ein Schengen-Visum zur Einreise vorlegen können.

Wegen der Verurteilung habe die Schweiz aber im Schengener Informationssystem ein Einreiseverbot für Kalojew vermerkt, ein übliches Vorgehen nach solchen Taten, so Poerschke. Daher kam es zu einer Überprüfung, die Einreisegenehmigung wurde erteilt.

Um die Einreise des 56-Jährigen hatte es längere Diskussionen gegeben. Noch vor wenigen Tagen hatte Kalojew einer russischen Zeitung gesagt, er würde gern an der Gedenkfeier teilnehmen, bezweifle aber, dass er ein Visum bekomme. An der Unglücksstelle nahe Überlingen treffen sich am Wochenende Angehörige der Toten, Helfer und der Freundeskreis "Brücke nach Ufa" zu einer Gedenkstunde.

Die Tötung des Fluglotsen verteidigt Kalojew bis heute. "Jeder Mensch in einer ähnlichen Situation ist berechtigt, die Gerechtigkeit in seine eigenen Hände zu nehmen", sagte er einer russischen Zeitung. Er habe aber zunächst mit allen Mitteln versucht, auf dem Wege des Gesetzes Gerechtigkeit zu erlangen.

Die Tat habe ihm zudem den Verlust seiner Familie auch nicht leichter gemacht. In Russland hatten viele Menschen Verständnis gezeigt und Kalojew nach der Haftentlassung gefeiert.