Rangliste 2011

Ein Name macht in Deutschland auf sich aufmerksam

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"Limar" oder "Xanio" sind die Neueinsteiger, Sophie und Maximilian bleiben die beliebtesten Vornamen 2011 – doch auffällig ist der Erfolg eines anderen.

Sophie und Maximilian bleiben die beliebtesten Vornamen in Deutschland. Sie wurden im Jahr 2011 wie auch im Vorjahr 2010 am häufigsten von Eltern für ihre Kinder gewählt , wie die Gesellschaft für deutsche Sprache nun mitteilte.

Untersucht wurden die Listen von 575 Standesämtern und erfasste 73 Prozent aller in Deutschland geborenen Kinder mit rund 740.000 Vornamen und 50.000 verschiedenen Namensformen.

Auf den Rängen zwei und drei liegen ebenfalls unverändert Marie und Maria sowie Alexander und Paul. Die Gruppe der zehn beliebtesten Vornamen ist bei Jungen und Mädchen stabil geblieben. Bei den Mädchen haben sich „Emma“ und „Leonie“ um zwei Plätze nach vorn auf den sechsten und zehnten Platz geschoben, bei den Jungen hat „Ben“ einen Sprung vom elften auf den fünften Platz gemacht.

Einige Namen wurden im vergangenen Jahr erstmals registriert, so „Albesa“, „Bellaphina“, „Jasra“, „Demeo“, „Limar“ und „Xanio“.

Biblische Namen sind beliebt

Generell bevorzugten Eltern im Norden und Osten Deutschlands kurze Namen, im Gegensatz zu südlicheren Gefilden, wo Tradition und Religion bei der Namenswahl einen größeren Einfluss habe.

Außerdem seien weniger die Namen Heiliger wie etwa Katharina, sondern biblische Namen wie Adam, Elias oder Simon derzeit beliebt gewesen, sagte die Leipziger Namenforscherinnen Gabriele Rodriguez. „Ein anderer Trend, vor allem bei den Jungen, ging hin zu altdeutschen Namen, häufig als Zweitname wie Oskar, Karl, Hildegard und Gertrud“, so Rodriguez.

Stars als Namensorientierung

Die Unterschicht orientieren sich nach Angaben der Forscher bei der Auswahl der Namen häufig an den Medien. Prominente mit ihrem Nachwuchs dienten als Vorbilder. Im vergangenen Jahr seien deshalb zahlreiche Babys namens Blue, Peaches, Apple, Maddox und Summer geboren worden.

Wer allerdings sicher gehen wolle, den Vornamen seines Kindes nirgendwo anders wiederzufinden, nenne es Rapunzel, Tarzan oder Winnetou . Diese Namen sind in Deutschland sogar zulässig.

Vornamen beeinflussen das Leben

Psychologen raten allerdings zu zeitlosen Vornamen, denn Namen beeinflussen zwischenmenschliche Beziehungen enorm. Eine Auswahl wissenschaftlicher Erkenntnisse:

ERFOLGSCHANCEN: Namensforscher gehen davon aus, dass Vornamen Effekte haben. Auf Partnerschaftsbörsen im Internet klicken Frauen zum Beispiel Alexander um 102 Prozent häufiger an als Kevin. Mit Alexander assoziieren sie Bildung, mit Kevin wenig Sozialprestige.

HERKUNFT: In Deutschland werden Vornamen oft nach sozialer Schicht vergeben. Das Bildungsbürgertum bevorzugt klassische Varianten, die in Religion, Geschichte, Literatur oder dem eigenen Stammbaum eine Rolle spielen. Sozial schwache Familien orientieren sich gern an Fernsehshows und benennen ihre Kinder nach ihren Film-Helden.

LEHRER: Studien belegen, dass sich Pädagogen nicht von Namensklischees frei machen können. Sie schrieben Mädchen mit Namen Charlotte intuitiv positivere Eigenschaften zu als einer Chantal.

KENNENLERNEN: Bei der ersten Begegnung spielen Aussehen und Stimme eine große Rolle. Die erste Information, die wir über einen Menschen erhalten, ist aber oft sein Name. Populäre Vornamen werden dabei häufig positiv wahrgenommen, weil sie ein Gefühl der Vertrautheit vermitteln. Mit dubiosen Vornamen wie Laperla oder Pepsi-Carola verbinden viele Menschen unwillkürlich auch einen dubiosen Typ.

TRENDS: In den 60er Jahre riet ein Baby-Buch: Nennen Sie ihr Kind nicht Elke, wenn Sie nicht wollen, dass der ganze Kindergarten angerannt kommt. Ein ausgefallener Name kann einem Kind das Leben schwer machen – aber auch eine zukunftsweisende Idee sein. Wer vor 40 Jahren Friederike getauft wurde, hatte es nicht leicht. Heute gilt der Name als schick.

Vornamen können bei psychischer Belastung geändert werden

Haben die Eltern bei der Wahl des Vornamens daneben gegriffen, können Kinder ihn nicht so einfach ändern lassen. Der Gesetzgeber sieht vor, dass ein Vorname nur geändert werden kann, wenn ein „wichtiger Grund“ vorliegt.

Dazu zählen beispielsweise permanente Hänseleien in der Schule, im Beruf oder im Privatleben, die psychisch belastend sind, erläutert Rechtsanwältin Barbara Thomas in Karlsruhe. Dies müsse durch ein ärztliches Attest nachgewiesen werden.

Ein „Gefällt mir nicht“ oder die Begründung, dass der Namen albern klinge, reichten dagegen als Gründe nicht aus, erläutert Lothar Kirchner, Leiter des Standesamts in Offenbach am Main.

Mit dem 18. Lebensjahr können Jugendliche eine Änderung ihres Vornamens selbst beantragen. Vor der Volljährigkeit sind sie nur beschränkt geschäftsfähig. In diesem Fall können die Eltern oder ein andere gesetzlicher Vertreter den Antrag stellen.

Welche Behörde dabei zuständig ist, unterscheidet sich je nach Bundesland. In einigen Ländern kümmern sich die Standesämter um die Änderung, in anderen die Ordnungsämter. Werden die Gründe für die Namensänderung anerkannt, wird der neue Vorname im Geburtenregister eingetragen.

( dpa/AFP/ epd/mh/mak )

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