Wetter

Jetzt ist der Frühling vorbei - ersteinmal

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Foto: DPA

Der Frühling in Deutschland legt eine Pause ein, es kann sogar schneien. Müssen wir Ostern frieren? Der Wetter-Experte gibt Antworten.

Hoch Harry zieht sich langsam auf den Atlantik zurück und macht Platz für kühlere Luft aus Nordeuropa. Ab dem Wochenende kann es in höheren Lagen sogar schneien.

Der März 2012 befindet sich dennoch derzeit auf Rekordkurs und gehört laut wetter.net zu den wärmsten Märzmonaten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Das Sonnenscheinsoll des Monats sei deutschlandweit bereits um über 40 Prozent überschritten.

Birgt die wochenlange Trockenheit Risiken? Macht die Sonne nur Pause, oder wird das Osterwetter verregnet? Fünf Antworten von „Wetter.net“-Meteorologe Dominik Jung:

Morgenpost Online: Morgens ist es teilweise noch richtig kalt und man braucht die dicke Jacke, nachmittags herrscht dann T-Shirt-Wetter. Woher kommt der große Tagesgang bei den Temperaturen?

Jung: Für die aktuelle Jahreszeit ist das nicht ungewöhnlich. Am 20. März war Frühlingsanfang und damit Tag-Nacht-Gleiche. Das bedeutet Tag und die Nacht waren beide gleich lang. Ab diesem Zeitpunkt werden die Tage nun immer länger und die Nächte kürzer. Da die Sonne also immer noch recht früh untergeht, kühlt es gerade in den klaren Nächten weiter sehr stark aus, bis hin zu Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Tagsüber geht es dann aber mit kräftigem Sonnenschein wieder rauf auf 20 Grad und mehr. Morgens kann es also passieren, dass Scheibenkratzen angesagt ist und mittags sitzt man mit T-Shirt und kurzen Hosen in der Eisdiele. Zwischen Tag und Nacht können also locker mal 20 Grad liegen. ABER so ein Temperaturunterschied ist auch im Sommer nichts Ungewöhnliches.

Denken Sie etwa an einen heißen Sommertag, der Werte bis 35 Grad bringt. Nachts kann es dann durchaus auf 20 Grad und noch etwas tiefer abkühlen. Dann hat man auch schnell seine 20 Grad Temperaturdifferenz zusammen. Allerdings empfindet man morgendliche 17 oder 18 Grad weitaus angenehmer als die derzeitigen Werte um den Gefrierpunkt. Das subjektive Empfinden spielt dabei also eine nicht unerhebliche Rolle.

Morgenpost Online: Welche Folgen hat die seit Wochen andauernde Trockenheit?

Jung: Die Waldbrandgefahr hat stellenweise bereits die höchste Warnstufe erreicht. Fast überall ist mindestens Warnstufe drei von fünf. In einigen Regionen kam es bereits zu ersten Wald- und Wiesenbränden. Die Landwirtschaft wartet nun dringend auf Regen, denn viele Pflanzen befinden sich nun langsam aber sicher in der Wachstumsphase. Sollte die Trockenheit weiter andauern sind kostspielige Bewässerungsmaßnahmen die Folge. Dies wird sich alles letztlich auch auf die Verbraucherpreise niederschlagen.

Eine weitere Gefahr sind aufkommende Sandstürme. Besonders im Nordosten Deutschlands kann es in den kommenden Tagen wieder ziemlich gefährlich werden, denn hier nimmt der Wind stark zu und trocknet den Boden weiter aus. Staub und Erde kann aufgewirbelt werden und die Sicht binnen Sekunden gefährlich beeinträchtigen.

Bereits im April 2011 kam es so zu einer tödlichen Massenkarambolage bei Rostock. Aber auch in der Mitte und im Süden muss man in den nächsten Tagen aufpassen, wenn man an Feldern vorbeifährt. Sandstürme können überall und jederzeit auftreten.

Die Lage wird sich zunächst kaum entspannen, da flächendeckender Landregen einfach nicht in Sicht ist. Auch für Allergiker ist die Trockenheit eine große Belastung. Die Luft wird von Pollen überschwemmt. Derzeit sind immer mehr Birkenpollen unterwegs und die zählen zu den aller engsten Baumpollen überhaupt. Die 12,5 Millionen Allergiker im Land wird das kaum freuen!

Morgenpost Online: Wann kommt der Frühling zurück?

Jung: Das neue Frühlingshoch Ignaz steht quasi schon auf dem Atlantik bereit. Es wird sich aber noch etwas Zeit lassen. Daher ist in den nächsten 5 bis 6 Tagen erstmal eine Frühlingspause angesagt. Das heißt aber nicht, dass wir auf Sonnenschein verzichten müssen. Die kann sich nämlich immer wieder mal durchsetzen. Allerdings wird es zum Wochenende ziemlich frisch. Am Sonntag- und Montagmorgen droht sogar Frost bis minus 5 Grad.

Wer seinen Balkon oder Garten schon üppig bepflanzt hat, sollte auf jeden Fall Schutzmaßnahmen für die Pflanzen treffen, sonst war die ganze Bepflanzung umsonst, da Frostschäden drohen! Erst ab Wochenmitte wird es langsam wärmer und auch wieder sonniger. Allerdings ist in den kommenden Tagen nur im Nordosten mit etwas Regen zu rechnen. Im Südwesten geht das trockene Wetter weiter.

Morgenpost Online: Wie wird das Osterwetter 2012?

Jung: Beim Osterwetter ist wirklich noch vieles möglich. Gestern schien sonniges Wetter bei Werten zwischen 15 und 20 Grad in greifbarer Nähe zu sein und das von Karfreitag bis Ostermontag. Doch heute sieht es schon wieder etwas anders aus. Die gute Nachricht zuerst: an Ostern bleibt es angenehm warm. Bei Werten zwischen 14 und 19 Grad müssen wir mit keinem Wintereinbruch rechnen.

Aber es bleibt nicht durchweg trocken. An Karfreitag und Ostermontag kann es stellenweise etwas Regen geben. Dazwischen scheint aber immer wieder die Sonne und am Ostersonntagmorgen können wir die Eier im trockenen suchen.

Morgenpost Online: Gibt es schon einen ersten Sommertrend?

Jung: Da ist noch vieles offen. Ersten Trends zufolge werden auch der April und der Mai zu warm, zu sonnig und zu trocken auffallen – ein Umstand der den meisten von uns gefallen dürfte, aber denken wir auch hier an die Landwirtschaft, die Natur und die Allergiker. Für die ist das nicht wirklich ein „toller Frühling“.

Erste Berechnungen gehen von einem wechselhaften Junistart aus. Die zweite und dritte Junidekade dürften in Deutschland aber ziemlich freundlich und warm werden. Hier sieht das Langfristmodell von „Wetter.net“ einige schöne warme bis heiße Sommertage.

Das wäre zum Start der Fußballeuropameisterschaft in der Ukraine und Polen genau richtig, denn dann gibt es im ganzen Land sicherlich wieder viele Public- Viewing- Veranstaltungen.

( dapd/mim )

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