Stärke 5,8

Zwei Erdbeben in Norditalien – Zahl der Todesopfer steigt

Die Schäden des Bebens vor gut einer Woche sind längst nicht behoben, da erschüttern Italien erneut Erdstöße. Es gab mehrere Tote.

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Nur neun Tage nach einem tödlichen Erdbeben sind bei neuen schweren Erdstößen im Norden Italiens mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen. Zahlreiche weitere Menschen wurden nach Angaben der Behörden am Dienstag verletzt, als ein Beben der Stärke 5,8 in der Emilia-Romagna Wohnhäuser und Fabriken einstürzen ließ. Auch zahlreiche beim ersten Beben am 20. Mai beschädigte historische Gebäude stürzten ein.

Ein erster Erdstoß der Stärke 5,8 erschütterte am Morgen die Gegend um Modena und war im gesamten Norden Italiens von Südtirol bis in die Toskana zu spüren. Tausende Menschen rannten in Panik auf die Straße. Gegen Mittag gab es dann eine Serie von drei schweren Nachbeben mit einer Stärke von über 5,0.

Eine Sprecherin des Zivilschutzes sagte, bislang gebe es 15 Todesopfer, bis zu fünf Menschen würden noch vermisst. „Die Lage ist sehr ernst, wir haben zahlreiche Verletzte“, sagte der Bürgermeister des Ortes Concordia, Carlo Marchini. „Alles ist eingestürzt, es herrscht Chaos, in der gesamten Stadt sind Gebäude zusammengefallen“, berichtete ein Feuerwehrmann der Zeitung „Corriere della Sera“.

Unter den Toten waren auch mehrere Arbeiter in den Ortschaften San Felice sul Panaro und Mirandola, die beim Einsturz von zwei Fabrikgebäuden ums Leben kamen. In der Stadt Carpi bei Modena brach der Dom teilweise in sich zusammen. Nach Angaben der Feuerwehr soll dabei ein Geistlicher von Trümmern erschlagen worden sein. Der Katastrophenschutz konnte dies aber nicht bestätigen.

Historische Gebäude zerstört

Historische Kapellen und Kirchen sowie Gebäude, die bereits beim ersten Beben in der Region neun Tage zuvor beschädigt worden waren, stürzten vollständig ein. Auch der berühmte Palazzo Ducale in Mantua mit seinen bedeutenden Fresken und mehrere Kirchen in der Stadt wurden beschädigt.

„Letzte Nacht war die erste, die wir seit dem ersten Erdbeben wieder zu Hause verbracht haben. Und dann kam das nächste Beben“, sagte ein Bewohner der Stadt Sant'Agostino dem Sender Sky TG24. „Alles wackelte, wir sind auf die Straße gerannt. Die Wege waren mit Leuten verstopft, die aus Angst vor einem Nachbeben aus dem Stadtzentrum geflohen sind“, berichtete eine Reporterin des „Corriere della Sera“ aus der Kleinstadt Cento.

Rund um Bologna wurde der Zugverkehr vorübergehend eingestellt. Die Strecken müssen auf Schäden überprüft werden. Im Erdbebengebiet wurden die Schulen vorsichtshalber bis Donnerstag geschlossen. Das Ferrari-Werk nahe Modena schickte seine 3000 Arbeiter nach Hause. Das Lager des berühmten Balsam-Essig-Herstellers Pontirol mit Firmensitz in San Felice sul Panaro wurde fast vollständig zerstört. In Parma wurde das für den Abend angesetzte EM-Testspiel der Fußball-Nationalmannschaft Italiens gegen Luxemburg abgesagt.

Das Beben vom 20. Mai in der Region um Ferrara hatte schwere Schäden an historischen Bauten und Kirchen angerichtet und Wohnhäuser und Fabriken zerstört. Tausende Menschen wurden vorübergehend obdachlos. Rund 7000 Menschen werden seither in Zeltlagern und Notunterkünften betreut, am Dienstag kamen rund 5000 weitere hinzu. Italienischen Medien zufolge wurden bis Montag 417 Nachbeben gezählt.

"Die Region Emilia-Romagna und ganz Italien werden diese schweren Momente überwinden“, sagte Staatspräsident Giorgio Napoletano. Ministerpräsident Mario Monti versicherte: „Der Staat wird alles daran setzen, die Schäden sobald wie möglich zu beheben.“