Prozess

Pirat überfiel "Taipan" wegen 200 Dollar Schulden

Für das Kapern eines Container-Frachters wurden die Angeklagten offenbar mit Geld gedungen. Ein Angeklagter verrät vor Gericht immer mehr Details.

Nach seinem überraschenden Geständnis im Hamburger Piraten-Prozess hat ein 29-jähriger Angeklagter am Donnerstag weitere Details über das Leben der Piraten in Somalia preisgegeben. Der Mann sagte vor dem Hamburger Landgericht, dass er für seine Tätigkeit als Dolmetscher bei dem Überfall auf den Containerfrachter „Taipan“ vor der somalischen Küste im April 2010 1.500 US-Dollar bekommen sollte.

1500 Dollar Auftragsgeld für den Überfall

Er habe zuvor in der Verhandlung aus Angst falsche Aussagen gemacht, erklärte der Mann vor dem Hamburger Landgericht. Er selbst habe Schulden über 200 US-Dollar nicht abbezahlen können und deswegen arbeiten müssen, erklärte er am Donnerstag auf Nachfrage der Richter. Ihm seien abzüglich seiner Schulden 1500 US-Dollar aus dem Lösegeld versprochen worden. In seinem Geständnis hatte der Somalier erklärt, es seien Verträge gemacht worden, in denen klar geregelt war, wer welche Aufgabe hatte und wie das erhoffte Lösegeld aufgeteilt werden sollte.

Die zehn Angeklagten sollen das Hamburger Frachtschiff „Taipan“ an Ostern 2010 vor der Küste Somalias beschossen und gekapert haben. Ein niederländisches Marinekommando hatte die 15-köpfige Besatzung später befreit und die Piraten gefangengenommen.

Mit seinem umfangreichen Geständnis hatte er am Mittwoch die anderen Angeklagten schwer belastet. Er widersprach den Aussagen mehrerer Piraten, sie seien gezwungen worden, den Frachter anzugreifen. „Niemand ist zu dem Angriff auf den Frachter 'Taipan' gezwungen worden“, sagte der 29-Jährige im Landgericht. Zu einigen Punkten wie etwa der Rekrutierung der Piraten wollte der Angeklagte sich nicht äußern.