Designermode to go

"Clemens en August" verkauft Kollektion

Vier Tage lang verkauft "Clemens en August" seine Kollektion im Kunstverein. Anschließend zieht das Münchner Label weiter in die nächste Stadt. Wer nicht rechtzeitig da ist, hat Pech gehabt.

Foto: joachim baldauf

Den Begriff "Guerilla-Taktik“ vermeidet Alexander Brenninkmejier, wenn er über sein Mode-Label "Clemens en August“ spricht. Aber genau daran erinnert die aktuelle Aktion des Modemachers in München: Nur vier Tage ist Brenninkmejier mit seiner Frühjahrskollektion in der Stadt.

Im Kunstverein am Odeonsplatz mietet er sich von diesem Donnerstag bis Sonntag ein. Mitten in der Ausstellung des Künstlers Willem de Rooij hängen nun Kleider, Anzüge, Hemden und Blusen. Am Sonntag zieht "Clemens en August“ weiter in die nächste Metropole. Wer gerade keine Zeit hat – Pech gehabt.

Mit Druck auf die Kunden geht das Geschäft besser

So erschafft der Holländer Brenninkmejier eine neue Art der Exklusivität, die auf Zeit und Mühe basiert. Seine Kunden bekommen das Gefühl, durch bloße Anwesenheit etwas geleistet zu haben. Bisher scheint das Prinzip der künstlichen Verknappung zu funktionieren. Viele Kunden kämen bereits am Eröffnungstag, um noch genug Auswahl zu haben, erzählt er. Und der Druck, die einmalige Gelegenheit nicht zu verpassen, bringt die Leute wohl auch dazu, mehr zu kaufen.

Diese gefühlte Exklusivität ist nur ein Teil der Strategie von "Clemens en August“. Anders als bei Pop-Up-Stores, die oft in verlassenen Gebäuden unterkommen, präsentiert sich das Label ausschließlich in Galerien oder Museen. Ein wenig will sich das Modelabel auch als Teil der Kunst verstanden wissen und so gehobene Kundschaft anziehen.

Eine, die weiß, was sie will: hohe Qualität, aber keine Maximilianstraßenpreise. Über den Preis entstand auch die Idee des Wanderlabels. Brenninkmejier erkannte: "Im Lagerverkauf, wenn es günstiger ist, kloppen sich die Leute um Designerkleidung.“ Die Preise sind auf der "Tour“, wie Brenninkmejier es nennt, niedrig, weil sie kaum Miete zahlen müssen.

Mit Tourcode auch im Online-Shop billiger einkaufen

Zwar kann man die Kleidung auch auf der Website bestellen. Aber da kostet sie locker das Zweieinhalbfache. Wer allerdings persönlich im Kunstverein erscheint, bekommt an der Kasse noch einen "Tourcode“ mit, mit dem man auch im Onlineshop billiger einkaufen kann.

Diese etwas andere Art der Preisbindung sei bei Kunden sehr beliebt, sagt der 44-Jährige: "Bei uns funktioniert die Mund-zu-Mund-Propaganda sehr gut.“ Viele Kunden kennen sich, soziale Netzwerke kündigen die Termine an, wenn "Clemens en August“ wieder ein flüchtiger Besucher sind.

Drei Tage bleiben sie, dann verladen sie die Kleidung in den Laster, fahren weiter in die nächste Stadt, sieben Wochen lang. "Es hat schon was von einer Konzerttour“, sagt Brenninkmejier.

Nur in München bleiben sie einen Tag länger: Hier gründete der C&A-Spross die Marke, das Atelier steht immer noch in Haidhausen. Seit 2004 geht er von hier aus zweimal im Jahr auf Reisen, dazwischen entwirft er die nächste Kollektion. Wer es bis Sonntag nicht in den Kunstverein schafft – "Clemens en August“ sind im Herbst wieder da.

Clemens en August, Verkauf Donnerstag, 22.3. bis Sonntag, 25.3., jeweils von 11 bis 20 Uhr, Kunstverein (Galeriestraße 4)