TV-Coup

Harald Schmidt bekommt neue Show beim Bezahlsender Sky

Entertainer Harald Schmidt wechselt mit seiner Late-Night-Show von Sat.1 zum Bezahlsender Sky. Ob sich nur der Arbeitgeber ändert?

Bisher schien Harald Schmidts Abschied von Sat.1 auch das vorläufige Ende der Late-Night-Show im deutschen Fernsehen zu bedeuten. Seit Mittwoch steht fest, es geht für den Entertainer im nächsten Herbst nahtlos weiter so wie bisher. Er hat gemeinsam mit seinem Partner Fred Kogel einen neuen Vertrag beim Pay-TV-Sender Sky ausgehandelt. In den Programmen Sky Atlantic HD and Sky Hits/HD wird er drei Mal wöchentlich von dienstags bis donnerstags ab 22.15 Uhr zu sehen sein und rund um die Uhr auf iPhone, iPad, im Internet und auf der Xbox 360 bei „Sky Go“ und „Sky Anytime“.

Dass Harald Schmidt damit zum Pionier wird für die Verschmelzung des Fernsehens mit dem Internet, ist eine Pointe, galt er doch schon als völlig abgemeldet – und das schon lange bevor ihm Sat.1 Ende März die rote Karte zeigte. Der Sender, bei dem er vor 17 Jahren seine einzigartige Karriere als Late-Night-Entertainer startete, hatte ihn erst im September 2011 von der ARD zurückgeholt. Zuletzt schalteten aber nur noch 560.000 die Show ein.

Am Donnerstag (3. Mai 2012, 23.15 Uhr) ist sie zum letzten Mal bei Sat.1 zu sehen. Als letzte Gäste sind der Sat.1-Moderator Ulrich Meyer und die Pianistin Yuja Wang angekündigt. Meyer könnte Schmidts Sendeplatz mit einem Ableger seines Magazins „Akte“ übernehmen, wie er dem Medienportal „dwdl.de“ sagte.

Sat.1 hatte gehofft, Schmidt würde zu seiner alten Form zurückfinden. Doch im Ersten hatte er auch schon geschwächelt und erst Oliver Pocher, danach ein junges Team aus Katrin Bauerfeind, Jan Böhmermann und anderen zur Unterstützung engagiert. Kritiker warfen ihm Lustlosigkeit bis zur Arbeitsverweigerung vor, und auch die ARD war nicht amüsiert. „Ich habe die Signale verstanden“, sagte Schmidt dann, als er nach sieben Jahren im Ersten zu Sat.1 zurückkehrte. „Gut finde ich, dass ich in Zeiten der großen Finanzkrisen in einem börsennotierten Unternehmen wieder anfange. Nicht mehr die undurchsichtige Welt der ARD, sondern die klare Frage: Bist du Dein Geld wert?“

Die Antwort darauf war bald klar: Zwar startete „Die Harald Schmidt Show“ viel versprechend – am 14. September 2011, dem Tag nach der Premiere, mit 1,43 Millionen. Doch danach ging es bergab. Die Durchschnittsquote dümpelt bei 730.000 Zuschauern und 5,4 Prozent Marktanteil, in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen nur bei 430.000 Zuschauern und sieben Prozent Marktanteil.

Sender verdiente mit Schmidt „richtiges Geld“

Zu Zeiten, als Harald Schmidt noch als „Late-Night-König“ galt, hatten Quotenrückgänge den Sender nicht sonderlich bekümmert. Sat.1 verdiente nach eigenen Angaben trotzdem „richtiges Geld“ mit Schmidt, weil die Werbeplätze heiß begehrt waren und sogar dafür Wartelisten existierten.

Insider schätzen laut Medienberichten, dass Schmidt vor gut zehn Jahren bei Sat.1 rund 20 Millionen Euro pro Jahr kassiert haben soll - für jede einzelne Show 100.000 Euro, davon soll seine Produktionsfirma Bonito TV jeweils 60.000 und Schmidt persönlich 40.000 erhalten haben. Der frühere Sat.1-Chef Roger Schawinski sagte, Schmidt sei weder ein Verlustgeschäft noch ein großer Gewinnbringer gewesen. „Aber in Sachen Image war er sensationell gut.“

Wann Schmidt und Kogel mit Sky Verhandlungen aufnahmen, wollte der Pay-TV-Sender auf dapd-Anfrage nicht sagen. Kogel deutete nur an, dass es schnell ging: „Meine Gespräche mit Sky und die gemeinsame Vision von Programmqualität haben zu einem schnellen Ergebnis geführt.“ Die Arbeitsplätze der Mitarbeiter der Produktionsfirma Kogel & Schmidt GmbH scheinen damit gesichert. An dem Konzept der „Harald Schmidt Show“ soll sich nach Angaben von Sky im Prinzip nichts ändern.

Schmidts Comeback hat ausgerechnet sein früherer Kompagnon bei „Schmidteinander“ (ARD), Herbert Feuerstein, im aktuellen „Spiegel“ prophezeit. „Ich bin Atheist. Aber an Schmidts Wiedergeburt glaube ich“, sagte der 74 Jahre alte ehemalige Gagschreiber und Ideengeber von Schmidt. Feuerstein bot dem gleichzeitig vom „Spiegel“ interviewten Ex-Redaktionsleiter und „Sidekick“ Schmidts, Manuel Andrack, eine Wette an. Andrack meinte, Schmidt werde bis Mai 2013 nicht wieder auf dem Schirm erscheinen. Er fragte Feuerstein, ob er seine Berliner Wohnung als Wetteinsatz hergäbe. Die Antwort: „Wenn ich jetzt, was ich sofort täte, eine Million Euro setzen würde, und der Schmidt kriegt das mit, dann sorgt er aus Bosheit dafür, dass er erst im Juni 2013 mit seiner nächsten Sendung kommt.“