Pannen-Schiff erreicht Seychellen

Passagiere der "Costa Allegra" können von Bord

Schlepper haben drei Tage lang das havarierte Kreuzfahrtschiff "Costa Allegra" gezogen - ohne Strom. Die 600 Passagiere mussten bei tropischen Temperaturen und ohne Klimaanlage auf Deck ausharren. Jetzt hat der Albtraum ein Ende und sie dürfen direkt nach Hause fliegen oder noch auf den Seychellen Urlaub machen.

Foto: AFP

Das havarierte Kreuzfahrtschiff „Costa Allegra“ hat am Donnerstagmorgen im Hafen der Seychellen-Hauptinsel Mahé angedockt. Die ersten Passagiere gingen von Bord. Busse warteten mit laufenden Motoren, um die Schiffsreisenden in vorgebuchtete Hotels zu bringen.

Das manövrierunfähige Kreuzfahrtschiff „Costa Allegra“ hat am Donnerstag nach drei Tagen im Schlepp eines französischen Fischtrawlers in einem seychellischen Hafen angelegt. Einige Passagiere applaudierten als die „Allegra“ am Morgen in den Hafen von Victoria gezogen wurde. Dort hatte sich schon eine Menschenmenge versammelt.

Viele der rund 1000 Menschen an Bord standen am Donnerstag an Deck und winkten, als das Schiff am Kai festgemacht wurde. Das Rote Kreuz hatte im Hafen Zelte aufgebaut, um die Passagiere versorgen zu können. „Wir sind hier, um Wasser und psychologische Unterstützung anzubieten, weil die Passagiere sich in einer sehr stressigen Situation befanden“, sagte eine Rot-Kreuz-Mitarbeiterin.

Das seychellische Rote Kreuz hatte etliche Zelte errichtet, um hilfsbedürftige Passagiere zu versorgen. Vertreter von amerikanischen und europäischen Regierungen waren ebenfalls vor Ort. Die mehr als 600 Passagiere sollten nach ihrer Ankunft auf den Seychellen nach Italien, Frankreich oder Deutschland ausgeflogen werden. Nach Angaben der italienischen Reederei Costa Crociere wird ihnen aber auch angeboten, bis zu zwei Wochen – die Dauer der geplanten Kreuzfahrt – auf den Seychellen zu bleiben

Fernsehteams aus aller Welt hatten sich bereits Stunden vor der Einfahrt in Stellung gebracht. Auch die für die Seychellen zuständige deutsche Botschafterin in Kenia, Margit Hellwig-Bötte, sowie Honorarkonsulin Kerstin Henri wollten die 38 Deutschen an Bord des italienischen Schiffes in Empfang nehmen. „Das erste, was wir tun werden, ist den Deutschen zu helfen so weiterzuplanen, wie sie es bevorzugen, also noch auf den Seychellen zu bleiben oder abzureisen“, sagte Margit Hellwig-Bötte.

Auf dem Kreuzfahrtschiff war am Montag ein Feuer im Maschinenraum ausgebrochen. Die manövrierunfähige „Costa Allegra“ wurde anschließend von zwei Schleppern und einem französischen Trawler durch Piratengebiet nach Mahé gebracht. Bei der Ankunft vor Mahé wurde der Kreuzfahrer von dem Trawler geschleppt.

Da das Urlaubsschiff keinen Strom an Bord gab, mussten die Passagiere die Reise über den Indischen Ozean bei tropischer Hitze ohne Kühlung überstehen.

Auf dem Flughafen von Mahé standen zwei Flugzeuge bereit, um die Reisenden zurück in ihre Heimat zu fliegen. Nach Angaben der Reederei Costa Crociere will aber mehr als die Hälfte der 627 Passagiere ihren Urlaub fortsetzen. Sie sollen nun mit Schiffen zu Hotels auf verschiedenen Seychellen-Insel gebracht werden.

Die Havarie erregte besonders starke internationale Aufmerksamkeit, weil die „Costa Allegra“ zur selben Reederei gehört wie die „Costa Concordia“, die vor rund sechs Wochen vor der italienischen Toskana-Küste auf einen Felsen auflief und kenterte. Bei dem Unglück starben 32 Menschen.