Concordia-Kapitän

Schettino hatte am Unglücksabend keine Brille auf

Sein erster Offizier bringt Concordia-Kapitän Schettino in die Bredouille: Ambrosio sagte aus, er habe für den Kapitän das Radar prüfen müssen. Die Lesebrille lag in der Kabine.

Der Kapitän des verunglückten Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ trug bei dem Unglück nach Angaben eines Anwaltes keine Brille. Kapitän Francesco Schettino habe daher seinen ersten Offizier Ciro Ambrosio an dem Unglücksabend mehrfach gebeten, für ihn das Radar zu prüfen, sagte Ambrosios Anwalt Salvatore Catalano am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters am Rande der nichtöffentlichen Verhandlung im Beweisverfahren zu dem Unglück.

Die „Costa Concordia“ hatte am 13. Januar mit rund 4200 Menschen an Bord nahe der toskanischen Insel Giglio einen Felsen gerammt und war teilweise gesunken. Mindestens 25 Menschen starben, sieben werden noch immer vermisst. Die Staatsanwaltschaft wirft Schettino vor, das Schiff zu nah an die Küste heranmanövriert zu haben.

Der Kapitän muss sich wegen fahrlässiger Tötung und wegen des vorzeitigen Verlassens des Schiffes verantworten. Die Behörden ermitteln auch gegen den ersten Offizier Ambrosio, sieben weitere Offiziere und den Geschäftsführer des Unternehmens Costa Crociere.

Schettino hat bereits eingeräumt, das Schiff zu nah an die Küste herangebracht zu haben. Er sieht sich aber nicht als Allein-Schuldigen für das Unglück. Er hat zudem erklärt, auf seiner Seekarte sei der Felsen, der das Schiff aufgeschlitzt hatte, nicht verzeichnet gewesen.

Anwalt Catalano sagte Reuters, Schettino habe an dem Abend seine Lese-Brille in seiner Kabine liegen lassen,. Daher habe er Ambrosio mehrfach gebeten, das Radar zu beobachten und die Route zu prüfen.

In der nichtöffentlichen Verhandlung am Samstag in einem Theater in der Stadt Grosseto wurden zunächst Sachverständige bestimmt, die die Unglücksnacht rekonstruieren sollen. Keiner der Beschuldigten war bei dem Termin anwesend. Angehörige von vermissten Passagieren nutzten die Gelegenheit, um auf ihre Verzweiflung aufmerksam zu machen.