Unfall in der Schweiz

Tod im Tunnel – Auch ein Deutscher im Unglücksbus

Erschütterung und Fassungslosigkeit nach dem tragischen Busunfall in der Schweiz. Kinder, Eltern und Lehrer trauern in Belgien. Auch ein Deutscher befand sich im Bus.

In dem Unglücksbus in der Schweiz befand sich nach belgischen Angaben auch ein Deutscher. Dies teilte der belgische Regierungschef Elio Di Rupo am Mittwoch vor Journalisten mit. Im Bus seien außer den Schülern aus Belgien auch zehn Kinder aus den Niederlanden sowie jeweils ein Deutscher und ein Pole gewesen.

Er sagte nicht, ob es sich bei dem Deutschen und dem Polen möglicherweise um die Fahrer des Busses handelte.

22 Kinder, 4 Begleiter und die beiden Busfahrer starben bei dem schweren Unfall in einem Autotunnel, bestätigte Di Rupo. Drei Kinder lägen im Koma. Insgesamt 24 Menschen seien verletzt. Di Rupo kündigte einen nationalen Tag der Trauer in Belgien an. Er teilte mit, die Polizei habe Spezialisten entsandt, um bei der Identifizierung der Opfer zu helfen. Diese sei „sehr mühsam“.

Schock in Belgien und der Schweiz

Die Nachricht von dem tragischen Busunfall hat Belgien in tiefe Bestürzung versetzt. In der Schule Sint Lambert im flämischen Heverlee östlich von Brüssel versammeln sich am Morgen Kinder, Eltern und Lehrer, sie alle stehen unter Schock. 28 Kinder aus der Schule saßen in dem verunglückten Bus.

„Von acht von ihnen kennen wir das Schicksal nicht, die anderen haben gebrochene Arme und Beine“, sagt Schulpfarrer Dirk De Gendt der Fernsehnachrichtenagentur APTN. „Der Lehrer und der Betreuer sind ums Leben gekommen.“

Die Schulkinder, die nicht auf der Skireise waren, haben sich mit ihren Eltern und Betreuern in die Schule zurückgezogen. Polizisten und Psychologen versuchen zu trösten. Eine Mutter weint und betet. „Die Eltern der ums Leben gekommenen Kinder wollen in die Schweiz reisen“, sagt De Gendt. Aber es gebe Familien mit mehreren Kindern, die in Belgien sind. Es werde mit der Schulleitung versucht, eine Betreuung für die anderen Kinder zu ermöglichen.

Unfassbares Leid liegt über der Grundschule aus rotem Backstein. In bunten Lettern steht der Name über dem Portal, „St Lambert“. Ein rosafarbener Blechtintenfisch grinst Passanten an.

„Wir versuchen, Informationen über das Schicksal der Opfer zu bekommen“, sagt Polizeisprecher Marc Vranckix auf der Straße vor dem Gebäude, der Zugang ist abgeriegelt. „Es ist nicht einfach, wir wissen noch nicht genau, was passiert ist.“ Unterricht finde am Dienstag nicht statt. „Alle Lehrer sind erschüttert, es ist unmöglich.“

In den belgischen Fernsehsendern werden immer wieder die Bilder des zerschmetterten Busses gezeigt, von Hubschraubern, die Verletzte in die Krankenhäuser fliegen. Zwischen den Sondersendungen läuft ernste Musik. Ministerpräsident Elio Di Rupo spricht von einem „sehr traurigen Tag“ für das Land, bevor er sich zum Unglücksort auf den Weg macht.

Die Luftwaffe stellte zwei Sondermaschinen bereit, um Angehörige zu den Verletzten und Todesopfern zu bringen.

Angehörige der Bus-Opfer in der Schweiz angekommen

Die ersten Angehörigen der Opfer kamen am Mittwochnachmittag in Genf an. Ein Airbus aus Brüssel landete nach Informationen der Nachrichtenagentur Belga um kurz nach 15 Uhr. Mit kleineren Maschinen könnten die Familien weiter nach Sitten im Wallis geflogen werden, das nur knapp 20 Kilometer von der Unfallstelle bei Siders entfernt liege.

Das Flugzeug war vom Militärflughafen Melsbroek aus gestartet, nachdem Belgiens König Albert II. und Königin Paola sowie Premierminister Elio Di Rupo den Angehörigen dort ihr Beileid ausgesprochen hatten.

An Bord der Maschine waren auch Psychologen. Der belgische Militärflughafen, der sich die Start- und Landebahnen mit dem Zivilflughafen Brüssel-Zaventem teilt, war schon vor dem Eintreffen der Familien von Journalisten belagert und von der Polizei abgeriegelt worden.

Welle des Beileids für Familien der Unfallopfer

Politiker aus mehreren europäischen Ländern sprachen den Familien der Opfer ihr Mitgefühl aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schrieb am Mittwoch an den belgischen Ministerpräsidenten Elio Di Rupo: „Ich möchte Ihnen und Ihren Landsleuten in dieser schweren Stunde die Anteilnahme der Menschen in Deutschland und mein ganz persönliches Mitgefühl ausdrücken.“

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte: „Die Nachricht von dem Tod so vieler Kinder auf der Rückkehr von einer Ferienfahrt hat mich zutiefst bestürzt.“ Den über 20 Verletzten wünschte Westerwelle rasche Genesung.

Das Plenum des Europaparlaments legte am Mittwochmittag in Straßburg eine Schweigeminute ein. Der deutsche EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sagte, dass jeder in diesem Haus nachvollziehen könne, was es bedeute, wenn man seine Kinder auf eine Ferienfahrt schicke und die Särge zurückkämen.

"Gedanken des Königs sind bei den Opfern und deren Familien"

Auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso bekundeten den Opfern und deren Familien ihre Anteilnahme. „Es gibt keine entsetzlichere Dramen“, sagte Sarkozy am Mittwochmorgen dem Radiosender Europe 1. Barroso schrieb an den belgischen Regierungschef Di Rupo: „Dieses Unglück ist besonders dramatisch, weil es sich bei den meisten Opfern um Kinder handelt.“

Belgiens König Albert II. zeigte sich „zutiefst schockiert“ über den Unfall vom Dienstagabend. „Die Gedanken des Königs sind bei den Opfern und deren Familien“, sagte ein Sprecher des Palasts in Brüssel. Der niederländische Regierungschef Mark Rutte bestätigte, dass auch holländische Kinder im Unfallbus waren. Eine der Schulen, aus der die Kinder kamen, lag in der Grenzregion. Rutte sprach nach Medienberichten von einem „unglaublichen Drama“.

Das Schweizer Parlament, die Vereinigte Bundesversammlung, gedachte der Opfer: „Wir haben mit großer Bestürzung vom schweren Unglück des belgischen Reisecars im Wallis erfahren“, sagte Nationalratspräsident Hansjörg Walter. Das Walliser Kantonsparlament legte am Mittwoch in Sitten ebenfalls eine Schweigeminute ein.