Schwere Erdbeben

Warnzentrum hebt Tsunami-Alarm auf

Zwei schwere Beben vor Sumatra haben den Meeresboden erschüttert und kleine Tsunami-Wellen ausgelöst. Experten sehen aber keine Gefahr mehr.

Foto: DAPD

Entwarnung für die Länder rund um den Indischen Ozean: Das Tsunami-Warnzentrum hat seinen Aufruf zu erhöhter Tsunami-Wachsamkeit nach den schweren Erdbeben vor Sumatra am Mittwoch aufgehoben. Es sei zwar ein Tsunami ausgelöst worden, teilte das Zentrum in Hawaii mit. Doch bestehe keine erhöhte Gefahr mehr für die Küstenregionen.

Zuvor hatten kleine Flutwellen die Küste Samatras erreicht. „Unsere Bojen und Gezeitenanzeiger haben Mini-Tsunamis registriert“, sagte am Mittwoch ein Sprecher der indonesischen Erdbebenwarte. Es habe mindestens drei solcher Flutwellen gegeben. Die höchste sei in Meulaboh im Westen der Provinz Aceh auf der Insel Sumatra registriert worden. „Sie war 80 Zentimeter hoch“, sagte der Sprecher.

Zwei der stärksten Erdbeben der vergangenen Jahre hatten am Mittwoch innerhalb kurzer Zeit die Küste vor Sumatra erschüttert. Millionen Menschen rund um den Indischen Ozean wurden am Mittwoch in Alarmbereitschaft versetzt. Während das erste Beben nach indonesischen Angaben wohl keinen größeren Tsunami auslöste, blieb die Lage nach dem zweiten Erdstoß gut zwei Stunden später zunächst unübersichtlich.

Das zweite Erdbeben hatte nach indonesischen Angaben eine Stärke von 8,1, nach US-Angaben 8,2. Ein starkes Erdbeben vor der Küste der indonesischen Insel Sumatra hatte zwei Stunden zuvor den Indischen Ozean erschüttert. Die US-Erdbebenwarte USGS gab für das Beben eine Stärke von 8,6 an, zunächst war von 8,7 und sogar 8,9 die Rede gewesen.

Das Beben ereignete sich etwa 370 Kilometer von der Hauptstadt Sinabang der Insel Simeuluë vor Sumatra, in einer Tiefe von etwa 22 Kilometern. Zunächst hatte die US-Erdbebenwarte etwa 32 und 33 Kilometer Tiefe angegeben.

Das Tsunamiwarnzentrum rief alle Länder rund um den Indischen Ozean auf, nach Anzeichen eines Tsunamis Ausschau zu halten. Es handle sich aber nicht um eine Tsunamiwarnung, betonte das Zentrum. Doch Erdbeben dieser Stärke hätten das Potenzial, einen Tsunami mit großem Zerstörungspotenzial auszulösen.

Tsunamiwarnung für Aceh, Nordsumatra und Westsumatra

Indonesiens Erdbebenwarte gab danach zunächst eine Tsunamiwarnung für Aceh, Nordsumatra und Westsumatra heraus, wie ein Sprecher der Behörde sagte. Nach Angaben von Medien rannten die Bewohner auf Sumatra in Panik auf die Straße. Die genauen Ausmaße des Bebens blieben zunächst unklar. Viele Menschen an der Küste versuchten sich wegen des befürchteten Tsunamis in höher liegende Gebiete in Sicherheit zu bringen.

Die Gegend wurde Weihnachten 2004 von einer der verheerendsten Tsunamikatastrophen getroffen. Das Erdbeben mit darauffolgenden Flutwellen ebenfalls bei Sumatra hatte damals eine Stärke von 9,1. Rund 230.000 Menschen kamen damals insgesamt ums Leben. Am schlimmsten betroffen war Indonesien mit 168.000 Toten.

Sri Lanka evakuiert

Auch in Sri Lanka wurde eine Warnung ausgegeben. Die Menschen an der Küste seien aufgefordert worden, sich in höher gelegene Gegenden zu begeben, sagte ein Sprecher der Meteorologiebehörde. Der Süden, der Nordosten und auch die Hauptstadt Colombo könnten vom Tsunami getroffen werden. Ende 2004 gehörte Sri Lanka mit etwa 40.000 Toten zu den am schwersten von der Katastrophe betroffenen Ländern.

Thailand ist in Alarmbereitschaft. Die Behörden mahnten die Menschen an der Küste und in den westlichen Provinzen, sich in höhere Gebiete zu bewegen. „Wir beobachten die Lage und haben die Provinzen an der Andamansee aufgerufen, wachsam zu sein“, sagte ein Sprecher des thailändischen Katastrophenschutzes im Fernsehen.

Tsunami-Sirene in Phuket

Beim Tsunami 2004 waren die Ferieninseln Phuket und die Küste um Khao Lak weiter nördlich schwer betroffen. In Thailand starben damals mehr als 5000 Menschen, davon etwa die Hälfte ausländische Touristen. Auf Phuket wurden nun die Urlauber in Alarmbereitschaft versetzt, meldeten Behörden. Im Strandort Patong erklang als Vorsichtsmaßnahme die Tsunami-Sirene. Die Urlauber wurden aufgerufen, den Strand zu verlassen und rasch in höher gelegene Gebiete zu gehen.

Experten sehen geringere Tsunamigefahr

Die Tsunamigefahr könnte nach Auskunft eines Experten aber diesmel geringer als zunächst befürchtet sein. Anders als etwa bei dem verheerenden Beben Weihnachten 2004 habe sich der Meeresboden beim ersten Beben am Mittwoch horizontal bewegt, nicht vertikal, sagte der Geophysiker Bruce Pressgrave von der US-Erdbebenwarte dem Sender BBC. Dadurch sei die Tsunamigefahr geringer als bei einem Beben, bei dem der Meeresboden absackt.