Norwegen

Gutachter erklären Behring Breivik für zurechnungsfähig

In einem psychologischen Gutachten wird dem Attentäter von Oslo und Utøya Zurechnungsfähigkeit unterstellt. Ihm drohnen nun 21 Jahre Haft.

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Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik ist nach einem neuen psychologischen Gutachten zurechnungsfähig. Dies teilten die mit der Untersuchung Breiviks beauftragten Psychiater am Dienstag mit.

Breivik hatte gestanden, im Juli 2011 einen Bombenanschlag im Osloer Regierungsviertel und danach ein Massaker in einem Jugendlager der Arbeiterpartei verübt zu haben. Dabei wurden insgesamt 77 Menschen getötet, die meisten von ihnen Jugendliche.

In einem ersten Gutachten war der Attentäter als psychisch krank eingestuft worden. Endgültig muss die aus fünf Richtern bestehende Strafkammer gegen Ende des nächste Woche beginnenden Prozesses über Breiviks Geisteszustand entscheiden.

Sollten die Richter Breivik für zurechnungsfähig halten, muss der 32-Jährige bei einem Schuldspruch mit 21 Jahren Haft rechnen. Bei einer Einstufung als unzurechnungsfähig droht dem Angeklagten die dauerhafte Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie. Die Hauptverhandlung dürfte etwa zehn Wochen dauern.

Der 33 Jahre alte Breivik besteht darauf, psychisch gesund zu sein. Seine Taten müssten als politische Handlungen und nicht als das Werk eines geistig Verwirrten eingestuft werden. Mit dem Bombenanschlag und dem anschließenden Amoklauf habe er „Verräter“ getötet und einen Beitrag zur Rettung der europäischen Kultur geleistet. Strafrechtlich hält Breivik sich nicht für schuldig, wie er bei einem früheren Auftritt vor Gericht betonte.

Für Breivik sei Psychiatrie „schlimmer als der Tod“, hatte dessen Anwalt nach dem ersten Gutachten erklärt. Breivik hatte die Psychiater des ersten Gutachtens in einem Brief an norwegische Medien der Lüge bezichtigt. Sie hätten 80 Prozent ihrer Aussagen über ihn erfunden, hieß es in einem Schreiben, aus dem die norwegische Zeitung „VG“ Auszüge veröffentlichte.

Norwegen gehört zu den weltweit rund 20 Staaten, die eine lebenslange Haftstrafe in ihrem Strafrecht abgeschafft haben. Das norwegische Rechtssystem kennt eine Höchststrafe von 21 Jahren Gefängnis. Breivik kann bei einer Verurteilung dennoch für immer hinter Gittern bleiben. Schon beim Urteilsspruch kann das Gericht die sogenannte Verwahrung („forvaring“) verhängen, deren Ende ungewiss ist.