Italien

Frau nach Erdbeben lebend geborgen

Mindestens 16 Menschen starben bei einem zweiten Erdbeben in Norditalien, rund 350 wurden verletzt. Tausende verloren ihr Zuhause.

Mindestens 16 Tote, 350 Verletzte und Tausende Obdachlose: Das ist die Bilanz des bereits zweiten schweren Erdbebens in Norditalien in diesem Monat. Ministerpräsident Mario Monti kündigte in einer eilig einberufenen Pressekonferenz ein rasches Handeln an. Derweil wurde das Freundschaftsspiel zwischen den Fußballnationalmannschaften von Italien und Luxemburg in Parma abgesagt.

Der Erdstoß der Stärke 5,8 brachte am Dienstag Fabriken und Kirchen in einer Region zum Einsturz, die noch immer mit den Folgen des letzten Bebens zu kämpfen hat. Rund 350 Menschen wurden verletzt, eine Person galt am Abend noch als vermisst. Eine Frau konnte zwölf Stunden nach dem Erdbeben lebend aus den Trümmern ihrer Wohnung gezogen werden.

Die Zahl der Obdachlosen in der Region stieg der Zivilschutzbehörde zufolge auf 14.000. Rettungskräfte durchkämmten die Trümmerhaufen nach möglichen weiteren Opfern. Die Zahl der Toten wurde am Dienstagabend kurzfristig auf 17 erhöht, dann ohne Angabe von Gründen wieder auf 16 gesenkt.

Das erste Erdbeben ereignete sich laut US-Erdbebenwarte um neun Uhr morgens. Das Epizentrum lag rund 40 Kilometer nordwestlich der Stadt Bologna. Als Vorsichtsmaßnahme wurden am Dienstag Schulen und Geschäfte in der Gegend kurzzeitig evakuiert. Mittags erreichten zwei weitere Beben in der Region Stärken von über 5,0, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtete.

Gebäude und Schulen in Mailand geräumt

In Mailand wurden hohe Gebäude und Schulen geräumt. Auf den Schienen zwischen Bologna und weiteren größeren Städten im Norden Italiens wurden Züge gestoppt und auf Schäden untersucht. Der Bürgermeister von San Felice Sul Panaro sagte dem TV-Sender Sky News 24, in seiner Stadt habe es Todesopfer gegeben. Anderen Medienberichten zufolge stürzte zudem ein Turm in der Ortschaft ein.

„Ich rasierte mich gerade und rannte halb nackt heraus“, sagte ein Bewohner von Sant' Agostino. Das bei dem Erdbeben vom 20. Mai verwüstete Rathaus der Stadt fiel bei den neuerlichen Erdstößen in sich zusammen.

Das Beben war auch in der nordwestlichen Stadt Piemont und in Venedig im Nordosten des Landes zu spüren. Wie bei dem letzten Erdbeben handelte es sich auch diesmal bei vielen der Opfer um Arbeiter, die beim Einsturz ihrer Fabriken ums Leben kamen.

Freundschaftsspiel nach Erdbeben abgesagt

Unterdessen wurde das Freundschaftsspiel zwischen den Fußballnationalmannschaften von Italien und Luxemburg in Parma abgesagt. Aus Sicherheitsgründen war das Teamhotel am Morgen kurzfristig evakuiert worden. Das Spiel hatte der Vorbereitung auf die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine dienen sollen. „In Anbetracht der Opfer und der anhaltenden Beben erschien es uns nicht recht, das Spiel weiterzuverfolgen“, sagte der Gouverneur der Provinz Parma, Vincenzo Bernazzoli.

Der italienische Ministerpräsident Mario Monti erklärte, die Regierung werde so schnell wie möglich alles in ihrer Macht stehende tun, „um die Wiederaufnahme des normalen Lebens in dieser für Italien so besonderen, so wichtigen und so produktiven Gegend zu garantieren“. Zum Zeitpunkt des Erdbebens habe er sich gerade mit Vertretern der Katastrophenschutzbehörden in Rom getroffen, um über das Ausmaß des Erdbebens vor rund einer Woche zu reden, sagte Monti. Damals waren bei einem Beben der Stärke 6,0 in derselben Gegend sieben Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 7000 Menschen wurden obdachlos.