Geständnis in Emden

Im zweiten Anlauf stellt die Polizei den Mörder von Lena

Ein 18-Jähriger hat die Tötung der elfjährigen Lena in Emden gestanden. Er steht im Verdacht, weitere Sexualverbrechen begangen zu haben.

Foto: DAPD

Die Frau sagt: „Ich hoffe nur, dass sie jetzt den Richtigen haben.“ Sie war schon einige Male hier am Parkhaus, an dem Ort, an dem vor einer Woche die elfjährige Lena vergewaltigt und ermordet wurde, mitten in Emden. „Ich kann immer noch nicht begreifen, dass das hier passieren konnte.“

Und auch wenn einige der Blumen vor dem Parkhaus schon verwelkt sind, es scheint, als brauche die Stadt noch Zeit, um zur Normalität zurückzukehren. Gerade jetzt, wo Polizei und Staatsanwaltschaft sicher sind, diesmal den Richtigen gefasst zu haben, einen 18-jährigen Emder.

Oberstaatsanwalt Bernard Südbeck sprach am Sonntag von „klaren, handfesten Beweisen“ gegen den Tatverdächtigen. Den 18-Jährigen soll ein DNA-Test überführt haben. Zudem legte der Mann ein Teilgeständnis ab. Damit landete die Polizei nach der Freilassung eines zu Unrecht der Tat bezichtigten Jugendlichen doch noch einen schnellen Ermittlungserfolg.

Zeugen bringen Ermittler auf die Spur

Am frühen Samstagvormittag war der 18-jährige Emder in seiner Wohnung festgenommen worden. Zwei Zeugen hatten die Ermittler auf die Spur des Verdächtigen gebracht, sie hatten ihn gemeinsam mit Lena und ihrem gleichaltrigen Freund am Tag des Mordes gesehen. Eine Phantomzeichnung, die beim LKA in Hannover erstellt worden war, stimmte schließlich mit dem Bild von Überwachungskameras überein, sodass sich genug Indizien ergaben, um den 18-Jährigen im Polizeipräsidium zu vernehmen.

„Im Rahmen der Vernehmung haben wir den Tatverdächtigen mit dem Verbrechen konfrontiert“, sagte Ermittlungsleiter Werner Brandt. Zunächst habe der Mann die Tat geleugnet, schließlich jedoch sei er zusammengebrochen und habe den Mord gestanden. Allerdings gab er an, sich an die genauen Umstände des Verbrechens nicht erinnern zu können. Deswegen gab die Polizei keine Details bekannt.

Klar ist: Lena war ein Zufallsopfer, die beiden hätten sich vorher nicht gekannt, sagte Brandt. Offenbar hatte der 18-Jährige die Kinder, die mit dem Fahrrad unterwegs gewesen waren, vor dem Parkhaus angesprochen und das Mädchen in das Parkhaus gelockt. Hier soll er es missbraucht und „in Verdeckungsabsicht“ getötet haben. Der Mann kannte sich gut aus hier. Sein Hobby war eine Klettersportart, das Parcouring. Hierbei versucht der Kletterer auf direktem Weg vom einen zum anderen Punkt zu kommen und die Hindernisse, die sich ihm in den Weg stellen, zu überspringen. Der 18-Jährige nutzte oft das Parkhaus für seinen Sport, gegen ihn soll wegen Sachbeschädigung im Parkhaus ermittelt worden sein.

Bei einer Wohnungsdurchsuchung des 18-Jährigen sei auch Beweismaterial sichergestellt worden, sagte Brandt, dies werde noch ausgewertet. Ein Abgleich von DNA-Spuren habe allerdings bereits stattgefunden. So konnte nachgewiesen werden, dass die am Tatort sichergestellten Spuren mit der DNA des Verdächtigen übereinstimmen.

18-Jähriger versuchte offenbar zu vergewaltigen

Und auch für ein weiteres Verbrechen könnte der 18-Jährige infrage kommen. Er scheint auch der Unbekannte zu sein, der im November 2011 in den Wallanlagen – ein Park rund um Emden – versucht hatte, eine Joggerin zu vergewaltigen. Der Mann habe dazu keine Angaben gemacht, so die Ermittler. „Er sagt, er kann sich an diese Tat nicht erinnern.“ Ob der 18-Jährige noch für mehr Übergriffe in der Umgebung verantwortlich ist, prüfen die Behörden noch. Der Mann befinde sich in einer Jugendstrafanstalt.

Bei der Suche nach dem Mörder hatte die Polizei in der vergangenen Woche zunächst einen 17-Jährigen festgenommen. Dieser blieb drei Tage in Polizeigewahrsam, bevor am Freitag seine Unschuld erwiesen war und er freigelassen wurde. Er hat einen Anspruch auf Entschädigung. Der Tagessatz liegt im niedrigen zweistelligen Euro-Bereich. Der fälschlich Verdächtigte befindet sich in polizeilicher Obhut. Er sei in den vergangenen Tagen „rund um die Uhr“ betreut worden und werde auch in den kommenden Wochen Hilfe erhalten.

Gegen den unschuldigen Jungen hatte es Morddrohungen und Aufrufe zur Lynchjustiz gegeben. Eine aufgebrachte Menge von 50 Personen hatte sich am Dienstag vor dem Polizeirevier versammelt, um es zu stürmen und den zu diesem Zeitpunkt Verdächtigen zu lynchen. Zu der Tat war im sozialen Netzwerk Facebook aufgerufen worden. Auch vom tatverdächtigen 18-Jährigen sei der Klarname wieder auf Facebook veröffentlicht worden, Fotos von seiner und der Wohnung seiner Familie kursierten bereits im Internet. Der Staatsanwalt sagte: „Ich weiß nicht, ob man nicht lernen will oder nicht lernen kann.“