Proteste in Chemnitz

Thor-Steinar-Laden heißt nicht mehr Brevik

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Foto: AFP

Ein vor einer Woche in Chemnitz eröffnetes Geschäft mit Kleidung der bei Neonazis beliebten Marke Thor Steinar hat sich umbenannt. Statt "Brevik" ist über dem Laden nun der Schriftzug "Tønsberg" angebracht. Doch den Kritikern reicht das nicht.

Der Name „Brevik“ prangte nicht lange an der Ecke an der Chemnitzer Müllerstraße. Nur sieben Tage nach Eröffnung des Ladens mit der bei Rechtsextremen beliebten Modemarke „Thor Steinar“ hat die Chemnitzer Filiale die eisernen Lettern wieder abgeschraubt. Zu nahe war der gewählte Name eines Dorfes in Südnorwegen an dem des Psychopathen Anders Breivik, der im Juli 2011 in Oslo und auf der Insel Utoya 77 Menschen tötete.

Grund für das Einknicken der hinter der Marke stehende Firma Mediatex ist offenbar der harsche Protest eines Chemnitzer Bündnisses aus Lokalpolitikern, Gewerbetreibenden und Bürgern. Dieses hatten sich formiert, weil nur ein kleines „i“ fehlte, um „Brevik“ mit dem Massenmörder Breivik gleichzusetzen. Dem Uninteressierten wäre das vielleicht nicht einmal aufgefallen.

Wirkliche eine unbedachte Wahl?

Ein Mediatex-Sprecher im brandenburgischen Mittenwalde versucht abzuwiegeln. Die Ortschaft Brevik sei einfach als Namenspate gewählt worden und mit solchen Assoziationen habe man „nicht gerechnet“, sagt er. Dass trotz mehrerer Tausend zur Verfügung stehender norwegischer Ortsnamen die Wahl ausgerechnet auf Brevik fiel, nennt er eine „Unachtsamkeit“.

Hanka Kliese, SPD-Landtagsabgeordnete aus Chemnitz und Initiatorin von „Bündnis Buntes Brühl“, nennt die Argumentation verlogen. „Der Name war bewusst gewählt und sollte die Assoziation zu Breivik herstellen. Das ist widerlich, schockierend und entlarvt die Firma“, sagt sie. Das Verschwinden des Namens ist für sie deshalb auch nur ein Teilerfolg. „Hinter der Firma steht eine gewaltverherrlichende und menschenverachtende Ideologie. So einen Laden wollen wir nicht haben, egal wie er heißt“, betont Kliese.

Gegenkultur gefragt

"Die Lage in Chemnitz ist zugespitzt, seitdem der Bundesvorsitzende der NPD sein Büro hier hat. Die Stadt offenbar zu lange Raum für diese Leute geboten“, sagte Kliese.

Ähnlich sieht das der jüdische Gastronom Uwe Dziuballa, der zu den Protestierenden gehört. Seit der Eröffnung seines Restaurants gab es über einhundert Anschläge von Rechten, durch die Eröffnung des Ladens sehe er sich zum Widerstand angespornt. „Chemnitz ist nicht mehr oder weniger rechts als andere Städte. Es wird aber Zeit, dass wir dem eine andere Kultur entgegen setzen“, sagt Dziuballa.

Norwegen wehrt sich

Unterdessen ist die Kunde von dem Laden namens Brevik bis nach Norwegen gedrungen. Mehrere Tageszeitungen berichteten über die provokante Namensgebung, die angesichts der Vorfälle im vergangenen Jahr von vielen Norwegern als „sehr unglücklich und rücksichtslos“ empfunden werde, wie Anne-Kirsti Karlsen, Sprecherin der Norwegischen Botschaft, sagt.

Eine rechtliche Handhabe gegen Mediatex, die deutschlandweit 13 Geschäfte betreibt, hat aber selbst Norwegen nicht. So scheiterte das Land bereits vor Jahren mit einer Klage wegen der Verwendung der Landesflagge als Logo für die Marke „Thor Steinar“. Ebenso verpuffen Proteste wegen der Verwendung von norwegischen Ortsnamen für die Geschäfte. „Wir können nur förmlich protestieren. Die Firma antwortet uns auf unsere Schreiben aber nicht“, sagt Karlsen.

Chemnitz will keinen Thor-Steinar-Laden

Ebenso wie dem Königreich sind auch der Stadt Chemnitz die Hände gegen Mediatex gebunden – auch wenn man ebenfalls den Laden so schnell wie möglich wieder loswerden will, wie Pressesprecherin Katja Uhlemann betont. Um dennoch gegen die Inhaber vorzugehen zu können, hat die Stadt bereits Kontakt mit dem im bayrischen Landshut lebenden Hauseigentümer aufgenommen.

„Die ersten Signale sind positiv. Der Eigentümer ist genauso unglücklich wie wir über den Laden“, sagt Uhlemann. Diese Reaktion nährt nun die Hoffnung, dass der Laden demnächst komplett aus der Stadt verwschwindet.

( dapd/mim )

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