Kreuzfahrt mal anders

Furchtbarer Rentnermissbrauch auf der "Allegra"

Tropische Hitze, den ganzen Tag nur Sandwich. Um Gottes Willen! Die Strapazen auf der "Costa Allegra" übersteigen offenbar die auf der "Titanic".

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Die Passagiere der "Mayflower" (1620) waren Auswanderer, die zwei Monate und fünf Tage von England nach Amerika unterwegs waren. Ohne Toiletten und Duschen an Bord, ohne Klimaanlage und mit einer sehr eintönigen Verpflegung.

Die Reisenden an Bord der "Exodus" (1947) waren Überlebende der Konzentrationslager. Es machte ihnen nichts aus, unter freiem Himmel zu schlafen. Sie hatten keine Wahl. Das schreckliche Ende der "Titanic" (1912), der "Wilhelm Gustloff" (1945) und der "Estonia" (1994) wollen wir an dieser Stelle nur der Vollständigkeit halber erwähnen.

Aber alle dieses Katastrophen scheinen recht harmlose Ereignisse gewesen zu sein, verglichen mit den Qualen, die die über 600 Passagiere der "Costa Allegra" bei ihrer Kreuzfahrt entlang des ostafrikanischen Küste durchmachen mussten.

"Drei Tage ohne Strom... nur kaltes Essen... tropische Hitze... keine Klimaanlage... blockierte Toiletten... drei Tage voller Angst... vier Tage im Ausnahmezustand... ein Alptraum...morgens Sandwich, mittags Sandwich, abends Sandwich, da hat man irgendwann genug...".

Abenteuerurlaub – aus dem Ruder gelaufen

Nun, so etwas kann schon mal passieren, wenn man den "Ballermann" auf ein Kreuzfahrtschiff verlegt und ehemalige Schiffsschaukelbremser auf der Brücke Kapitän und Offizier spielen lässt. Man könnte aber auch vermuten, das Ganze sei ein geplanter Abenteuerurlaub gewesen, der am Ende nur ein wenig aus dem Ruder gelaufen ist.

Die Reisenden werden sich noch nach Jahrzehnten an diese Tage erinnern und ihren Enkeln erzählen, wie sie grüne Bohnen aus der Dose essen mussten. Schon jetzt werden sie in den Medien als "Überlebende" bezeichnet.

Was in den Berichten nicht zur Sprache kommt, ist das, was Kreuzfahrten ausmacht. Es ist eine völlig sinnlose Art der Fortbewegung, zu nichts nutze, als die Zeit tot zu schlagen. Von einem "Vergnügen", gar von einer "Erholung" kann angesichts des Dauerstress, dem die Teilnehmer solcher Belastungsproben ausgesetzt sind, keine Rede sein. Animation von morgens bis abends, danach Bingo und Disco bis zum Umfallen. Und dazu noch die Angst, von Piraten gekidnappt zu werden!

Schwimmende Kloaken

Auch der ökologische Kollateralschaden ist gewaltig. Die Kreuzfahrer müssen ein- und ausgeflogen werden, München-Madagaskar hin- und zurück. Jedes Schiff produziert mehr CO2 und Abfall als eine Panzerkompanie der Bundeswehr. Es sind schwimmende Kloaken.

Wer tut sich freiwillig so etwas an? Jeder zweite Passager auf der "Costa Allegra" war über 65. Wir brauchen dringend einen Rentnerbeauftragten, der dem Seniorenmissbrauch ein Ende macht.