Südpolen

16 Menschen sterben bei Frontalzusammenstoß

In Südpolen stoßen zwei Züge frontal zusammen. Dabei werden mindestens 16 Menschen getötet und mehr als 50 verletzt. Die Retter arbeiten die ganze Nacht fieberhaft, um die Verletzten zu bergen. Es ist das schlimmste Zugunglück in Polen der vergangenen zwanzig Jahre.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Bei einem der schwersten Zugunglücke in der Geschichte Polens sind mindestens 16 Menschen getötet und fast 60 weitere verletzt worden. Die beiden Züge stießen am Samstagabend in Szczekociny im Süden frontal zusammen, weil sie aus noch ungeklärtem Grund auf dem selben Gleis fuhren, wie die polnische Bahn erklärte. Während die Bergungsarbeiten am Sonntag andauerten, schloss die Feuerwehr weitere Opfer nicht aus.

Nach dem Unglück vom Vorabend bargen Rettungskräfte am Sonntagmittag zwei weitere Todesopfer, wie ein Sprecher sagte. Unter den 56 verwundeten Opfern des Unfalls in dem Ort befanden sich demnach etwa 30 Schwerverletzte, darunter auch Ukrainer. Die Trümmer der beiden Züge müssten noch vollständig durchsucht werden, bevor weitere Opfer ausgeschlossen werden könnten, sagte Feuerwehrsprecher Pawel Fratczak. Bereits während der Nacht eingesetzte Spürhunde hätten jedoch keine weiteren Opfer geortet. „Wir werden erst hundertprozentige Sicherheit haben, wenn die Unfallstelle geräumt ist“, sagte Fratczak.

"Die ersten drei Waggons waren wie eine Ziehharmonika ineinandergeschoben. Ich war am Anfang des vierten Waggons eingeklemmt, nur einen halben Meter hinter dem Bereich der größten Zerstörung. Als es mir endlich gelang, auf den Korridor zu gelangen, dankte ich Gott.“ So zitierte das Internetportal wyborcza.pl einen der Überlebenden. Im TV-Sender TVN24 atmete ein anderer erleichtert auf: „Nur zwei Waggons haben mich vom Tod getrennt!“

Mit schwerem Gerät versuchten die Rettungskräfte die verkeilten Teile der Züge auseinanderzuziehen. Dabei war unter anderem eine große Kettenraupe im Einsatz. Auf den Gleisen warteten zudem zwei mit riesigen Kränen bestückte Schienenfahrzeuge auf das vorläufige Ende der Rettungsarbeiten, um die Zugtrümmer von der Unfallstelle heben zu können. Staatspräsident Bronislaw Komorowski kündigte am Sonntag eine Staatstrauer nach Beendigung der Rettungsarbeiten an.

Tusk: "Die schlimmste Katastrophe seit Jahren"

Nach Angaben der polnischen Bahn war einer der Züge von Warschau nach Krakau unterwegs, während der andere in der entgegengesetzten Richtung von Przemysl nach Warschau gefahren sei. Aus noch ungeklärten Gründen waren sie auf dem selben Gleis unterwegs, als sie gegen 21 Uhr zusammenstießen. Die Behörden leiteten ein Ermittlungsverfahren ein. Szczekociny liegt rund 80 Kilometer nördlich von Krakau in Schlesien.

„Dies ist die schlimmste Katastrophe seit Jahren“, sagte Ministerpräsident Donald Tusk, der ebenso wie Innenminister Jacek Cichocki zum Unglücksort kam. Bei dem Unfall handelt es sich um das schwerste Zugunglück in Polen seit dem Jahr 1990, als bei der Kollision zweier Vorortzüge in Warschau 16 Menschen starben. Zehn Jahre zuvor waren bei einem Zusammenstoß eines Personen- mit einem Güterzug in der Ortschaft Otoczyn im Norden des Landes 67 Menschen gestorben.

Bei der Kollision wurden beide Lokomotiven sowie drei Waggons aus den Gleisen geworfen und weitgehend zerstört. Hunderte Feuerwehrleute, Rettungskräfte und Polizisten waren im Einsatz. Der polnische Staatschef Bronislaw Komorowski lobte die Arbeiten am Sonntag und kündigte eine Staatstrauer für die Opfer des Unglücks an. Komorowski besuchte sowohl die Unfallstelle als auch ein Krankenhaus, in dem Verletzte behandelt wurden.

Rund 350 Menschen befanden sich in den Zügen

Überlebende sagten der polnischen Nachrichtenagentur PAP nach dem Unfall, es habe einen furchtbaren Lärm gegeben, dann seien sie von ihren Sitzen gefallen. Sie hätten mehrere Leichen sowie Körperteile inner- und außerhalb des Zugs gesehen. Nach Schätzungen der Bahn befanden sich rund 350 Menschen in den Zügen. Einer der schwer verletzten Menschen befand sich nach Behördenangaben in einem lebensbedrohlichen Zustand.

Auf fünfzehn Krankenhäuser mussten die Verletzten in der Nacht aufgeteilt werden. Direkt am Unfallort wurden Zelte für die anderen Fahrgäste aufgestellt. Für Angehörige wurde eine Informations-Hotline eingerichtet. Die Wojwodschaft (Regionalverwaltung) organisierte kostenlose Transporte, damit sie verletzte Familienmitglieder in den Krankenhäusern besuchen konnten.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte sich bestürzt über das Unglück. „Unseren polnischen Freunden übermittle ich unser tiefes Mitgefühl und unsere Anteilnahme“, erklärte er in Berlin. „Wir trauern mit den Angehörigen der Opfer und wünschen den Verletzten eine rasche Genesung“, fügte er hinzu.