Prozess in Oslo

Letzter großer Auftritt für Breivik vor Gericht

| Lesedauer: 3 Minuten

Attentäter Breivik sagt zu seinen Schüssen auf der Insel Utøya aus, danach zu seinem Psycho-Guitachten. Dann bekommen die Zeugen das Wort.

Zu Beginn der zweiten Prozesswoche hat der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik Detailfragen zu seinem Massaker auf der Ferieninsel Utøya beantwortet. An vieles erinnere er sich nicht mehr, betonte der 33-Jährige am Montag in Oslo.

Er hatte auf der Insel im vergangenen Sommer 69 Menschen getötet. Für Schüsse über kurze Distanzen habe er eine Pistole genutzt, für längere Strecken ein halbautomatisches Gewehr. Eigentlich sollte Breivik am Montag auch zu den zwei psychiatrischen Gutachten befragt werden. Es sei aber wahrscheinlich, dass dieses Thema auf den kommenden Mittwoch verschoben werden müsse, sagte Staatsanwalt Svein Holden.

Zwei psychiatrische Gutachten hatten den 33-Jährigen vor dem Prozess unterschiedlich eingeschätzt: Ein Expertenteam hatte ihn als paranoid-schizophren und damit schuldunfähig beschrieben, das andere als geistig gesund und zurechnungsfähig.

Breivik selbst will das Gericht davon überzeugen, dass er nicht in die Psychiatrie gehört. Wird er als schuldfähig verurteilt, erwarten den Terroristen 21 Jahre Gefängnis.

Bereits vier Tage lang durfte Breivik vor Gericht seine Ideologie erklären und die Morde an 77 Menschen fast minuziös nachzeichnen. Er ist des Terrorismus und vorsätzlichen Mordes angeklagt. Immer wieder betonte er in der vergangenen Woche, „Ich würde es noch einmal tun“, und äußerte sein Bedauern, dass bei den Anschlägen im vergangenen Sommer in Oslo und auf der Insel Utøya nicht mehr Menschen starben.

Das Bild des Monsters bröckelt

Vor allem die Angehörigen seiner Opfer mussten harte Worte und grausame Beschreibungen anhören. Sie sahen aber auch, wie das Weltbild des Massenmörders unter der Befragung der Staatsanwälte zu bröckeln begann. Mit jedem Tag verlor Breivik etwas von seinem Schrecken.

Am Montag hakten Staatsanwaltschaft, Opferanwälte und Verteidiger vor allem zum Massaker auf Utøya nach, wo Breivik 69 Jugendliche und Erwachsene tötete.

Der 33-Jährige hatte angegeben, sich nur an die ersten zehn Minuten des fast eineinhalbstündigen Amoklaufs zu erinnern, hatte dem Gericht dann aber doch recht detailliert berichtet. Auch die Tatsache, dass er sich vor den Attentaten „entmenschlicht“ und wie ein Soldat im Krieg von allen Emotionen abgekapselt haben will, soll noch einmal thematisiert werden.

Viele Norweger verfolgen den Prozess derweil beinahe gleichgültig. Es sei richtig, dass sich Breivik äußern dürfe, auch wenn er damit möglicherweise eine Bühne erhalte. Kritik dagegen kommt aus dem Ausland. Französische wie britische Medien zeigten kein Verständnis dafür, dass Breiviks Aussagen in der Öffentlichkeit wiedergegeben werden dürfen. Norwegen sei viel zu freundlich zu dem Massenmörder.

Auch der dänische Bestsellerautor Jussi Adler-Olsen forderte, der Prozess müsse hinter verschlossenen Türen stattfinden. „Wir sollten ihm nicht die Möglichkeit geben, seine Taten lang und breit zu begründen“, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Breivik könne durch seinen öffentlichen Auftritt neue Anhänger gewinnen.

Breivik erhielt diesen Montag zum letzten Mal in dem zehnwöchigen Prozess das Wort. Danach werden Zeugen zu beiden Attentaten gehört, zuerst zum Bombenanschlag im Osloer Regierungsviertel. Ende Juni stellen die Psychiater ihre Gutachten vor. Mitte Juli, rechtzeitig vor dem ersten Jahrestag des Massakers, soll das Urteil fallen.

( dpa/mim )

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