Prozess in Oslo

Breivik bereitete sich mit Computerspiel auf Massaker vor

| Lesedauer: 4 Minuten

Anders Behring Breivik hat sich offenbar mit einem Kriegsspiel am Computer und mit Übungen am Schießstand auf seine Bluttaten vorbereitet.

Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik hat sich mit Computerspielen und Übungen am Schießstand akribisch auf seine Bluttaten vorbereitet. Er habe etwa „Modern Warfare“ („Moderne Kriegsführung“) geübt, sagte der 33-Jährige am Donnerstag vor Gericht in der norwegischen Hauptstadt. Dabei kann der Spieler wie ein Scharfschütze Gegner mit einem Zielfernrohr im Fadenkreuz erfassen. Am vierten Prozesstag wurde Breivik zu seinen Vorbereitungen für die Attentate mit insgesamt 77 Toten im vergangenen Sommer befragt. Der Norweger ist wegen Terrorismus und vorsätzlichen Mordes angeklagt.

Erstmals verzichtete Breivik zu Beginn auf seinen rechtsextremen Gruß mit ausgestrecktem rechtem Arm und geballter Faust. Angehörige seiner Opfer hatten ihn am Vorabend darum gebeten.

Er dachte, er würde nicht überleben

Breivik gab seinen Waffen Namen aus der nordischen Mythologie. „Das (halb-automatische) Gewehr hieß Gungnir, wie der magische Speer des Gottes Odin, der nach jedem Wurf zurückkehrt, während ich die Glock (halb-automatische Pistole) Mjölnir nannte, nach dem Hammer von Thor, dem Gott des Krieges“, sagte der 33-Jährige. Die Polizei hatte Breivik nach dem Massaker auf der Insel Utøya mit den Waffen festgenommen. 69 Menschen kamen auf der Insel ums Leben, darunter viele Jugendliche. Zuvor hatte Breivik eine Bombe im Osloer Regierungsviertel gezündet und acht Menschen in den Tod gerissen.

Er habe damit gerechnet, den Bombenanschlag in Oslo nicht zu überleben, sagte Breivik. „Ich habe die Wahrscheinlichkeit, (den Angriff auf) das Regierungsviertel zu überleben, auf unter fünf Prozent geschätzt.“ Er habe die Situation daher simuliert und geübt, wieder herauszukommen, unter anderem mit dem Computerspiel „Modern Warfare“.

Ursprünglich hatte Breivik nach eigenen Angaben noch mehrere andere Terrorziele in der engeren Wahl. Der erste Plan sei gewesen, drei Autobomben zu bauen, sagte er. Als Ziele habe er sowohl das Hauptquartier der Arbeiterpartei, das Regierungsgebäude Stortinget, das Osloer Rathaus und ein Gebäude nahe der Zeitung „Aftenposten“ überdacht und verworfen. Hier wären zu viele unschuldige Menschen in der Nähe gewesen.

Konnte nur eine Bombe bauen

Er habe auch an das königliche Schloss gedacht, das von der Arbeiterpartei für Staatsbesuche genutzt werde. Wichtig sei ihm aber gewesen, der königlichen Familie keinen Schaden zuzufügen. „Ich bin Anhänger der Monarchie“, sagte Breivik.

Er habe es jedoch nicht geschafft, mehr als eine Bombe zu bauen. Daher habe er eines der Ziele auswählen müssen. Zusätzlich habe er sich für ein Massaker entschieden. „Das attraktivste Ziel wäre die internationale Journalisten-Konferenz Skup gewesen.“ Seinen Plan hier habe er aus Zeitgründen 2011 aber nicht realisieren können. Das Ferienlager der sozialdemokratischen Jugend auf Utøya sei das nächstbeste Ziel gewesen.

Der ehemals Selbstständige gab an, vor den Anschlägen ein ganzes Jahr freigenommen zu haben, um das Computerspiel „World of Warcraft“ zu spielen. Er habe im Schnitt 16 Stunden am Tag vor dem Computer gesessen. „Das war aber reine Unterhaltung, ein Hobby, und hatte nichts mit dem 22. Juli zu tun“, betonte er. Für seinen Anschlag habe er mit echten Waffen trainiert. Er sei mehrmals beim Schießtraining eines Vereins gewesen.

Das Manifest ist nur ein Entwurf

Zugleich räumte der Massenmörder ein, er stehe nicht hinter allen Aussagen seines 1500 Seiten starken Manifests. Er sei mit dem Dokument nicht ganz fertig geworden, es sei nur ein Entwurf, sagte der 33-Jährige. Auf die Frage von Staatsanwältin Inga Bejer Engh, ob er allem zustimme, was in dem Kompendium stehe, antwortete Breivik mit „Nein“. „Sie haben 77 Menschen getötet, ohne ganz sicher über das zu sein, was im Manifest stand?“, fragte Engh ungläubig. Breivik betonte, er stimme dem allermeisten zu.

Er habe beim Schreiben aber Rücksicht auf andere nehmen müssen. Das Manifest repräsentiere daher nicht seine Meinung, sondern die von vielen Europäern, sagte Breivik. Er hatte zuvor angegeben, von einem Netzwerk militanter Nationalisten mit dem Schreiben des Dokuments beauftragt worden zu sein. Nur Stunden vor den Terroranschlägen hatte er das Manifest mit dem Namen „2083 – Eine europäische Freiheitserklärung“ per E-Mail an rund 1000 Adressaten versandt.

( dpa/nbo )

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