GNTM

"Euch fehlt Sprudel" – Klum macht ihre Mädchen nass

| Lesedauer: 7 Minuten
Kathrin Rosendorff

Das Leben als Nachwuchsmodel ist hart. Erst wird man nass gemacht, dann muss Klum angefasst werden. Und schließlich ist da noch die Sache mit der "Wall of Fame".

Proll-Sexbombe-Sara haut beim Walk das F-Wort raus. Sie wird für ihr Assi-Vokabular böse von Heidi gerügt. Nach ihrem Fuck-Fauxpas schwört Sara sprachliche Besserung: "'Alter' ist für mich nächste Zeit gestorben.“ So wie für viele Zuschauer schon länger "Germany’s Next Topmodel".

Die Quoten waren bereits vergangene Woche richtig weit unten. In der werberelevanten Zielgruppe von 14 bis 49 Jahren kam die Sendung nur noch auf 1,85 Millionen Zuschauer. Das Online-Medienmagazin DWDL schreibt , das sei die schwächste Quote seit dem Frühjahr 2010. Was ist passiert in Staffel 7?

Die ersten Jahre von "Germany’s Next Topmodel" waren noch eine Pflichtveranstaltung. In der U-Bahn oder im Büro überall sind einem am nächsten Morgen GNTM-Gespräche aufgedrängt worden.

Man selbst war auch irgendwie froh, sich über die Hänsel-und-Gretel-Beinchen-Geschöpfe oder die nervige monoton-quietschende Klum freizulästern. Doch mittlerweile findet das Geklatsche wohl nur noch auf Teenie-Facebook-Walls statt. Heidi und die Macher der Show sind selber schuld.

Alles wie bei "Reich und schön"

Die Folgen sind mittlerweile so langweilig und gleichbleibend wie die von „Reich und Schön“. Diese US-Dauersoap über die Fashionwelt läuft seit 1987. Und selbst wenn man sie das letzte Mal vor zehn Jahren gesehen hat und plötzlich wieder einschaltet, ist alles gleich geblieben. Bei GNTM ändern sich zumindest die Protagonisten. Oder irgendwie auch nicht. Denn es sind immer wieder ähnliche Mädchen-Typen, die ähnliche Challenges zu bestehen haben.

Da wäre zum Beispiel die „Das-ist-nichts-für-mich“-Luisa. Beim Emotions-Training der Top-18-Mädchen mit Hollywood-Schauspielerin Michelle Rodriguez ist ihr schon das Eine-Minute-Laut-Lachen nichts.

Thomas Hayo bittet sie daraufhin in die neu eingeführte Jury-Sprechstunde. Ihre Aufgabe: Fremde Leute auf dem Hollywood Walk of Fame anquatschen und sich mit ihnen fotografieren lassen. Irgendwie erinnert Luisa sehr an GNTM-Gewinnerin Jenny Hof aus 2008. Auch sie war immer schüchtern und musste diese Eigenschaft beinhart bekämpfen.

Das obligatorische Mobbing-Opfer

Und natürlich gibt es auch in dieser Staffel ein Mobbing-Opfer. Erinnerungen an die Halb-Brasilianerin Gisele (auch aus 2008) poppen auf. Diesmal ist es die nette, aber etwas langsam sprechende Evelyn aus Unterfranken, die im Schützenverein ist.

Sie wird von Melek, Verkäuferin aus Stuttgart, schon bei der „Lipstick-Challenge“ fertig gemacht. Melek, die man eigentlich mögen müsste, weil sie nach ihrer überstanden Krebserkrankung wieder antritt, ist in dieser Folge einfach nur unausstehlich.

Als Evelyn ihre Challenge-Partnerin wird (es ist die Folge der Teams), sagt sie gleich: „Ich bin total am Abkotzen, weil ich mit dem schwächsten Glied zusammengesteckt werde.“

Als das Model-Duo sich im schnellen Stuntman-Auto schminkt, lacht sie Evelyn aus, als diese ihren Lippenstift verschmiert. „Kinderkacke“, sagt Evelyn. Aber beim Emotionstraining später platzt ihr der Kragen und sie verweigert die Zusammenarbeit. Evelyn fühlt sich von Melek und deren Freundinnen respektlos behandelt. Zur selbsternannten Vierer-Gang gehören noch: Kasia, Luisa und Sara.

"Wir fressen von einem Teller, haben uns nackt gesehen"

Proll-Sexbombe-Sara ist die neue Gina-Lisa (auch ein Ex-Kandidatin aus 2008). Sie streitet alle Mobbing-Gerüchte ab: „Wir fressen von einem Teller, haben uns nackt gesehen (…). Wir können keinen Beef haben.“ Aja. Ihre Sprüche bringen zumindest ein bisschen Unterhaltungscharakter in die Show. Doch innsgesamt sind selbst die Nachmittagssendungen auf RTL spannender gescripted.

Wie jedes Mal landen die Mädchen in Los Angeles in einer Villa. Zehn Millionen US-Dollar kostet diese, sagt der Onkel aus dem Erzähler-Off, und dass Justin Timberlake gegenüber wohnt. Aber leider kommt der nicht zu Besuch. Ist ihm wohl auch zu langweilig – oder zu laut.

Beim Einzug in die Villa kreischen alle Mädchen wie gestört los. „So leben ja normalerweise 16- bis 21-jährige Mädchen nicht“, klärt Thomas Hayo das hysterische Gekreische auf. Doch noch nerviger als das Dauerquietsche ist das aufdringliche Product-Placement während der Sendung. So finden die Mädchen beim Einzug plötzlich ganz viele Geschenke rumliegen. Am Ende ist die Villa übersät mit leeren Kartons eines Internetschuhhändlers.

"Bei der Frau bekomme ich echt Druck"

Zwischendrin kommt wieder einmal die Erklärung aus dem Off: „Nur eine kann Germany’s Next Topmodel werden.“ Am liebsten würde man gegen den Fernseher donnern, Heidi Klum rauszerren und schreien: „Ach ja? Echt nur ein Mädchen?“ Heidi wird auch in dieser Folge nicht müde zu sagen: „Die Modelmappe ist superwichtig. Mit der muss man sich vorstellen.“

nd für genau die gibt es wieder ein Fotoshooting. Eine Clubszene wird nachgestellt: Ein Mädchen will gehen, die zwei Freundinnen wollen bleiben und tanzen. Dafür hatten die Kandidatinnen also das Emotions-Training. Special Guest ist diesmal Heidi Klum selbst. Das finden wohl nur die Model-Mädchen aufregend.

Ironisch ist, dass die größten Zicken bei der Aufgabe total versagen. Proll-Sara ist total eingeschüchtert mit Heidi vor der Kamera zu stehen. Ihre Erklärung: „Du sollst neben der gut aussehen. Kacke, Alter wie stellst Du das an? Bei der Frau bekomme ich echt Druck.“

Auch Melek hat Angst Heidi mal am Bein – wie manche Konkurrentinnen das tun – zu zerren: „Heidi fässt man ja nicht jeden Tag an.“ Beim späteren Walk ist zwischen ihr und Evelyn plötzlich wieder alles in Ordnung.

Die "Wall of Fame"

Für die Abschlussbeurteilung taucht Topmodel Anne V. auf. Sie ist auch als Freundin von Maroon-5-Sänger Adam Levine bekannt. Wieder einmal eine Heidi-Kollegin in der Show. Supi. Sie soll den Kandidatinnen den eleganten, langsameren Haute-Couture-Walk beibringen. Frau Klum steht bei der Vorstellung von Anne V. übrigens wieder einmal bauarbeiter-breit in ihrem Lederröckchen.

Aber es gibt auch was Neues: Die „Wall of Fame“ in der Villa: „Das ist sowas wie der beste Mitarbeiter der Woche“, sagt Klum und lacht. Dort wird nächste Woche das Bild von Rockerin Shawny hängen. Sie ist am besten gewalkt und war toll beim Fotoshooting – findet die Jury. Und Shawny war auch schon vergangene Woche bei der Berliner Fashion Week der Star.

Am Ende bleiben drei Wackelkandidatinnen: Jasmin, Anelia und Sarah-Anessa. Ohne viel Drama verkündet Heidi: „Euch allen fehlt es mehr an Sprudel.“ Sie meint Persönlichkeit. Anelia muss gehen. „Du siehst immer leidend aus“, sagt Heidi. Die inzwischen selber dauergelangweilt wirkt. Über zwei Stunden dran zu bleiben, da muss man wirklich Fan oder am Bügeln sein.

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