Gala

100 Jahre Axel Springer – Das Leben als Revue

Rund 1000 Gäste erlebten bei einer Gala zum 100. Geburtstag Axel Springers in der Berliner Konzernzentrale ein überraschendes Programm.

Eine perfekte Überraschung. Als sich der Vorhang öffnete, stand da Mathias Döpfner persönlich auf der Bühne. Der Vorstandsvorsitzende übernahm den Prolog zur großen Feier des 100. Geburtstags – und spielte praktischerweise gleich sich selbst. Überraschend war auch, was er Axel Springer in seinem fiktiven Brief dem Verleger mitteilte: „Ein Held waren Sie nie“, sagte Döpfner. Eher schon: „Ein Held der menschlichen Schwäche. Immer alles nehmen, aber auch immer alles geben.“ Applaus erfüllte die Ullstein-Halle in Berlin-Kreuzberg.

Mathias Döpfners ironische und herzliche Annäherung an den 1985 verstorbenen Gründer der Axel Springer AG, in der auch die Berliner Morgenpost erscheint, ahnte die Stimmung des gesamten Abends voraus. Viel war anders als bei ähnlich feierlichen Ereignissen dieser Art: „Ihr Leben war doch kein Festakt. Eher 30 Hollywoodfilme. Aufregend, bewegend, mal komisch, mal tragisch, manchmal großspurig, niemals kleinkariert.“ So erklärte sich auch die Idee für den Abend. „Das Leben als Revue. Passt besser zu Ihnen, fanden wir.“

Rund 1000 geladenen Gäste

Und tatsächlich: Die rund 1000 geladenen Gäste, darunter Bundespräsident Joachim Gauck, der Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Vizekanzler und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), erwarteten keine Reden, sondern eine Revue. Ein Showact, der den Aufstieg Axel Springers zum erfolgreichsten, aber auch umstrittensten Verleger Europas zeigte. Ein Leben szenisch verdichtet auf 100 Minuten.

Ulrich Waller, Direktor des St. Pauli Theaters in Hamburg, inszenierte die Zeitreise, das Drehbuch schrieben Peter Huth (Chefredakteur der „B.Z.“), und der Autor Benjamin von Stuckrad-Barre, der erklärte: „Wir wollten Axel Springer aus dem Klischee-Kerker erlösen.“

Der Goldene-Kamera-Preisträger Herbert Knaup („Das Leben der Anderen“) spielte Springer in seinen verschiedenen Rollen als Unternehmer, politischer Denker, Frauenheld und Journalist. Leslie Malton („Der große Bellheim“) war Friede Springer. In den Nebenrollen: Peter Jordan als „Spiegel“-Chef Rudolf Augstein. Im Strandkorb auf Sylt inszenieren sie eine Blattkritik. Springer zu Augstein: „Dagegen, dagegen – seid ihr auch für irgendetwas?“ Darauf stoßen sie mit Champagner an.

Die Funktionäre rund um Stasi-Chef Erich Mielke (urkomisch: Rainer Brandt) haben ihre eigene Idee, wie man Springer unterwandern könnte. „Wir setzen ihm eine heiße Tipse ins Vorzimmer.“

Und noch eine Überraschung: Auch der langjährige „Tagesschau“-Sprecher Wilhelm Wieben spielte sich selbst und las mit sonorer Stimme Nachrichten vor.

Anspielung auf Springers Leidenschaft für die Frauen

Und so wurde ein weiter Bogen gespannt: Von der Gründung des Zeitungshauses in den Nachkriegswirren, als Springer in einem „Schweinestall Geschichten druckte“, wie er „Hörzu“ und die „Bild“-Zeitung erfand, über die Aussöhnung mit Israel bis hin zu dem Streit mit den Achtundsechzigern und der DDR-Staatssicherheit, für die er ein Feind wegen seines unerschütterlichen Einsatzes für die Wiedervereinigung war.

Max Raabe interpretierte in seinem umjubelten Auftritt den Schlager „Du bist nicht die Erste“ – eine Anspielung auf Springers Leidenschaft für die Frauen. Friede Springer gefiel es. Am Ende des Abends sagte sie über die Revue: „Es hat mich zu Tränen gerührt. Ich vermisse ihn jeden Tag.“