Rocker

Ermittler nehmen Kieler Hells Angel in Polen fest

Ein weiteres Mitglied des seit Jahresanfang verbotenen Hells Angels Charters MC Kiel ist in Polen festgenommen worden.

Foto: DPA

Gut zwei Wochen nach einer Großrazzia rund um die Kieler Hells Angels ist den Ermittlern ein weiteres Mitglied der Rockerbande ins Netz gegangen. In intensiver Zusammenarbeit mit den polnischen Ermittlungsbehörden wurde ein 39-jähriger Rocker am Dienstagabend im Großraum Danzig festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft Kiel und das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein am Mittwoch gemeinsam mitteilten. Das Mitglied des seit Jahresanfang verbotenen Hells Angels Charters MC Kiel soll nach Deutschland ausgeliefert werden. Indes geht die Suche nach dem verschwundenen Tekin B. weiter.

Gegen den 39-Jährigen habe ein Haftbefehl vorgelegen, sagte die Kieler Oberstaatsanwältin Birgit Heß auf dapd-Anfrage. Weshalb nach dem Rocker gesucht wurde, wollte sie nicht sagen. Der Mann sitzt derzeit in Untersuchungshaft in Polen. Das Auslieferungsverfahren laufe, sagte Heß weiter. Ein Termin für die Rückführung des Mannes nach Deutschland gebe es derzeit nicht.

Nach dem Verbot der Hells Angels Flensburg und der Bandidos Neumünster im April 2010 hatte der damalige Innenminister Klaus Schlie (CDU) den Verein Hells Angels MC Charter Kiel im Januar dieses Jahres verboten. Damit wurde der seit September 1994 bestehende Verein mit sofortiger Wirkung aufgelöst.

Suche nach Tekin B. bislang erfolglos

Unterdessen laufen die Ermittlungen nach dem Großeinsatz von Staatsanwaltschaft und Landespolizei am 24. Mai im Kieler Rockermilieu weiter auf Hochtouren. Insbesondere suchen die Ermittler in einer Lagerhalle des Rockerclubs in Altenholz (Kreis Rendsburg-Eckernförde) nach der möglicherweise einbetonierten Leiche eines Mannes. Tekin B. ist seit dem 30. April 2010 verschwunden und soll wegen Drogengeschäften mit der Rockerbande aneinandergeraten sein. Die Ermittler vermuten die Leiche des Mannes im Fundament der Halle – bislang ohne Ergebnis, wie Heß am Mittwoch sagte. Die Suche könne noch Wochen dauern.

Bei der Razzia Ende Mai hatten 1.200 Beamte fast 90 Objekte im Norden durchsucht. Dabei wurden insgesamt fünf Mitglieder der Hells Angels festgenommen, darunter auch Anführer. Außerdem hatten Spezialeinheiten das Anwesen des Hannoveraner Hells-Angels-Chefs Frank Hanebuth gestürmt und dabei dessen Hund erschossen. Anlass der Großrazzia waren 194 Ermittlungsverfahren der LKA-Sonderkommission „Rocker“ gegen 69 Beschuldigte wegen Waffenhandels, Korruption, Erpressung, Menschenhandels und Körperverletzung.

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