Kinderhändler

FBI befreit bei Razzia 79 Kinder aus der Prostitution

Manche Opfer sind erst elf Jahre alt. Seit einem Jahrzehnt gehen die US-Behörden im großen Stil gegen Kinderprostitution vor.

Die Zuhälter finden sie an Amerikas Bahnhöfen, in Parks und auf Facebook, sie versprechen eine Unterkunft, eine Mahlzeit, ein neues Handy, sie gewinnen ihr Vertrauen, manchmal ihre Liebe: Die Jagd von Kinderhändlern und Zuhältern auf Mädchen zwischen elf und 17 Jahren folgt längst Geschäftsstrategien des landesweit vernetzten, organisierten Verbrechens.

Dies ist die bestürzende Erkenntnis der US-Bundespolizei FBI, die jüngst bei einer drei Tage währenden Operation 79 minderjährige Prostituierte befreite und 104 Zuhälter (auch Frauen) festnahm.

"Dies ist nicht ein Problem am anderen Ende der Welt, es geschieht in US-Städten, und jeder normale Bürger, der normale Dinge tut, kann helfen, es zu lösen", erklärte Ernie Allen, Präsident des Nationalen Zentrums für vermisste und ausgebeutete Kinder: "Diese Kids sind wirklich beschädigt, wirklich verletzt, sie brauchen eine ganz spezielle Hilfe."

Oft aus zerrütteten Familien weggelaufen

Ernie Allen trat in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Kevin Perkins, einem hohen FBI-Beamten auf. Mehr als 2500 Polizisten waren in 57 US-Städten an der "Operation Cross Country" beteiligt. "Im zarten Alter von elf oder 12 Jahren" würden die Mädchen, die oft aus zerrütteten Familien weggelaufen sind, mit Geschenken gelockt, sagte Perkins. Dann entdeckten sie, dass sie in der Falle sitzen: "Man sagt ihnen, dass man sie töten oder ihre Eltern töten werde. So wie jede Geisel bedroht wird."

Das FBI sei mehr als 12.000 Tipps auf Handel und Prostitution von Kindern nachgegangen. "Wenn die Kinder aus ihrer Gefangenschaft befreit sind", erklärt Perkins, "beginnt die richtige Arbeit für die sozialen Dienste der Kommunen. Es fehle an Geld und geeigneter Unterstützung für die Kinder, die nicht selten ihren Zuhältern vertrauten oder sogar glaubten, verliebt zu sein.

Zu jung für Frauenhäuser, zu schwierig für Heime für jugendliche Ausreißer, endeten viele im Gefängnis. Zu ihrem Schutz in einer Art Sicherheitsverwahrung, verfügt von hilflosen Richtern und Staatsanwälten.

Jährlich 100.000 Kinder in die Prostitution gelockt

Seit Einrichtung der FBI-Initiative "Innocent Lost" 2003 hat die Bundespolizei mehr als 2200 Kinder aus der Abhängigkeit von Zuhältern gerettet und über 1000 Verurteilungen ermöglicht. Darunter waren hohe Gefängnisstrafen und acht Mal lebenslang. Man mache Fortschritte, sagte Ernie Allen, doch noch immer sei in Amerikas Städten zu wenig bekannt, dass es Kinderprostitution gebe und wie sie organisiert sei.

Nach Schätzungen würden in jedem Jahr 100.000 amerikanische Kinder in die Prostitution gelockt. Zwei US-Senatorinnen, Barbara Mikulski aus Maryland und Kay Bailey Hutchison, dankten FBI-Direktor Robert Muller und belobigten die Polizisten.

"Operation Cross Country" sei ein Beispiel dafür, "wie viel Gutes getan zum Schutz unserer Kinder getan werden kann, wenn das FBI mit den Behörden der Staaten und Kommunen zusammenarbeitet." Die wichtigsten US-Medien, etwa "Washington Post" und "New York Times", fanden den Ertrag der Operation hingegen offenbar nicht wichtig genug, um am Dienstag darüber zu berichten.