John Edwards

Der Ken der US-Politik, die Geliebte und das Wahlkampfgeld

Der US-Politiker John Edwards war ein Star der Demokraten. Jetzt könnte er zu 30 Jahren Haft verurteilt werden.

Er war einer der Hoffnungsträger der Demokraten, ihr Vizepräsidentschaftskandidat 2004, und er hat seine Familie und die Öffentlichkeit jahrelang belogen. Jetzt entscheidet eine Gerichtsjury in Greensboro, North Carolina, ob der Sünder John Edwards auch ein Krimineller ist.

Die Anklage wirft dem Politiker vor, Wahlkampfgelder in Höhe von fast einer Million Dollar illegal genutzt zu haben, um eine jahrelange Affäre mit der Filmemacherin Rielle Hunter zu verbergen. Im Falle eines Schuldspruchs drohen dem Ex-Senator von North Carolina eine Geldstrafe von 1,5 Millionen und 30 Jahre Haft.

"Nur" ein schlechter Ehemann?

Edwards sei ein schlechter Ehemann gewesen, sagen seine Verteidiger, aber er habe keine Gesetze verletzt. Die Gelder seien von zwei vermögenden Förderern ohne das Wissen des Politikers direkt an dessen Mitarbeiter Andrew Young gegangen.

Die Staatsanwaltschaft hält dagegen, der 58-jährige Edwards, der 2008 auch auf Barack Obamas Liste möglicher Vizepräsidentschaftskandidaten stand, habe die Verschleierung seiner Affäre persönlich eingefädelt und den Verstoß gegen diverse Gesetze in Kauf genommen.

Er habe zudem Young dazu gebracht, sich öffentlich als Vater eines Mädchens auszugeben, das er selbst im Februar 2008 mit Hunter gezeugt hatte.

Nach dem Ende der Zeugenanhörungen tagen seit Freitag die Geschworenen. Ihr Urteil wird für kommende Woche erwartet. Der Fall wühlt die amerikanische Öffentlichkeit stärker auf als andere Politiker-Affären.

Edwards hinterging krebskranke Ehefrau

Das liegt nicht nur am charismatischen Edwards, der wegen seines makellosen Äußeren mit dem Gefährten der Spielzeug-Puppe Barbie verglichen und als "Ken der US-Politik" bezeichnet wurde.

Noch mehr Sympathie erntete seine Frau Elizabeth, bei der 2004 Brustkrebs diagnostiziert wurde. Die Rechtsanwältin wurde zu einer öffentlichen Vorkämpferin für Frühuntersuchungen. Als John Edwards 2008 nach anfänglichem Leugnen entsprechender Medienberichte die Affäre mit Hunter eingestand, aber zu einem One-Night-Stand herunterspielte und die Vaterschaft weiter leugnete, vergab Elizabeth ihm.

Doch als sie im Januar 2010 die Wahrheit erfuhr, verließ Elizabeth Edwards ihren Mann, mit dem sie drei Kinder hatte, und reichte die Scheidung ein. Im Dezember desselben Jahres erlag sie ihrer Krebserkrankung.

Geliebte und gemeinsames Kind wurden verborgen

John Edwards "büßt lebenslänglich" dafür, dass er seine Familie belogen habe, sagte sein Anwalt Abbe Lowell im Prozess. Doch das fragliche Geld hätten Andrew Young und dessen Frau Cheri Pfister, "die Bonnie und Clyde beschämen würden", ohne Edwards Wissen von dessen reichen Förderern erbettelt.

Angeblich wollten sie damit seit 2007 Hunter und später auch deren Baby in einem gemeinsam bewohnten Ferienhaus verbergen. In Wirklichkeit aber hätten sie das meiste Geld genutzt, um sich selbst eine teure Villa, luxuriöse Urlaube und Schmuck zu verschaffen.

Die umstrittenen Geldzuwendungen stammen von einem vor wenigen Jahren verstorbenen reichen texanischen Anwalt, Fred Baron, und von der Bank-Erbin Bunny Mellon, die 101 Jahre alt und nicht mehr vernehmungsfähig ist.

Young reklamierte Vaterschaft für Edwards' Baby

Ein Ex-Mitarbeiter von Edwards bestätigte vor Gericht, er glaube seinem Chef und Freund, dass er erst mit Verspätung, im August 2008, von den Geldzahlungen an die Youngs erfahren habe.

Edwards, der zu diesem Zeitpunkt aus dem Kandidatenrennen für den Präsidentschaftswahlkampf ausgestiegen war (er lag zunächst hinter Hillary Clinton und Obama auf Platz 3), soll seiner vermögenden Förderin gesagt haben: "Bunny, du solltest niemandem Geld schicken."

Young, der über die Affäre vor zwei Jahren das Buch "The Politician" geschrieben hat, zeichnet die Geschehnisse gänzlich anders. Edwards habe die Vertuschungsaktion organisiert. Er, Young, habe aufgrund seiner damaligen Bewunderung für den Politiker mitgemacht und sogar die angebliche Vaterschaft für Hunters Baby reklamiert.

Mitarbeiter bangte um sein Leben

Edwards habe gesagt, damit würden die Medienspekulationen über Hunters Schwangerschaft beendet, "denn niemanden interessiert eine Affäre zwischen zwei Wahlkampfhelfern".

Im Laufe der Zeit seien aber seine Zweifel an der Legalität dieses Vorgehens gewachsen, so Young. Er und seine Frau hätten Edwards mehrfach aufgefordert, mit der Wahrheit an die Öffentlichkeit zu gehen.

Zudem habe er Nachrichten auf dem Anrufbeantworter, Emails und Videobilder als Beweise gesichert. Als ihn daraufhin ein nervöser Edwards in seinem Auto in eine waldreiche Gegend gefahren habe, habe er gefürchtet, der Politiker plane, ihn dort von einem Handlanger erschießen zu lassen.

Edwards machte von seinem Recht Gebrauch, nicht auszusagen. Als Lügner gilt er inzwischen ohnehin. Die Geschworenen beraten nun, ob er auch ein Krimineller ist.