Unglück in der Schweiz

Kinder im Bus mussten trotz Anschnallgurten sterben

Die Kinder in dem verunglückten Reisebus waren angeschnallt. Aber es hat ihnen nicht geholfen. Die Sitze wurden durch den Aufprall aus den Verankerungen gerissen.

Nach dem schweren Busunfall in der Schweiz sind 22 der 24 verletzten Kinder identifiziert. Viele der Verunglückten haben schwere Verletzungen, vor allem Brüche. Bei dem Unfall in einem Autobahntunnel im Schweizer Kanton Wallis kamen 28 Menschen ums Leben, darunter 22 Kinder.

Auf einer Pressekonferenz informierten die zuständigen Stellen über die neusten Entwicklungen. Der Zustand dreier Kinder ist besonders kritisch. Sie liegen immer noch im Koma und kämpfen um ihr Leben. "Sie sind im Klinikum von Lausanne untergebracht, die Ärzte wagen keine Prognose über den Fortlauf der Genesung", sagte Jean- Pierre Deslazeres, der Leiter des schweizerischen Notdienstes im Kanton Wallis.

Staatsanwalt erläutert die Details

Der Staatsanwalt im Kanton Wallis äußerte sich auf der Pressekonferenz zu dem Verlauf der Untersuchungen zu der Ursache des Unglücks. Man versuche, Zeugen für das Unglück zu finden. Es hätten sich bereits einzelne Autofahrer gemeldet, die den Reisebus mit den Kindern kurz vor dem Aufprall überholt hätten. Auch versuche man, die Überlebenden des Unglücks mit der nötigen Vorsicht zu befragen.

"Der Reisebus war neu und gut instand gehalten, der Fahrer war ausgeruht und hatte die nötigen Pausen eingehalten. Es hat keine Interaktion mit anderen Fahrzeugen gegeben. Trotzdem könnte eine Ursache überhöhte Geschwindigkeit gewesen sein“, so der Staatsaanwalt. Die Leiche des Fahrers werde untersucht.

Besonders erschreckend: „Die Kinder sind angeschallt gewesen, wurden aber durch den Aufprall losgerissen. Die Sitze wurden regelrecht durch die Heftigkeit des Aufpralls aus der Verankerung gerissen,“ sagte der Staatswanwalt. Das würde die hohe Zahl der Toten erklären. Unter den Verletzten war auch ein Kind mit der doppelte Staatsangehörigkeit aus Belgien und Deutschland. Der belgische Ministerpräsident Elio Di Rupo rief einen nationalen Trauertag aus.

Mögliche Ursachen könnte ein technischer Defekt gewesen sein. Auch eine plötzliche Erkrankung des Busfahrers, wie zum Beispiel ein Herzinfarkt, könnte zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden. Natürlich käme bei einem solchen Unglück auch menschliches Versagen in Frage.

Tunnel hatte keine Leitplanken

Der Unglückstunnel hat nach Einschätzung eines Unfallexperten schwere Sicherheitsmängel. Mit Leitplanken wäre das Unglück wahrscheinlich glimpflicher verlaufen, sagte der Unfallexperte des Internationalen Bustouristik Verbands (RDA), Johannes Hübner.

Nach der ersten Auswertung von Fotos, Unterlagen und Berichten von Helfern dürfte der Bus in einer langgezogenen Rechtskurve mit dem rechten Vorderreifen an den Bordstein geraten sein, sagte Hübner. Der Bordstein habe jedoch am Anfang einer Nothaltebucht plötzlich aufgehört. Dadurch könnte der Bus den Gegendruck des Kantsteins verloren haben und sei wohl in die etwa 50 Meter lange Bucht gefahren.

„Bevor man reagieren kann, sind die ersten 15 oder 20 Meter schon weg“, sagte Hübner. Der Fahrer habe wohl noch gegengelenkt. Am Ende der Nothaltebucht sei im rechten Winkel eine massive Wand. Dort sei der Bus wohl etwa mit Tempo 50 aufgeprallt. Das lasse sich aus dem Umfang der Schäden ableiten.

Nach Einschätzung Hübners sollte überall im Tunnel eine Leitplanke angebracht sein. Zudem habe es nach der Nothaltebucht keine Beschleunigungsspur gegeben. „Zumindest hätte eine doppelte Leitplanke am Anfang und am Ende der Nothaltebucht sein müssen.“